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WEITERSFELDEN. Um einen liebenswürdigen und einzigartigen Menschen, ein wirkliches Original, ärmer geworden ist die Gemeinde Weitersfelden: Franz Koppenberger, Postbediensteter in Ruhe, starb unerwartet im Alter von 91 Jahren. Ein Nachruf auf den liebevoll „Koppi“ Genannten von Ludwig Riepl.

Franz Koppenberger verstarb unerwartet mit 91 Jahren. (Foto: privat)
  1 / 2   Franz Koppenberger verstarb unerwartet mit 91 Jahren. (Foto: privat)

Franz Koppenberger wurde am 29. November 1931 in der Gemeinde Buchers in der Streusiedlung Schwarzviertel nahe der österreichischen Grenze geboren. Gemeinsam mit sechs Geschwistern ist er in einem kleinen Bauernhof (Hausname Galli) aufgewachsen. Da in einer Höhenlage von 900 Metern die landwirtschaftlichen Erträge eher bescheiden waren, wurde die Zuerwerbsmöglichkeit in den Waldungen den Grafen Buquoy des Schlosses in Gratzen (Nove Hrady) im Sommer und Winter fleißig genutzt. Neben zehn Stück Vieh, zwei bis drei Schweinen und Hühnern standen zwei prächtige Ochsen mit einem Gesamtgewicht von 1700 Kilo am Gallihof. Der „Galli Franzl“ wog als Vierzehnjähriger nur 35 Kilo. Er war aber von klein auf in die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten eingebunden und stellte sich bei der Arbeit äußerst geschickt an. Diese Gewandtheit sollte ihm in seinem späteren Leben noch sehr von nutzen sein.

Flucht nach Österreich

1946 wurde der Vater von Franz Koppenberger in einer stürmischen Jännernacht verhaftet und in ein Arbeitslager gebracht. 1948 floh Familie Koppenberger in der Nacht mit den damals bereits achtzig Jahre alten Großeltern über die Grenze nach Österreich, da ihnen am Vortag alle Tiere weggenommen worden waren und sie in eine Kolchose kommen sollten. Von Sandl wurden sie zum Sitz des russischen Bezirkskommandanten nach Freistadt gebracht. Nach bangen Stunden des Wartens wurde ihnen erlaubt, in Österreich zu bleiben, wenn sie sich verpflichteten in der Land- und Forstwirtschaft zu arbeiten. Ein Traktor des Forstgutes Oberhammer brachte sie in die neue Heimat nach Weitersfelden in das Essmeisterhaus (Höller in Reitern). Der Rest der Familie fand in der Hammerhackl-Mühle und in der Ledermühle Unterschlupf.

Knecht und Holzarbeiter

Franz Koppenberger wurde Knecht beim Honis in Windgföll, dann Ochsenknecht beim Bruckmann in Schöneben und Holzarbeiter in Gugu-Schöneben. Ab März 1951 wurde Koppenberger beim Gastwirt, Holzhändler und Stechviehhändler Neulinger im Markt Weitersfelden der Hausknecht für alle Arbeiten. Der „Neulinger-Hausl“ stellte sich im Schlachthof, im Gasthaus, im Sägewerk in der Landwirtschaft und Forstwirtschaft äußerst geschickt an, so dass er einen dreifach höheren Monatslohn bekam. 1958 machte er den Busführerschein und kam zur Firma Pum nach St. Leonhard. 1959 durfte er seine geliebte Adolfine Mayrhofer aus Nadelbach heiraten und eine Familie gründen.

Busfahrer und Briefträger

1960 konnte er sich bereits das Kammer Michl Häusl kaufen und 1963 wurde er bei der österreichischen Bundespost Busfahrer. 1968 kam Franz Koppenberger als Briefträger nach Weitersfelden blieb bis zur Pensionierung. Bald war er in der ganzen Gemeinde als der lustige „Koppi“ bekannt, der sich durch große Hilfsbereitschaft auszeichnete. Er arbeitete auf den Bauernhöfen bei der Schweineschlachtung und auch im Wald mit, wenn Not am Mann war. In der Pension half der Franz als Busfahrer, Schulbusfahrer, Schankbursche etc. aus. In der wenigen Freizeit sang er sechs Jahrzehnte lang im Kirchenchor und war aktiver Musiker und Funktionär beim Musikverein.

Sternsinger noch mit 80 Jahren

Der regelmäßige Kirchgänger war mit mehr als 80 Jahren wohl der älteste Sternsinger Österreichs, da er Menschen in Not helfen wollte.  Mit seiner Ziehharmonika spielte er bei Zusammenkünften für die Dorfgemeinschaft und auch im Altersheim für die betagten Menschen. Der gesellige Koppi war überall gerne gesehen, besuchte alle Veranstaltungen und arbeitete bis zuletzt in seinem geliebten Wald. So umtriebig, lustig und laut er in seinem erfüllten Leben war, so still und leise ist er im Schlaf gestorben. Ende Juli wurde er am Friedhof in seiner „neuen“ Heimatgemeinde begraben. Koppi wird allen sehr fehlen. Hermann Mühlbachler hat sein „filmreifes“ Leben unter dem Titel „Vertrieben – Lebenserinnerungen eines Sudetendeutschen“ niedergeschrieben. Das Heft kann man in der Gemeinde-Bibliothek Weitersfelden/Abteilung Geschichtsarchiv ausleihen.


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