Einfache wie geniale Idee: B38 Tischler als Pioniere des Co-Working-Space
HIRSCHBACH. Die drei Tischlermeister Erich Brandstetter, Robert Hinterreither und Gerald Traxler betrieben schon gemeinsam Co-Working, lange bevor dieses Wort überhaupt erfunden war.

Die Idee ist ebenso simpel wie genial: Drei selbstständige Tischlermeister tun sich zusammen, teilen sich die Miete und Betriebskosten der Produktionshalle sowie die Maschinen und bleiben dabei jeweils ein eigenständiges Ein-Mann-Unternehmen.
„Wir waren Arbeitskollegen und haben ein jeder mit dem Gedanken der Selbstständigkeit gespielt. Schon 2000 hat unser Co-Working mit einer gemeinsamen, gemieteten Werkstatt in Freistadt begonnen“, sagen Erich Brandstetter aus Neumarkt, Robert Hinterreither aus Freistadt und Gerald Traxler aus Windhaag. Als der Platz dort zu klein wurde, bezogen die drei Tischler 2007 eine große Produktionshalle im Inkoba-Gebiet Hirschbach direkt an der B38.
Miete wird geteilt
„Die Halle ist gemietet, das Inventar aber gehört uns. Jeder nutzt die Halle und den gesamten Maschinenpark für sein Einzelunternehmen. Ein Warenlager betreibt jeder für sich, und auch die Buchhaltung ist getrennt“, erklärt Erich Brandstetter.
Der Maschinenpark besteht aus unterschiedlichsten Geräten, die je von einem der drei gekauft und den anderen jeweils zur gleichberechtigten Nutzung überlassen werden. Man achtet darauf, dass alle drei Tischler in etwa gleich hoch in Maschinen investieren. Wer in Summe den geringsten Investitionsaufwand hat, kauft die nächste Maschine, wobei die Geräte jeweils im Eigentum des Käufers verbleiben.
Vorteile liegen auf der Hand
Die Vorteile dieses Co-Work-Konzepts liegen auf der Hand. Zum einen können die Tischler zu akzeptablen Miet- und Betriebskosten in einer großen Halle mit ausreichend Bewegungsraum agieren. Durch die gute Auslastung der Maschinen ist es zudem leistbar, kontinuierlich modernste Maschinen anzuschaffen. Da die Nutzungsintensität relativ ähnlich ist, kann auf eine Stundenaufzeichnung und Aufwandsaufteilung verzichtet werden. Jeder achtet auf einen pfleglichen Umgang mit den Arbeitsmitteln, weil alle davon profitieren, wenn die Maschinen gut in Schuss bleiben.
Unkomplizierte Kooperation
Ein einfaches rechtliches Konstrukt ohne Gesellschaftsgründung, aufwendige Haftungsfragen etc. ist ein weiterer großer Vorteil der unkomplizierten Kooperation. Mittlerweile nutzen drei weitere Tischler als Sub-Mieter die Halle und die modernen Maschinen. Obwohl jeder seine eigenen Kunden hat, werden Erfahrungsaustausch und nach Bedarf auch Zusammenarbeit – etwa bei der Montage – groß geschrieben. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern ausschließlich die Vorteile unseres Modells. Die Chemie untereinander muss natürlich zwar schon stimmen und das Vertrauen gegeben sein. Dann aber hat jeder beruflich die maximale Freiheit bei sehr geringem Risiko“, so die B38 Tischler. „Mich fasziniert die Einfachheit dieses Modells, das ideal für Branchen ist, wo man viel Platz braucht und viel investieren muss“, sagt Dietmar Wolfsegger, Leiter der Wirtschaftskammer Freistadt.
Immer mehr wagen den Sprung in die Selbstständigkeit
„Man würde annehmen, dass gerade in Pandemiezeiten, wo doch große Unsicherheiten bestehen, weniger Personen den Schritt in die Selbstständigkeit machen. Genau das Gegenteil war bzw. ist der Fall“, blickt WKO-Leiter Dietmar Wolfsegger mit Freude auf die Gründerstatistik, in der mit 231 Neugründungen im Jahr 2020 für den Bezirk Freistadt ein AllTime-High zu Buche steht. Auch das erste Halbjahr 2021 bestätigt mit 138 Gründungen den anhaltenden Gründerboom (Vergleich: 120 Neugründungen im 1. Halbjahr 2020). „Die Unsicherheit auf den Märkten nutzten eben viele Freistädter, die schon länger den Gedanken an ein eigenes Unternehmen mit sich herumtrugen, das Vorhaben konkret anzugehen“, nennt Wolfsegger einen Grund dafür.
Betrachtet man die bevorzugten Branchen für die Gründungen 2020 im Bezirk Freistadt, so liegen Direktvertrieb (30 Gründungen) vor Unternehmensberatung/Buchhaltung/IT (18), Personenberatung/-betreuung (16), Persönliche Dienstleister wie z.B. Energetik (15), Fußpflege/Kosmetik/Massage (13) und Werbung/Marktkommunikation (12). Über die vergangenen zehn Jahre verzeichnete die Bezirkshauptstadt Freistadt mit 255 die meisten Gründungen. Besonders stark war auch die Region um Pregarten, Hagenberg, Tragwein und Wartberg mit insgesamt 554 Neugründungen.


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