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GMUNDEN. Künstler Hans Kienesberger zeigt in seiner umfangreichen „Traunseepartien“-Ausstellung Arbeiten, die einige Jahre vor und während der Produktion des „Traunsehers“ – einer legendären regionalen Kunstzeitschrift Anfang der 1980er, die Kienesberger mit Peter Putz und Walter Pilar gestaltete – entstanden sind und bisher nie gezeigt wurden.

  1 / 3   So manche filmische Aktivitäten in den 1970er Jahren am Traunsee gaben Anlass für ironische Architekturvisonen – wie ein aufblasbarer Badesteg im Winkl Traunkirchen. Foto: Peter Putz

Die Traunseeregion der 1970er und 1980er Jahre wird in Kienesbergers Bildern zur Bühne für Inszenierungen, die neue Sichtweisen von Raum und Zeit ermöglichen – unter anderem treten Steinzeitmenschen, SA-Männer, Papuas, Politiker, Heilige und Säulenheilige, Fußballer, Karl Marx, Wilderer und viele mehr auf. Kampfjets und Marschflugkörper in Sternenform donnern über Traunkirchen und auf der Bräuwiese wird ein Porno gedreht – das titelgebende Bild fasst die Themen kompakt zusammen: „Partie am Traunsee“. „Tips“-Redakteur  sprach vor der Vernissage mit dem Gmundner Maler, Zeichner, Fotograf, Bildhauer und Objektkünstler.

Tips: Was ist der Hintergrund der Ausstellung?

Kienesberger: Diese ironisch-kritische Sicht der 1970er und 1980er Jahre ist sowohl eine künstlerische als auch eine politische Antwort auf eine muffig-konservative und repressive Zeit. Gleichzeitig wurden wir in den politischen Gegenbewegungen sozialisiert. Die 68er Zeit, Kampf gegen den US-Imperialismus, Kuba, Vietnam, Chile – all das hat unsere Sicht auf die Welt bestimmt, auch in der Kunst. Der „Traunseher“ war so ein Produkt und in diesem Umfeld davor und danach (1963 bis 1983) sind die Arbeiten der Ausstellung entstanden. Unzufriedenheit, Wut, Ironie, Selbstironie waren Begleitfaktoren der künstlerischen Arbeit.

Tips: Warum haben Sie sich entschlossen, jetzt die Werke zu zeigen?

Kienesberger: Der Großteil der gezeigten Werke war bisher noch nie ausgestellt, höchstens Weniges als Begleitmaterial im Umfeld der „Traunseher“-Aktionen. So gesehen eine sehr geheime Kunstproduktion.

Tips: Unter welchen Umständen sind die Werke entstanden?

Kienesberger: Das meiste ist parallel zu meiner Zeit als Lehrer, Familienvater, „Traunseher“-Produzent, Aktivist zur Abschaffung des Bundesheeres, Zivildienstberater usw. entstanden. Manches davon ist mir auf den Kopf gefallen. So wurde ich nicht in den OÖ. Kunstverein aufgenommen, weil mich mein ehemaliger Kunstprofessor als „Kommunist“ denunziert hatte. Einige Zeit wurde mir vom Land und vom Bundesministerium nichts mehr abgekauft. Also nur lustig war“s auch nicht, aber wir waren ja nicht wehleidig und konnten im „Traunseher“ adäquat „zurückschlagen“.

Tips: Was hat Sie damals besonders geärgert?

Kienesberger: Die engstirnige Weltauffassung mancher Menschen und das sofortige Abwehren jeglicher Veränderung mit dem reflexhaften Rückgriff auf den Begriff „Heimat“. Einige haben geglaubt zu wissen, wie „Heimat“ zu interpretieren ist. Heimat als politisch korrekte Institution. Viele Lehrer waren damals noch von der NS-Zeit beeinflusst. Für mich war klar: So eine Welt will ich nicht haben.

Tips: Haben Sie konkrete Beispiele?

Kienesberger: Es gab damals eine Diskussion über eine ein Straße auf Feuerkogel. Jene, die immer von „Heimatschutz“ schwafelten, wollten die Heimat verhunzen und musealisieren und die Welt zubetonieren. Auch der Umgang mit ledigen Müttern und alleinstehenden Frauen hat mich geärgert und dass viele Leute unter die Räder gekommen sind.

Tips: Ihre Arbeiten müssen damals schon provokant gewirkt haben. Welche Reaktionen gab es?

Kienesberger: Ich war überrascht, dass und über was sich die Leute ärgern. Provozieren war nie die vorrangige Absicht, aber ich gebe meine Heimat nicht kampflos auf. Verbindlichkeit geht nur begrenzt, aber bewusstes Provozieren war´s nicht. Das macht kein Künstler. Beim künstlerischen Umsetzen muss man aufpassen, dass es nicht platt und oberlehrerhaft wird – Ironie wichtig, weil sonst ist es wieder das was man eigentlich nicht will.

Tips: In den damaligen Arbeiten spürt man diesen Zorn Würden Sie sagen das „Zorn der Vater aller Dinge ist“?

Kienesberger: Nicht in jedem Fall. Ich arbeite viel mit Textmaterial, das aus dem Buddhismus kommt. Aber ich bin schnell aufgeladen. Die Arbeiten müssen schon einen Biss haben.

Tips: Was ist zum Ausstellungstitel „Traunseepartien“ zu sagen?

Kienesberger: „Partien“ wurden im 19. Jahrhundert gern Landschaft-Sujets genannt, dann wurde der Begriff für Reisen im vergnüglichen Umfeld verwendet. Schließlich gab“s ab November in unseren Gasthäusern die „Bratl- und Blunznpartie“, an denen meine Familie immer aus Geschäftsräson teilnehmen musste. Manchmal drei Mal am gleichen Tag in verschiedenen Gasthäusern.

Tips: Ist mittlerweile Altersmilde eingekehrt? Wird man resignativer/gleichgültiger?

Kienesberger: Ich kann mir Altersmilde nicht leisten, sonst müsste ich dement sein. Muss nur für mich selbst ein System zum Einordnen finden. Ich will das nicht verbittert machen, sondern mit Ironie ohne Tunnelblick und Hammermethode.

Tips: Würden Sie manche Dinges in der historischen Distanz anders machen oder gelassener sehen?

Kienesberger: Ich will nichts zurücknehmen. Es ist immer alles in Erinnerung, auch die Freude über die Konsequenz. Die Frage für mich ist: Hat es vom künstlerischen Anspruch her Bestand? Das muss passen, sonst würde ich es nicht ausstellen. Ich muss nichts verräumen oder mich dafür genieren.

Tips: Wie verarbeiten Sie heute Ihren Ärger?

Kienesberger: Ich arbeite in meinen Bildern jetzt Themen wie NSA, TTIP, IS, Globalisierung verstärkt in Textform - immer mit konkreten Text mit Wiederholungen (Verschleierungen) und nicht mehr mit der Verknüpfung mit lokalem Raum. Ich recherchiere viel in Zeitungen und im Internet. Ich bin nicht weniger politisch, aber rationaler, weniger emotionell.

Ausstellung von 7. November bis 3. Dezember

Die Ausstellung „Traunseepartien 1973 bis 1983“ ist von 7. November bis 3. Dezember in den Galerien Tacheles und Kunstforum Salzkammergut (Traungasse 12) zu sehen (Dienstag bis Freitag 9 bis 11.30 Uhr, Donnerstag zudem von 16 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr). Bei der Vernissage am Sonntag, 6. November, um 11 Uhr spricht Manager und Kulturaktivist Franz Prieler zur Ausstellung.


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