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Lehár in Bad Ischl: Österreichs größtes Operetten-Festival geht heuer in die 64. Spielsaison

Maya Matschek, 17.04.2024 17:41

BAD ISCHL. Mit einigen Neuigkeiten soll das Lehár Festival in Bad Ischl von Samstag, 6. Juli, bis Sonntag, 25. August, auch heuer wieder ein großes Publikum nach Gmunden locken: Ein Operetten-Shuttle bringt Kulturinteressierte von den Nachbarstädten umweltfreundlich zum Festspielort und das neue Ticketsystem auf der erneuerten Festival-Website soll den Kartenkauf noch einfacher gestalten.

V. l.: Choreografin Evamaria Mayer, Darstellerin Susanna Hirschler, Geschäftsführer Thomas Enzinger, Bürgermeisterin der Stadt Bad Ischl und Vizepräsidentin Ines Schiller, Festival-Präsidentin Brigitte Stumpner, Darstellerin Nina Weiß und Regisseur Sebastian Kranner (Foto: Foto Hofer)
photo_library V. l.: Choreografin Evamaria Mayer, Darstellerin Susanna Hirschler, Geschäftsführer Thomas Enzinger, Bürgermeisterin der Stadt Bad Ischl und Vizepräsidentin Ines Schiller, Festival-Präsidentin Brigitte Stumpner, Darstellerin Nina Weiß und Regisseur Sebastian Kranner (Foto: Foto Hofer)

Noch laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, auch weil es dieses Jahr viel Neues geben wird. Stets an die Themen der Kulturhauptstadt 2024 angelehnt, war es den Festival-Organisatoren bei der heurigen Programmerstellung ein besonderes Anliegen, die Zeit des Holocausts in begleitenden Ausstellungen aufzuarbeiten. Zumal dies, laut Festival-Präsidentin Brigitte Stumpner, die persönliche Betroffenheit vieler Librettisten, unter anderem Alfred Grünwald, widerspiegelt.

Operetten-Shuttle und Ticketservice

Dieses Jahr neu: Ein Shuttlebus, der an drei Terminen jeweils einmal am Tag, Festivalbesucher nach Bad Ischl bringen wird. Beginnend von Pinsdorf über Gmunden bis nach Ebensee, soll so eine umweltfreundliche Alternative der Anreise für Interessierte aus der Umgebung geschaffen werden.

Beim heuer neuen Merchandise-Stand am Festival können Mitbringsel und Andenken gekauft werden: Schaumweine in außergewöhnlich geformten Flaschen und knalligen Farben, aber auch CDs, die über die Jahre produziert und „mit Raritäten des Festivals bespielt wurden“, soll für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Die Bestellung von Vorverkaufskarten kann dank eines neuen Systems unkompliziert auf der Festival-Website durchgeführt werden.

„Zeit für Emotionen“

„Ich habe das Lehár Festival immer als eine Art Ankerplatz gesehen. Als einen Ankerplatz für eine Zeit des Innehaltens, für eine Zeit um Kraft zu sammeln und Emotionen zu tanken“, sagte Intendant und Geschäftsführer Thomas Enzinger am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Linz.

Auch er spricht von der Wichtigkeit der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs: „Die jüdische Kultur, jüdische Vertreter, die in ihrem Beruf als Librettist doch so wichtig waren für diese Genre (Operetten), die möchten wir vor den Vorhang holen.“ Fokussiert habe man sich dabei unter anderem auf Fritz Löhner-Beda, der zum Beispiel den Text zur Operette „Märchen im Grand Hotel“ und zu „Der Sterngucker“ geschrieben hat. Seiner Person ist gemeinsam mit Ludwig Herzer und Alfred Grünwald eine eigene Ausstellung im Saalfoyer des Kongress & TheaterHauses Bad Ischl während des gesamten Spielzeitraums gewidmet.

Märchen im Grand Hotel

Den Startschuss für das diesjährige Lehár-Festival setzt die Operette von Paul Abraham „Märchen im Grand Hotel“. 1934 erschienen, konnte diese Revue-Operette aufgrund der damals politisch angespannten Situation in Berlin nicht aufgeführt werden, deswegen wurde sie in Wien gezeigt: „In einer Zeit, die auch immer radikaler wurde. Und genau das ist das Spannende daran. Angesichts der schwierigen Lage, in der sich jüdische Librettisten, also auch Fritz Löhner-Beda, damals befanden, schrieb er dieses Stück auf doch so unterhaltsame und witzige Art und Weise. Man könnte meinen, dass die Operette auch schon damals für sie ein Ankerplatz gewesen ist. Das heißt weg vom politischen hin in eine Illusion - in ein Märchen ,im Grand Hotel´.“

„Für das Lehár-Festival entsteht gerade so etwas wie eine Luxus-Edition des Grand Hotels. Eigentlich ist das Stück für einige wenige Solisten und ein Herrenquartett gedacht - in unserer Fassung ist der ganze Chor und ein riesiges, junges und bewegungsfreudiges Tanz-Ensemble mit dabei“, erklärte die mitwirkende Choreografin Evamaria Mayer die „erweiterte Neufassung“.

Die Premiere zu „Märchen im Grand Hotel“ findet am Samstag, 6. Juli, im Kongress & TheaterHaus statt. Und dabei ist auch an die Kleinsten gedacht worden: Das Stück wird am Samstag, 27. Juli, speziell als Kinder-Operette gezeigt. Freie Spenden sind hier erwünscht, diese kommen der Hilfsorganisation „Licht ins Dunkel“ zu Gute.

Der Sterngucker

Das Festival sei aber auch für die Förderung junger Talente bekannt. Mit gerade einmal 23 Jahren wird „Der Sterngucker“ mit Premiere am Freitag, 9. August, Sebastian Kranner´s erste Inszenierung am Lehár Festival sein.

„Ich selbst hab´ schon seit ich 13 Jahre alt war gewusst, dass ich Regisseur werden möchte. Davor habe ich selbst ein wenig geschauspielert, stand auf der Bühne und hab gesungen. Das war aber nicht die Seelenerfüllung. Die kam erst mit der Regie“, erzählte Kranner bei der Pressekonferenz. Er habe dann eine eigene Theatergruppe ins Leben gerufen, weil „ich der Meinung bin, dass das Schauspiel die Basis der Inszenierung ist“.

Die höchste Kunst sei laut ihm die Verbindung von gesprochenen, beziehungsweise gesungenen Worten mit Musik. „Grandios also, ein solches Musiktheater heuer inszenieren zu dürfen“, zeigte er sich stolz, und: „Eigentlich verrückt, dass dieses Stück so lange nicht gespielt wurde. Die Musik ist einfach so umwerfend gut, als befände man sich in einem ,Walzer-Rausch`, ja fast in einer Walzer-Ekstase: Es folgt ein Ohrwurm dem nächsten, es ist schmelzhaft und gleichzeitig akademisch und witzig.“

Inhaltlich geht es natürlich um Liebe. Das ist für Kranner jedoch alles andere als abgeschmeckt: „Liebe ist nicht umsonst das Thema, das die meisten Menschen nach wie vor beschäftigt. Dieses Thema endet nie - egal welches Alter.“

Der Bettelstudent

Neben dem „Märchen im Grand Hotel“ und dem „Sterngucker“ feiert der „Bettelstudent“ am Samstag, 13. Juli, im Kongress & TheaterHaus Bad Ischl, Premiere. „Ich möchte nah am Stück inszenieren, eine lebenslustige, aber auch raue, wilde und bunte Barockwelt zeigen. Der Bettelstudent handelt von jungen Menschen, die sich mit jugendlichem Leichtsinn, Leidenschaft und Humor in jegliche Art von Gefängnis und Bevormundung wehren. Sei es politischer oder gesellschaftlicher Natur“, so Angela Schweiger, die für die Inszenierung zuständig ist.

Finanzierung

Gefördert wird das Lehár Festival unter anderem von den zwei Hauptsponsoren, dem Land Oberösterreich und der Stadt Bad Ischl. Insgesamt stehen den Veranstaltern dieses Jahr 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Dabei weist das Festival selbst eine Eigenfinanzierungsquote von 77 Prozent auf.

Das ganze Programm und ausführliche Informationen zum Shuttlebus sind auf der Website leharfestival.at zu finden.


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