„Wenn sich Bräuche nicht verändern würden, hätten wir sie nicht mehr“
GMUNDEN/SALZKAMMERGUT. Schon kurz nach seiner Veröffentlichung landete „Bräuche im Salzkammergut“ unter den zehn meistverkauften Sachbüchern Österreichs. Die Gmundnerin Sandra Galatz stellt darin – völlig kitschbefreit – das gelebte Brauchtum ihrer Heimat vor.

„Die frühere Abgeschiedenheit der Region, eine wirtschaftliche Notwendigkeit – etwa bei den Heischebräuchen – aber auch die religiösen Vorgaben der Gegenreformation“ sind für Sandra Galatz einige der Gründe für das reichhaltige Brauchtum im Salzkammergut. Ganze 64 Bräuche hat die ORF-Redakteurin, studierte Volkskundlerin und begeisterte Volksmusikerin für ihr 200 Seiten starkes Buch gesammelt – von Glöcklerlauf, Liebstattsonntag oder Liachtbratlmontag bis zu den Vogelfängern.
„Beeindruckender Einsatz“
In ihren Gesprächen etwa mit Schützen oder Perchtenläufern gewann Galatz sehr persönliche und direkte Eindrücke, an denen sie den Leser teilhaben lässt: „Es ist beeindruckend, mit welcher Hingabe die Menschen da oft im Einsatz sind!“
Immer wieder schildert sie auch die historischen Hintergründe der Bräuche: Die Traunkirchner Seeprozession wurde etwa von den Jesuiten eingeführt, um den „katholischen Geist“ wieder im Salzkammergut zu verbreiten: „Die Jesuiten waren in der Dramaturgie sehr erfinderisch und haben damit die Volksfrömmigkeit im Barock sicher angesprochen. Die Prozession ist ja heute noch beeindruckend.“
Galatz selbst hat nach eigenem Bekunden keinen „Lieblingsbrauch“. Und sie steht auch dem Wandel der Traditionen positiv gegenüber: „Es erhält sich nur das, was die Leute gern tun. Wenn sich Bräuche nicht verändern würden, hätten wir sie nicht mehr!“


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