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BEZIRK GMUNDEN. Im Vorjahr erreichte die „erste Hilfe“ der Caritas insgesamt 272 Menschen im Bezirk Gmunden. Familien sind überdurchschnittlich oft von Armut betroffen. Um weiter helfen zu können, wenn die Situation wirklich verzweifelt ist, bittet die Caritas OÖ bei der Haussammlung um Spenden.

David Linsmaier von der Caritas-Sozialberatungsstelle Gmunden Foto: Caritas
David Linsmaier von der Caritas-Sozialberatungsstelle Gmunden Foto: Caritas

Armut spielt sich aus Scham meistens hinter verschlossenen Türen ab und ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Die Mitarbeiter in den Caritas-Sozialberatungsstellen sehen sie aber jeden Tag.

Wenn das Geld nicht fürs Essen reicht

Wie im Fall einer allein­erziehenden Mutter von zwei Kindern (drei und fünf Jahre), die bei der Caritas um Hilfe bat. Die laufenden Kosten für Wohnung, Essen und Kleidung übersteigen ihre finanziellen Möglichkeiten. Sie muss beim Ex-Mann die Alimente einklagen. Einen Antrag auf einen Unterhaltsvorschuss hat sie gestellt – aber die Bearbeitung dauert. Sie macht sich Sorgen um die Zukunft ihrer Familie. „Diese Existenzängste sind eine enorme psychische Belastung, das geht meistens Hand in Hand, dass sich der Gesundheitszustand verschlechtert – ein Teufelskreis“, kennt David Linsmaier von der Caritas-Sozialberatungsstelle in Gmunden die Problematik.

Familien besonders betroffen

Nicht selten haben Menschen nur sieben Euro am Tag zur Verfügung. Neben Kindern und Jugendlichen aus Ein-Eltern-Haushalten sind es vor allem Familien mit drei und mehr Kindern, für die ein leerer Kühlschrank konkrete Realität ist. „Durch die Deckelung der Mindestsicherung für Familien hat sich die Situation verschärft“, sagt Linsmaier.

Steht ein Schulausflug an, wird die Waschmaschine kaputt oder flattert eine Stromnachzahlung ins Haus, bringt das das Fass zum Überlaufen. Die kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung im Kindergarten reißt zusätzlich ein Loch ins Budget – obwohl gerade berufstätige Alleinerzieherinnen eine Kinderbetreuung bräuchten. Am Land kommt hinzu, dass zwar das Wohnen günstiger ist, aber man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist - und es oft ohne Auto nicht geht.

Aus Scham wird auf Ansprüche verzichtet

Viele arbeitende Menschen, die weniger als die Mindestsicherung von 920 Euro verdienen, trauen sich auch nicht, ihre finanziellen Ansprüche geltend zu machen. Ihr geringes Gehalt würde auf die Mindestsicherungshöhe aufgestockt werden, doch die fehlende Anonymität lässt sie vor dem Antrag beim Gemeindeamt zurückschrecken, so der Caritas-Mitarbeiter.

Die Caritas hilft – und bittet um Spenden

Im Vorjahr führte Linsmair 317 Beratungsgespräche. Die Überbrückung der akuten Notsituation – vorrangig mit Lebensmittel- und Bekleidungsgutscheinen – soll dabei nur kurzfristig sein, Ziel ist, gemeinsam einen Weg aus der Krise zu finden.

Hilfe für Benachteiligte in Oberösterreich

Die Hilfe der Caritas-Sozialberatungsstellen wird aus Spenden finanziert. Deshalb bittet die Caritas bei der Haussammlung im April und Mai um Unterstützung. Ehrenamtliche aus den Pfarren gehen dabei von Tür zu Tür und bitten um Spenden. Das Geld kommt ausschließlich der Hilfe für Menschen in OÖ zugute – und sichert das Bestehen von Caritas-Einrichtungen wie zum Beispiel den zwölf Sozial­beratungsstellen, dem Haus für Mutter und Kind, Krisenwohnen, acht „Lerncafés“ für Kinder und dem „Help-Mobil“, einer medizinischen Notversorgung für Obdachlose in Linz.


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