Einigung: Rechtssicherheit für FoodCoops

Hits: 1031
Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 13.12.2016 09:41 Uhr

VORCHDORF/SCHARNSTEIN/KIRCHDORF/LINZ. Unlauteren Wettbewerb hatte die Wirtschaftskammer OÖ im Frühling bei den FoodCoops gewittert. Grund waren fehlende Gewerbeberechtigungen der Lebensmittel-Einkaufsgemeinschaften - auch der Scharnsteiner „Fairteiler“, die Vorchdorfer „Speis“ und die „Güter WeGe“ aus Kirchdorf waren betroffen. Nun verkündete Landesrat Rudi Anschober eine Einigung.

Konsumenten bestellen, Produzenten liefern auf Basis der Sammelbestellungen und die Abholung erfolgt in Übergabestellen: Das ist die Funktionsweise von FoodCoops. Die Vorteile für die Konsumenten sind regionale, hochwertige Lebensmittel und Transparenz über die Produzenten und die Wege, die ihre Lebensmittel zurücklegen. Die Verkäufer profitieren von guten Preisen und einem planbaren Absatz.

WKOÖ forderte Gewerbeberechtigung

Was zunächst nur als kleine Nische begann, hat sich in den letzten Jahren immer mehr ausgeweitet: Im Bezirk Gmunden beispielsweise befindet sich neben „Speis“ und „Fairteiler“ derzeit auch eine Gmundner FoodCoop in Gründung. Die Wirtschaftskammer OÖ sah in diesen Einkaufsgenossenschaften eine unlautere Konkurrenz für Lebensmittelhändler. Sie forderte eine Gewerbeberechtigung auch für FoodCoops, sodass diese der Gewerbebehörde und der Lebensmittelaufsicht unterstellt wären (die Tips berichteten).

Klare Regeln für FoodCoops

Diese Forderung ist nun vom Tisch: Die von Grünen-Landesrat Rudi Anschober verkündete Einigung legt Rahmenbedingungen für Lebensmittel-Einkaufsgemeinschaften vor, die diese klar vom gewerblichen Lebensmittelhandel abgrenzen. So dürfen Waren nur an Mitglieder verkauft werden, die Öffnungszeiten wurden auf maximal zwei Halbtage pro Woche begrenzt und es darf keine Anstellung von Mitarbeiterinnen über die Geringfügigkeit hinaus geben. Die FoodCoop muss sich auf eine reine Vermittlung begrenzen und darf selbst nicht als Wiederverkäufer auftreten. Zudem ist die Gründung/das Bestehen einer FoodCoop bei der Lebensmittelbehörde zu melden.

„Gemeinschaftsläden“ als Alternative

Für Konsumenten oder Gemeinden, die Ambitionen auf mehr als das klassische FoodCoop-Modell haben - etwa wenn in einer Gemeinde die klassischen gewerblichen Nahversorgungsstrukturen zusammengebrochen sind und ein neues Nahversorgungsmodell geschaffen werden soll - soll ein Modell für „Gemeinschaftsläden“ ausgearbeitet werden. „In anderen Ländern gibt es das bereits, für Österreich wären das einstweilen jedoch noch Pilotprojekte“, so Dominik Dax von Bio Austria, „Geburtshelfer“ vieler FoodCoops im Land.

„Sicherheit vor weiteren Konflikten“

Zufrieden mit dieser Einigung zeigten sich nicht nur Vertreter der Wirtschaftskammer, sondern auch Florian Sedmak von der Vorchdorfer „Speis“: Wir können mit diesem Ergebnis gut leben, für uns wird sich nicht viel ändern. Vor allem freuen wir uns, dass es jetzt eine relative Sicherheit vor weiteren Konflikten gibt.„ Ein ab Jänner geplantes neues Online-Bestellsystem werde zudem die Vermittlerrolle der “Speis„ noch stärker hervorheben.

“Schont Ressourcen, vermeidet Müll und schafft Gemeinschaft„

Froh über die Einigung sind auch Claudia Zechmeister von der FoodCoop “Güter WeGe„ in Kirchdorf und Elisabeth Steinhäusler von der FoodCoop “Fairteiler„ in Scharnstein. “Die regionalen Produkte, die ich über die Foodcoop beziehe, reisen nicht um den halben Erdball und sind umweltschonend. Durch die Vorbestellung der Frischwaren (Gemüse, Milchprodukte) wird nur genau das produziert bzw. geerntet, was auch verkauft wird, d. h. es landet wenig im Müll„, sieht Steinhäusler als wesentlichen Vorteil der Einkaufsgemeinschaften. Zechmeister betont die Vorteile der starken Gemeinschaft im Sinne einer Nachbarschaftshilfe und des gemeinsamen Tuns: So entstehe durch die FoodCoops eine “Kulturinitiative, die weit über das reine Einkaufen hinaus geht„.

Artikel weiterempfehlen:

Kommentar verfassen



Event-Visionär vom Wolfgangsee für herausragende Leistungen ausgezeichnet

ST. WOLFGANG. „Event-visionär vom Wolfgangsee“ und Gründer der scalaria Peter Gastberger mit dem M.I.C.E Lifetime Achievement Award ausgezeichnet

Langlaufen: Top Bedingungen auf der Rettenbachalm

BAD ISCHL. Top Bedingungen herrschen derzeit im Langlaufzentrum Rettenbachalm.

Neue Franchise-Praxis sorgt im Vorchdorfer Generationen-Campus für „Xundheit“

VORCHDORF. Aufgrund zunehmender Patienten- und Therapeutenanfragen aus der Region rundum Vorchdorf eröffnet im Generationen-Campus-Vorchdorf die erste Franchise Praxis Xundheit, betrieben von ...

Landwirtschaft denkt in Generationen: Land zeichnet bäuerliche Betriebe als Erbhöfe aus

GMUNDEN. Gesamt 16 Betriebe aus ganz OÖ darunter sechs Betriebe im Bezirk Gmunden erhielten vom Land Oberösterreich den Ehrentitel „Erbhof“ verliehen. 

Probleme und Lösungen für den öffentlichen Verkehr im Salzkammergut

BAD ISCHL/BRÜSSEL. Die Premiere des ÖBB-Nightjet, der nunmehr regelmäßig von Wien nach Brüssel fährt, war für Europaabgeordneten Hannes Heide nicht nur Gelegenheit, ...

„Fragen zum Sozialrecht nehmen zu“

BEZIRK GMUNDEN. Im vergangenen Jahr wandten sich 8.472 Mitglieder an die Arbeiterkammer. Immer häufiger geht es dabei um Fragen und Probleme mit Pensions- und Rentenansprüchen oder Pflegegeld. ...

Diskussion um Absage von Heli-Days und Hafenfest 2020

GMUNDEN. Die Heli-Days mit ihrer Flugshow vor der Kulisse des Traunsteins lockten regelmäßig zehntausende Besucher nach Gmunden. Die heurige Absage schlug daher große Wellen.

Selbstentwickeltes Entlohnungsmodell fördert Mitarbeiter in der Region

GOSAU. Mit Jahresbeginn wurden im Gosauer Familux Resort die Segel für alle Mitarbeiter neu gesetzt: Mit Dachsteinkönig NewPay hat das Familienhotel einen Neustart in der Mitarbeiterentlohnung ...