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GMUNDEN. Angesichts des Brexits, der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und Fake News beschäftigte sich das hochkarätig besetzte Academia Superior-Symposium mit dem Thema „Ist die Welt außer Kontrolle?“. Der Diskussionsabend lockte rund 700 Interessierte ins Toscana Congress Centrum.

Goldman Sachs-Vizepräsident Lord Brian Griffiths und der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Alan Webber diskutierten in Gmunden über Brexit und Trump. Foto: Academia Superior/Löff

„Je größer die Umbrüche, desto größer auch die Unsicherheit.Es ist daher kein Wunder, dass viele Menschen das Gefühl bekommen, unsere Welt drohe außer Kontrolle zu geraten“, so Landesrat und Academia Superior-Obmann Michael Strugl (ÖVP) bei seiner Begrüßung.

Der wissenschaftliche Leiter der ÖVP-eigenen Gesellschaft für Zukunftsforschung Academia Superior, Markus Hengstschläger, moderierte eine prominent besetzte Referentenrunde mit Journalist Paul Lendvai, dem ehemaligen Chefredakteur und Herausgeber der Bild-Zeitung Kai Diekmann, dem ehemaligen Berater von Margaret Thatcher, Vice-Chairman von Goldman Sachs International und Brexit-Befürworter Lord Brain Griffiths, der internationalen Kriegs- und Krisenfotografin Andrea Bruce sowie dem ehemaligen Herausgeber der „Harvard Business Review“ Alan Webber.

Kriegsfotografin lenkt Blick auf „unangenehme Dinge“

Mit ihrem beeindruckenden Beitrag über ihre Einsätze in Afghanistan, Irak und im Gaza eröffnete Andrea Bruce den Abend. „Ich möchte den Blick auf jene Dinge lenken, vor denen viele lieber die Augen verschließen würden. Aber wir können uns nicht vor allem abschotten, denn alles was auf der Welt passiert, kann letztlich auch uns betreffen. Mein Ziel ist es Empathie für die Menschen vor Ort zu erreichen“, so Bruce.

Kultivierter Schlagabtausch über Brexit und Trump

Über den Brexit und die US-Präsidentschaftswahl diskutierten Lord Brian Griffiths aus Großbritannien und Alan Webber aus den USA: „Der Brexit bedeutet nicht, dass sich Großbritannien aus Europa verabschiedet hat. Wir haben uns nur von Brüssel verabschiedet. Wir wollten unsere Selbstbestimmung wiedererlangen, etwa in Migrations- oder in Handelsfragen“, betonte Griffiths als „Brexit-Befürworter“. Alan Webber, ehemaliger demokratischer Gouverneurs-Kandidat in New Mexico, versuchte die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten zu erklären: „Trump hat vor allem jenen, die das Gefühl haben auf der Strecke geblieben zu sein, vermittelt, Eure Ängste sind berechtigt und es gibt viele Gründe für Euch Angst zu haben. Damit hat er die USA tief gespalten.“

Kai Diekmann beleuchtete die Thematik aus der Sicht der Medien und verwies darauf, dass das Smartphone eine „Fernbedienung für das Leben“ sei und die digitale Welt mittlerweile realer ist als die wirkliche. Die klassischen Medien hätten ihr Informationsmonopol verloren, denn mittlerweile würden nicht mehr sie bestimmen, welche Informationen den Menschen vermittelt werden, sondern im Rahmen der digitalen Medien ein Algorithmus, der jedoch nur möglichst gefällige Inhalte für die jeweilige Nutzer suche. Daher müsse man sich fragen, welche Auswirkungen dieses völlig geänderte Nutzungsverhalten für unsere Gesellschaft bedeute: „Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, der wissen will, was die anderen erleben, denken und fühlen. Aber wie soll künftig eine Diskussion über gemeinsame Themen entstehen, wenn es diese gemeinsamen Themen nicht mehr gibt, weil jeder nur noch Informationen erhält, die ganz auf ihn persönlich zugeschnitten sind.“ Angesichts der „Macht des Algorithmus“ müsse man sich fragen, wer kontrolliert Facebook, wer kontrolliert die sozialen Medien, so Diekmann.

Eindringliche Warnung vor Nationalismus

„Die Welt ist nicht unsicherer geworden, wir bekommen nur viel mehr Ereignisse viel schneller und direkter vermittelt. Außerdem vergessen die Menschen zu rasch, dass erst in den vergangenen 70 Jahren in Europa durchgehend Frieden geherrscht hat“, meinte Paul Lendvai. Er warnte eindringlich vor dem „Nationalismus als gefährlichste Infektionskrankheit“ für Europa: „Es ist die wichtigste Aufgabe in der EU, den wieder aufkeimenden Nationalismus zu bekämpfen. Das ist eine gemeinsame Herausforderung für Politik, Medien und Bildungswesen“, so Lendvai.


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