Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BAD ISCHL. Jahrelang zog Hannes Mathes als erster Stellvertreter des Stadtparteivorsitzenden mit der SPÖ durch dick und dünn. Nun gab er sein roten Parteibücherl zurück, trat aus der Partei aus und will mit einer eigenen Liste bei der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl im kommenden Herbst in Bad Ischl antreten. Im Gespräch mit Tips erzählt er über Beweggründe und wohin die Reise führen soll.

Hannes Mathes geht nun neue Wege (Foto: Hörmandinger)
Hannes Mathes geht nun neue Wege (Foto: Hörmandinger)

Oft war der Name Hannes Mathes in den letzten Monaten in Zusammenhang mit einer möglichen Kandidatur für den Chefsessel in der Kaiserstadt genannt worden, nun hat es der ehemalige Bad Ischler SPÖ-Stadtrat Hannes Mathes offiziell gemacht. Dazu hat er sein rotes Parteibücherl zurückgegeben und will nun gemeinsam mit interessierten Bürgern eine neue Bürgerbewegung gründen und bei der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl im kommenden Herbst in Bad Ischl antreten. Denn um als Bürgermeisterkandidat antreten zu können, braucht Mathes eine Liste - so verlangt es die Gemeindeordnung. Bis August hat er noch Zeit, seine Mitstreiter zu präsentieren. Ob er sich an die Spitze der vor kurzem gegründeten Bürgerliste „Ischl kann mehr“ stellen wird, lässt der 44-jährige Jurist und Nebenerwerbslandwirt noch offen.

Tips: Über Ihre Kandidatur wurde ja schon längere Zeit diskutiert. Was war letztendlich der Grund für ihre Entscheidung sich um den Bürgermeister-Sessel zu bemühen?

Hannes Mathes: Die Entscheidung ist in den letzten Wochen mehr und mehr gereift, weil ich im Bekanntenkreis, aber oft auch auf der Straße angesprochen wurde: Wir brauchen in Ischl frischen Wind, neue Ideen. Ein ganz wichtiger Anstoß war für mich die Aussage einer jungen Mutter, die gemeint hat: Ich verstehe ja, dass die Politik jetzt viele Aufgaben hat. Aber niemand kann mir beantworten, wie das Lebensumfeld meiner Kinder in 20 Jahren aussehen wird – warum denkt niemand darüber nach? Das hat mich nicht nur nachdenklich gemacht, sondern auch zum Handeln veranlasst.

Tips: Wie gehen Sie mit der Frage dieser Mutter um?

Hannes Mathes: Auf Knopfdruck kann die beste Politik keine Antwort anbieten, die alle zufriedenstellt. Aber wir müssen gemeinsam mit den Bürgern genau darüber reden und Lösungsansätze finden. Das ist für mich ein ganz entscheidender Punkt: Nicht nur kurzfristig reagieren, sondern langfristig planen und agieren. Nicht nur Politik im kleinen Kämmerchen machen, sondern die Menschen mitreden, mitentscheiden lassen. Jeder Unternehmer, jede verantwortungsbewusste Familie denkt über den morgigen Tag hinaus. Es wird Zeit, dass wir das auch in der Ischler Politik machen.

Tips: Sie sind jahrelang mit den „Roten“ durch dick und dünn gegangen, jetzt haben sie sich offiziell von der SPÖ verabschiedet und gehen eigene Wege, was bewegte Sie zu diesem Entschluss?

Hannes Mathes: Ich möchte diese Zeit nicht missen und auch nicht die Bekanntschaften, die ich machen durfte. Doch die mehrfach erlebte Erkenntnis, dass sich reine Parteipolitik immer weiter von den Menschen entfernt hat, hat meinen Entschluss reifen lassen. Mir ist klar geworden, dass sich viele Parteiführungen immer mehr mit sich selbst beschäftigen. Sie wollen ihre teils uralten Programme umsetzen und haben weder Zeit noch Kraft, auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. So schnell sich die Zeit ändert, so langsam reagieren diese Parteiapparate auf diese Veränderungen. Deshalb ist es gerade in Ischl Zeit für Neues.

Tips: Haben Sie schon konkrete Themen, die Sie diskutieren wollen?

Hannes Mathes: Ein Schwerpunkt ist sicher der Bereich der Bildung und der Kinderbetreuung. Wir müssen hier neue Wege gehen und nicht nur davon reden, wo welche Schule hinkommt. Es kommt nicht nur darauf an, wie ein Schulgebäude von außen aussieht. Viel wichtiger ist: Was ist für unsere Kinder drin? Dafür braucht es eine Bildungsoffensive, darüber werde ich mit den direkt Betroffenen reden. Darüber hinaus gibt es im Bereich der langfristigen Stadtentwicklung viele Themen, die die Bürger betreffen und die sie auch mitgestalten sollen – Wohnen, Arbeit, Mobilität und die Erhaltung unserer Naturlandschaft, um nur ein paar Stichworte zu nennen.

Tips: Besteht da nicht die Gefahr, dass viele unterschiedliche Meinungen zu Widersprüchen führen?

Hannes Mathes: Die Aufgabe der Politik muss es sein, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen und nicht gegeneinander auszuspielen. Außerdem: Unterschätzen wir die Ischler bitte nicht. Die denken und arbeiten mit Hausverstand - und den will ich auch in die Gemeinde hineintragen.

Tips: Wie waren eigentlich die Reaktionen auf Ihre Entscheidung, für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl zu kandidieren?

Hannes Mathes: Es gab natürlich ein paar wenige, gehässige Reaktionen. Aber viel, viel mehr Zuspruch und Bereitschaft zur Mitarbeit. Ein Freund von mir, der mir in den letzten Tagen sehr geholfen hat, hat gemeint: Ischl steht auf!

Tips: Wo sehen Sie Bad Ischl in 20 Jahren?

Hannes Mathes: Wenn wir die Zukunft mit den Augen unserer Kinder sehen, dann wünsche ich mir in 20 Jahren ein Bad Ischl, das Heimat für alle ist und das Miteinander täglich lebt. Ich wünsche mir ein Ischl, das attraktiver Wohnort, prosperierender Wirtschaftsstandort und lebendige Freizeitstadt ist. Ein Bad Ischl, das seine Chancen zum Wohle aller nutzt. Vor allem aber wünsche ich mir ein Ischl, in dem die Bürger aktiv mitgestalten können und in dem die Kinder von heute Heimat und Zukunft sehen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden