Solidarität über Grenzen hinweg: Missionspreis für „Hilfe zum Leben“ der NMS Gaspoltshofen
GASPOLTSHOFEN. Diözesanbischof Manfred Scheuer und die Missionsstelle der Diözese Linz haben zum siebten Mal an fünf Preisträger den Missionspreis der Diözese Linz verliehen. Darunter auch das Projekt „Hilfe zum Leben“ der Neuen Mittelschule Gaspoltshofen.

Im Jahr 1970 übernahmen die Benediktiner von Kremsmünster die Pfarre Barreiras in Nordostbrasilien zur seelsorglichen Betreuung. Der aus Gaspoltshofen stammende P. Richard Weberberger wurde dort ab 1974 tätig, ein paar Jahre später – 1979 – wurde er zum ersten Bischof der neu errichteten Diözese Barreiras geweiht. Weberberger pflegte den Kontakt zu seiner Heimatpfarre und besuchte auch immer wieder die Schule. Die Kinder waren dabei stets besonders interessiert, was der Bischof zu erzählen hatte.
Die Schulgemeinschaft brachte 20 Jahre lang die Mittel für ein Straßenkinderprojekt in Barreiras auf. Bei seinem letzten Besuch kam Bischof Weberberger mit einem neuen Anliegen. Er hatte die Vision einer Schule für Kleinbauernfamilien der Gemeinde Cotegipe. Auf Initiative der Schulgemeinschaft konnte die Vision Wirklichkeit werden und Bischof Richard (+ 17.8.2010) konnte das Schulgebäude „Poço da Onça“ (“Brunnen des Jaguars“) im April 2010 einweihen und eröffnen.
Seit dem Tod von Bischof Weberberger gehen die Hilfen weiter über den aus Windischgarsten stammenden Missionar Diakon Martin Mayr, den Leiter der Entwicklungs-Agentur 10envolvimento der Diözese Barreiras. Kontaktperson ist aktuell Religionslehrerin Gertraud Hiegelsberger.
Finanzielle Mittel der NMS Gaspoltshofen wurden seither verwendet für Ausstattung und Unterrichtsmittel für die Schule Poço da Onça, für die Unterstützung bei der Herstellung von Bio-Schmuck aus Goldgras als Einkommens-Quelle für Kleinbauern am Oberlauf des Rio Preto, für die Unterstützung von Familien, die von der Müllsortierung auf den Müllhalden von Barreiras leben sowie für die laufende Arbeit der diözesanen Entwicklungs-Agentur 10envolvimento in West-Bahia.
Die Spenden nach Brasilien sind möglich vor allem durch Bastelarbeiten der Schüler, welche bei Veranstaltungen in der Schule und im Ort verkauft werden.
Spendenaufkommen in den letzten zehn Jahren: rund 37.000 Euro
Weitere Preisträger
Weiters mit dem Missionspreis ausgezeichnet wurden der Verein HiKöDe in Putzleinsdorf und Lembach, der Verein FAMUNDI – würdevolles Leben für Kinder und Familien in Gmunden, das Projekt „Mochila de Esperanza – Rucksack der Hoffnung“ an der HTL Steyr und die Pfarrcaritas Osthilfe Eberstalzell.
Missionspreis
Der Missionspreis der Missionsstelle der Diözese Linz ist eine bischöfliche Anerkennung für die aus Oberösterreich ausgehenden Unterstützungen der missionarischen Tätigkeiten. Er ist Ausdruck der Wertschätzung aller, die sich für jene Ortskirchen einsetzen, denen es selbst nicht möglich ist, materielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Seelsorge in ihrer Vielfalt zu sichern. Die Preisträger erhielten ein Preisgeld in der Höhe von 1.500 Euro, das wieder in ein Projekt einfließen soll. Außerdem wurde ihnen eine Tonskulptur des Künstlerehepaares Bruno und Elisabeth Lipp aus Alkoven überreicht. Diese stellt einen Schutzengel dar, der auf seinem Mantel eine vergoldete Erdkugel trägt. Die Bedeutung dahinter: Die Erde ist sehr wertvoll und wird durch das Engagement der Menschen vergoldet.
Feierstunde
Andreas Reumayr, Leiter der Missionsstelle der Diözese Linz, wies in seinen Begrüßungsworten auf das Wirken von 56 Missionaren aus Oberösterreich hin, die in verschiedenen Regionen der Welt im Einsatz sind und mit der die Missionsstelle unterstützenden Kontakt hält. Der Leiter der Missionsstelle dankte Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer, der viele Jahre lang Referent für Entwicklungszusammenarbeit in der Oö. Landesregierung gewesen war, für die wertvolle Unterstützung seitens des Landes Oberösterreich. Reumayr betonte: „Wenn Menschen ihren Grips für andere einsetzen und ihr Herz für andere öffnen, dann entwickelt sich etwas, dann wird das Menschsein von konkreten Personen lebenswert und würdevoll. Und dann wird auch unser Christsein glaubwürdiger.“ Den Preisträgern dankte Reumayr für ihren Einsatz und würdigte sie als Menschen, deren Motivation für ihr Engagement in der Begegnung mit Menschen liege – „mit Menschen, die von zunächst Fremden zu Bekannten, im christlichen Sprachgebrauch zu Brüdern und Schwestern werden“.
„Entwicklungszusammenarbeit zählt zu den ganz großen Themen der Zukunft“
Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer, der in Vertretung von Landeshauptmann Thomas Stelzer zum Festakt gekommen war, betonte, dass die Entwicklungszusammenarbeit heute aus seiner Sicht immer noch eine weit zu geringe Bedeutung habe. Pühringer wörtlich: „Ich glaube, dass die Entwicklungszusammenarbeit durchaus auch zu den ganz großen Themen der Zukunft dieser Welt zählt. Denn die letzte Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015 hat es uns vor Augen geführt: Mittlerweile wissen alle auf der Welt dank der modernen Kommunikation, wie die anderen leben. Und es ist für mich, der ich doch in fünf, sechs Entwicklungsländern war, begreiflich, dass Menschen aufgrund der Umstände, unter denen sie dort leben müssen, daran denken, sich aufzumachen. Ich glaube, wenn wir persönlich in der Situation wären, würden wir es auch tun. Daher ist meines Erachtens bei all den Diskussionen, die darüber geführt wurden – seit dem Jahr 2015 wieder intensiver – ein Punkt, der noch weit mehr unterstrichen werden sollte und der noch weit mehr in der politischen Arbeit umgesetzt werden muss: die Veränderung der Verhältnisse in den Herkunftsländern, damit die Menschen dort ein würdiges Leben haben. Ich sage immer: Wenn Menschen nicht aus Überzeugung, Nächstenliebe oder aus welchem Beweggrund immer sich engagieren für die Entwicklungszusammenarbeit, dann sollen sie es aus Egoismus tun – denn nur so werden Situationen, wie wir sie 2015 hatten und die noch weit größer werden können, gemeistert werden können.“
Pühringer würdigte den Einsatz der Kirche der Diözese Linz und der oberösterreichischen Christen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Er habe großen Respekt vor Missionaren und Entwicklungshelfern, „die ihr komfortables Wohnzimmer in Oberösterreich verlassen und hinausgehen in die Welt, und das unter ganz schwierigen Verhältnissen, vor allem auch was die Sicherheit anlangt“, so Pühringer. Im Namen des Landes Oberösterreich dankte er herzlich für die gute Zusammenarbeit mit der Diözese Linz, mit der Missionsstelle, mit dem Welthaus und anderen Einrichtungen. Auch im Jahr 2019 stünden für Entwicklungszusammenarbeit im Landesbudget 2,9 Millionen Euro zur Verfügung, betonte der Altlandeshauptmann: „Im Jahr 2018 waren es genau 100 Projekte, die das Land Oberösterreich mit Partnern in erster Linie unterstützt hat.“ Pühringer dankte den Preisträgern für ihr Engagement, stellvertretend für all jene, die in Pfarren, Gemeinden oder Schulen Initiativen zur Entwicklungszusammenarbeit gestartet haben. Pühringer wörtlich: „Ich halte das für ein wertvolles Zeichen. Diejenigen, die als MissionarInnen wirklich großartige Arbeit leisten – und davon konnte ich mich bei den verschiedensten Gelegenheiten persönlich überzeugen –, sollen das Gefühl haben: Hinter mir steht meine Heimat, hinter mir stehen die Menschen in den Pfarren, hinter mir steht das Land Oberösterreich.“
„Jeder Mensch ist eine Mission“
Bischof Manfred Scheuer zitierte in seiner Ansprache ein Wort von Papst Franziskus aus Evangelii gaudium, wonach jeder Mensch eine Mission sei: „Man muss erkennen, dass man selber „gebrandmarkt“ ist für diese Mission, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien.“ An die Preisträger gewandt, betonte der Bischof: „Ihr alle, die ihr euch als Christinnen und Christen engagiert, seid von Gott Berufene. Habt den Mut und das Zutrauen, diesen Ruf in euch zum Klingen zu bringen, ihn weiterzutragen und so eure Berufung zu leben. Durch euer Tun bringt ihr Licht, ihr segnet, ihr belebt, ihr richtet auf, ihr heilt und befreit.“ Im Ehrenamt gehe es um die Schlüsseldimensionen eines christlichen Gottes- und Menschenbildes, um die Gottes- und Nächstenliebe, so Scheuer weiter. „In der konkreten Lebenswelt, im konkreten Menschen, in der Arbeitskollegin, im Nachbarn ist Jesus gegenwärtig. Ehrenamt wird auf diesem Weg zur Gotteserfahrung. Es geht um die Achtung vor der Würde des Menschen, um Helfen, Teilen, Solidarität und Vergebung, um Gerechtigkeit und Ehrfurcht vor der Schöpfung, um Hoffnung auf Vollendung und Vertrauen in die Zukunft.“ Scheuer nannte das freiwillige Engagement „ein Echo der Dankbarkeit und Weitergabe der Liebe, die wir selbst erfahren haben“. Der Bischof wörtlich: „Eine Kultur, die alles verrechnen und auch alles bezahlen will, die den Umgang der Menschen miteinander in ein oft einengendes Korsett von Rechten und Pflichten zwingt, erfährt durch unzählige sich ehrenamtlich engagierende Mitmenschen, dass das Leben selbst ein unverdientes Geschenk ist.“ Kirche sei lebendiges Miteinander und ein umfassendes Beziehungsnetz, in dem die vielen Formen des Ehrenamtes, die Vielfalt von Dienstleistungen für Christen auch Ausdruck des Glaubens seien, unterstrich Scheuer.
„Es geht um das Teilen und Mitteilen von positiven Werten“
Festredner war Christian Mayr, der 23 Jahre lang als Missionar in der Diözese Barreiras im Nordosten Brasiliens wirkte. Mayr stammt aus Enns und studierte an der Linzer Kunsthochschule Kunst- und Werkerziehung. Er trat ins Linzer Priesterseminar ein, studierte Theologie und wurde 1991 zum Priester geweiht. Anschließend war er Kooperator in Eberschwang und Wels-St. Stephan, bevor er 1995 nach Brasilien zu Bischof Weberberger reiste und sich mit der Diözese Barreiras vertraut machte. Christian Mayr war dort Pfarrseelsorger und arbeitete auch in der Ökumene sowie in der Gefängnisseelsorge. 2013 wurde er Generalvikar der Diözese Barreiras. Seit November 2018 ist Mayr wieder in Österreich und derzeit als Seelsorger in den drei Mühlviertler Pfarren Schönau, Pierbach und Kaltenberg tätig. Mayr schilderte in seinem Referat, wie er dazu kam, als Missionar nach Brasilien zu gehen (“Meine Mutter war Lehrerin in Gaspoltshofen und hatte einen Schüler, Josef Weberberger, der ins Stift Kremsmünster eintrat, als P. Richard 1974 nach Brasilien ging und 1979 erster Bischof der neuen Diözese Barreiras wurde.“). Mayr erläuterte die seelsorgliche Situation in der Diözese Barreiras: „In Barreiras kommen 400.000 Einwohner auf 25 Priester, das sind also 16.000 Einwohner pro Priester. In der Diözese Linz haben wir 1 Million Einwohner und noch vielleicht 500 Priester, die in den Pfarren sind oder mithelfen – das wären dann 2.000 Einwohner auf einen Priester, also nur ein Achtel der Anzahl von Barreiras/Brasilien. Nicht zuletzt deswegen muss ich überlegen, ob ich nach Ablauf dieses Jahres wieder zurück nach Brasilien gehe.“
Er habe selbst erlebt, wie sich Mission gewandelt habe, so Christian Mayr: „Mission ist keine Einbahnstraße mehr, sondern durch die Migration schon fast eine Autobahn als Herausforderung. Mittlerweile lebt die Mehrheit der ChristInnen nicht mehr in Europa. Europa ist selbst zu einem Missionsland geworden. Mission ist keine Sendung mehr von weißen Missionaren zu den heidnischen Völkern, auch nicht Missionierung im Sinn von Zwangsbeglückung und Zwangsbekehrung durch eine überlegene Kultur, sondern Austausch von Menschen und materiellen und geistigen Gütern. Wenn jeder gibt von dem, was er hat, dann fehlt keinem etwas. Es geht um das Teilen und Mitteilen von positiven Werten und darum, diese nicht aufzudrängen, sondern anzubieten. Es geht darum, die Freude des Evangeliums zu kommunizieren in Worten und Werken.“ Mayr betonte, Missionshilfe sei weiterhin wichtig: „Man sieht es an der Diözese Barreiras, wie viel Gutes gerade durch (ober)österreichische Unterstützung möglich wurde. Ich nehme an, dass es auch bei anderen Gebieten und Projekten ähnlich ist.“ Mayr dankte allen UnterstützerInnen für ihr Gebet, ihre Sammlungen und ihre Initiativen, „die die Mission nicht als Anhängsel oder Randerscheinung der Kirche sehen, sondern durch sie das Wesen der Kirche zum Leuchten bringen“.


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