80-jähriger Grieskirchner entwickelt Bio-Golftee bis hin zur Marktreife

Olivia Lentschig Tips Redaktion Olivia Lentschig, 30.11.2022 11:55 Uhr

GRIESKIRCHEN. Wer Golf spielt, braucht Golftees. Und zwar eine Menge, denn oft überleben die kleinen Stifte den Abschlag nicht. Dienten anfangs noch Sandhäufchen als Erhöhung, entwickelte sich durch den menschlichen Erfinderdrang rasch die heutig geläufige Form. In Zeiten der Nachhaltigkeit stellte sich für den leidenschaftlichen Golfer, Peter Schnell, allerdings die Frage nach Optimierung. Kurzerhand entwickelte er ein biologisch abbaubares Tee und erhielt das Patent dafür.

Die Startrampe eines Golfballs beim ersten Schlag ist das Tee (englische Bezeichnung) und positioniert den Ball in Abflughöhe. Der Golfschläger-Kopf eines Drivers (Name des Schlägers mit der größten Schlaglänge) wird von einem Golfprofi bis zu 190 km/h beschleunigt und trifft mit seiner Schlagfläche und enormer Kraft auf den Golfball, der aufgrund der Kompression und des Trampolineffektes der Schlägerfläche mit einer Geschwindigkeit von 250 bis 300 km/h wie ein Geschoß abfliegt. Präzises Treffen vorausgesetzt, kann der Golfer die Flugbahn beeinflussen. Der sogenannte „Spin“ (Ballrotation um die eigene Achse) erzeugt an der Oberseite des Balles ein Vakuum und dieses saugt den Ball in die Höhe und kann sich aber auch auf die Flugbahn nach links oder rechts auswirken. So schlagen Profis bei PGA Turnieren kurvengesteuerte Bälle (Kurvenbälle) bis zu 340 m.

Wenn der Erfindergeist zuschlägt

Peter Schnell, ein Grieskirchner und pensionierter Geschäftsführer der Firma Hexcel in Neumarkt, feierte heuer seinen 80. Geburtstag und frönt gemeinsam mit seiner Gattin Marita seit 30 Jahren begeistert dem Golfsport. Aufgrund dieser umfassenden Erfahrung, erkannte er das Problem, dass die präzise Höhenpositionierung des Balles eine wesentliche Voraussetzung für das exakte Treffen im „Sweet Spot“ der Schlagfläche darstellt (Punkt am Schlägerkopf für optimale Wirkung),  um die Flugbahn und Länge des Ballflugs positiv zu beeinflussen. Millimeter entscheiden über Erfolg oder Misserfolg beim wichtigen ersten Schlag der auf allen 18 Löchern, die ein Golfplatz aufweist, ausgeführt wird.

Die Problemlösung war die Entwicklung eines Golftees mit Distanzringen und einer dazugehörigen höheneinstellbaren Distanzscheibe. Der Ball kann somit auf die gewünschte Höhe eingestellt werden und stellt somit eine wichtige Unterstützung für den Golfer dar, der sich nun voll auf seinen Abschlag konzentrieren kann.

Herkömmliche Golftees belasten Umwelt als Mirkoplastik

Golftees werden millionenhaft verwendet und bestehen größtenteils aus Plastik. Beim Schlag können diese brechen oder gehen am Golfplatz verloren. Durch Mähmaschinen werden sie zerkleinert und bleiben als Mikroplastik im Bereich der Spielbahnen liegen und belasten somit die Umwelt. Eine Verrottung findet praktisch nicht statt.

Peter Schnell hat sich auch diesem Thema angenommen und konnte aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen ein biobasiertes und kompostierbares Tee entwickeln, welches nach einiger Zeit durch Mikroorganismen biologisch zu Humus verrottet und die Umwelt dadurch nicht mehr belastet.

Ziemlich genau zu seinem 80. Geburtstag erfolgte eine Patenterteilung durch das Österreichische Patentamt in Wien mit dem Titel „Golf Tee mit beschleunigter biologischer Abbaubarkeit sowie Verfahren zur Herstellung eines solchen Golf Tees“. Beim weltweit durchgeführten Patentprüfungsverfahren fanden die Prüfer keine neuheitsschädlichen Entgegenhaltungen. Geprüft wurden Länder von Japan bis den USA und dauerte insgesamt zwei Jahre. Dann wurde die Patenturkunde ausgestellt.

Regionaler Rohstoff für Bio-Golftees

Der Clou daran? Der Rohstoff dazu wächst auf unseren Feldern: Mais! Um den Rohstoff für Golftees zu erzeugen, benötigt man Stärke, die aus Mais gewonnen wird. Durch Fermentation der Stärke wird Milchsäure gewonnen, die wiederum durch eine Polymerisation zu dem Basismaterial (Granulate) für die Herstellung der Golftees führt.

Das als Spritzguss bezeichnete weitere Verfahren ist komplex und kritisch, da bei 190°C bereits ein biologischer/thermischer Abbau einsetzt und eine Vorschädigung des Tees nicht erwünscht ist. Die hohe Schlagzähigkeit muss erhalten werden. Spezielle, patentierte Verfahrensschritte wurden entwickelt, sowie eine elastifizierende Nachbehandlung gewährleisten die hohe Qualität des Produktes.

Ökologisches Glanzstück

Kompostierbare biobasierte Kunststoffe nach der europäischen Norm EN 13432 sind bereit, auf zahlreiche Herausforderungen zu reagieren. Von ihrem CO2 Abdruck bis zu Ende ihrer Lebensdauer stellen diese Materialien auf Pflanzenbasis eine nachhaltige Alternative zu den derzeitigen erdölbasierten, nicht biologisch abbaubaren Kunststoffen dar. Das erfolgreich entwickelte Golftee ist ein Beispiel dafür.

Für die Vermarktung hat Peter Schnell bereits einen internationalen Partner gefunden. Das Golftee wird weltweit unter der Marke LIGNUM Tee – Ecoline vertrieben.

Von der Idee bis zur Patentanmeldung und Patenterteilung hat es drei Jahre gedauert.

„Diese Produktentwicklung ist ein Beispiel dafür, dass man im vorgerückten Alter noch agil und kreativ sein kann und es nie zu spät ist, etwas Sinnvolles zu machen. Auch wenn es da und dort anstrengend sein kann und viel Ausdauer erfordert“, resümiert Peter Schnell.

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