Maria Pachner: „Das habe ich in dieser Form noch nie erlebt“

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Yannik Bogensperger Tips Redaktion Yannik Bogensperger, 08.08.2022 12:55 Uhr

GRIESKIRCHEN. Turbulente Zeiten, die sich auch auf die Stadt Grieskirchen auswirken – darüber und über vieles Weitere spricht Bürgermeisterin Maria Pachner (ÖVP) im Tips-Interview.

Tips: Welche Projekte sind Ihnen in dieser Amtsperiode noch besonders wichtig?

Maria Pachner: Ich habe einige Themen, die mir wichtig sind. Allerdings haben wir mit der neuen Gemeindefinanzierung sehr zu kämpfen. Denn dadurch darf man immer nur drei Projekte in der Pipeline haben. Meine Herzens-projekte sind in der Form schwer umzusetzen. Damit meine ich erstens das Veranstaltungszentrum Manglburg, wie es einer Bezirksstadt würdig ist, und zweitens die Westzufahrt. Beides schieben wir vor uns her, weil man entsprechendes Kapital braucht und die Förderquote sehr gering ist.

Tips: Das Veranstaltungszentrum Manglburg hat derzeit also keine Priorität?

Pachner: Es ist nicht so, dass das von heute auf morgen geht. Jetzt findet einmal ein Architekturwettbewerb statt. Durch Corona hat sich alles verzögert. Und in Zeiten wie diesen – in denen es auch darum geht, möglichst energieautark zu werden – müssen wir Investitionen hinten anstellen. Wir denken derzeit über Photovoltaik-Anlagen für unsere Gebäude nach, wir haben 500 Quadratmeter am Schulzentrum, die wir sofort belegen können – da laufen derzeit die Anträge auf Förderungen. Wir haben einen Kindergarten, Bauhof, das Haus der Musik und die Feuerwehr, die alle gasabhängig sind. Diese Dinge haben jetzt Vorrang. Wir haben zwar das Glück, dass die öffentlichen Gebäude an die Bioenergie angeschlossen sind – allerdings steigt auch hier der Biomasse-Preis. Die Kosten werden explodieren. Dadurch bleibt zum Investieren weniger Geld übrig. Dann haben wir Aufgaben wie Kanalsanierungen, die uns das Land vorschreibt, die Unsummen verschlingen. Deshalb müssen wir immer schauen, was wir zusammenbringen und was nicht. Aber vielleicht muss man auch neue Wege gehen, dass man nicht alles selbst macht, auslagert und Investoren sucht. Momentan muss man viele Themen neu denken.

Tips: Welche Vorkehrungen treffen Sie als Stadt für eine erdgasunabhängige Energieversorgung?

Wir denken darüber nach, wie man damit umgeht, wenn das Gas knapp wird. In den Überlegungen spielen die Straßenbeleuchtung oder die Raumtemperatur in den Schulen eine Rolle. Es gibt viele Bereiche, wo man sparen könnte. Wir werden mit dieser Ressource in Zukunft sehr schonend umgehen müssen. Ein weiteres Thema ist auch die Blackout-Vorsorge – damit wir im Worst-Case wissen, was wir zu tun haben.

Tips: Wie sieht es mit der Fertigstellung des Hauses der Musik aus?

Pachner: Das wird im Herbst fertig, mit 1. September übernimmt die Stadtkapelle die Räumlichkeiten (Probensaal, Anm.). Da können wir also durchatmen.

Tips: War das ein Prestigeprojekt von Ihnen?

Pachner: Naja, aber wir haben hier einen Altbestand saniert sowie erweitert und haben nun Mehrfachnutzungen. Damit haben wir genau das gemacht, was vom Land gefordert wird. Doch auch vorher waren wir schon sehr ressourcenschonend unterwegs. Auf das legen wir einen Wert.

Tips: Wie sieht es mit der Unterstufen-Erweiterung des Gymnasiums in Grieskirchen aus?

Pachner: Wir könnten sofort starten, es ist ein großes Anliegen der Eltern und Schulleitung. Baulich bräuchten wir überhaupt nichts verändern, die Raumkapazitäten wären da. Es ist eine reine Willensbekundung. Wenn das Land und der Bund sagen, es geht, können wir anfangen. Der Druck der Eltern ist jedenfalls groß, wir haben so viele, die auspendeln. Im Privatgymnasium Dachsberg werden Jahr für Jahr 150-200 Schüler abgelehnt. Da sind ganz viele Grieskirchner dabei. Ich hätte die Schüler gerne hier. Dann werden sie anders an Grieskirchen gebunden, haben das Vereinsleben hier.

Tips: Viel Aufregung gab es um den Abriss der sogenannten „Hüfner-Villa“ – bekamen Sie viele Rückmeldungen?

Pachner: Ja, aber vor allem aus einer Ecke, die meinte, sie müsse mich hier stark unter Druck setzen. Teilweise wurde es beleidigend – das habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Das Recht ist jedoch eindeutig auf meiner Seite. Es gab auch nochmal Gespräche mit dem Lagerhaus, was die Gestaltung des Platzes betrifft. Da stellen wir sehr wohl gewisse Anforderungen, damit der Vorplatz zum Bahnhof entsprechend abgeschottet wird. Da muss uns das Lagerhaus entsprechende Gestaltungsvorschläge vorlegen. Das können wir verlangen und das tun wir auch. Der Abriss war jedoch völlig rechtskonform.

Tips: Nun zu etwas Positiverem – was war Ihr schönstes Erlebnis bisher als Bürgermeisterin?

Pachner: Das war eigentlich gleich am Anfang die Landesausstellung. Auch die Eröffnung des Schulzentrums war sehr beeindruckend, als nach zweijähriger Bauzeit übersiedelt wurde und das alles sehr gut gelang. Da konnten auf einmal alle Schulen in Betrieb genommen werden, was eine große Erleichterung war. Was ich aber auch sehr mag, ist diese Kümmererfunktion, dass man für Kleinigkeiten auch schnell gebraucht wird. Ich schätze an meinem Beruf, dass ich sehr nahe an den Menschen agieren kann. Als schönes Erlebnis fällt mir auch noch die Eröffnung der Krabbelgruppe mit den Kleinen ein, die mich umarmten.

Tips: Blicken Sie aufgrund der aktuellen Krisen mit Sorge auf die Zukunft der Nachfolgegenerationen?

Pachner: Ja, durchaus. Aber die Generationen vor uns haben schon so viel geschafft. Außerdem haben wir ein großes Maß an Ehrenamt – das denke ich mir jeden Tag, wenn die Sirene burrt. Da erlebt man die Kraft und Bereitschaft, die in den Menschen steckt. Und eine Botschaft ist mir auch noch wichtig: Wir leben in einer Region, in der es uns so gut geht. Wir haben genug Wasser, haben keine Waldbrände. Wir leben auf einer Insel der Seligen. Nur wir sehen das nicht mehr.

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