"Umfahrung Groß Gerungs": Start einer Bürgerbefragung
GROSS GERUNGS. Das Thema Nordumfahrung kocht in Groß Gerungs wieder hoch, der Grund: das örtliche Raumordnungsprogramm soll geändert werden. Eine Bürgerinitiative lud am 4. August kurzfristig zu einem Vortrags- und Diskussionsabend in das Gasthaus Hirsch/Traxler.

Schon vor vier Jahren wurde die fertige Planung einer zukünftigen Nordumfahrungs-Trasse als lokale Lösung „für die Zukunft“ vorgestellt und sollte als Freihaltefläche für Verkehrstrassen im Raumordnungsplan festgeschrieben werden. Aufgrund heftiger Proteste stellte der Gemeinderat damals das Planungsverfahren ein.
Angeregte Diskussionsrunde am Informationsabend
Laut Kundmachung - eine seit 9. Juli 2018 öffentlich zur Einsicht aufliegende Änderung des Raumordnungsplanes der Stadtgemeinde Groß Gerungs - sollten diese Freihalteflächen nun vom Gemeinderat am 20. August 2018 beschlossen werden. Aufgrund dessen lud die „Bürgerinitiative gegen Transitverkehr auf der B 38“ zum Diskussionsabend, der trotz Urlaubszeit, Hitze und kurzfristiger Anberaumung des Termins sehr gut besucht war.
Die Bürgerinitiative gab Informationen über den geplanten Trassen-Verlauf und Hinweise auf den 1. Umweltbericht vom Juni 2018. Alle Unterlagen dazu liegen am Bauamt der Gemeinde Groß Gerungs zur Einsicht auf.
In der Diskussionsrunde konnten die Anwesenden ihre Ängste und Wünsche äußern. Einerseits erhoffen jene, die direkt an der B 38 leben und schon lange erhebliche Verkehrsbelastungen in Kauf nehmen müssen, eine kurzfristige Lösung. Anderseits fürchten viele eine neue überregionale Durchzugsroute (Stichwort Europaspange, Autobahn, Zubringer), die sie eventuell vor ihre Haustüre gesetzt bekommen.
Die Themen Umweltschutz, Klimawandel, Grundwasserspiegel, Bodenversiegelung, Wertverlust von Haus und Boden, Verunsicherung von Baugrundsuchenden und dergleichen kamen ausführlich zur Sprache.
Jugendliche Stimmen brachten technische Weiterentwicklung wie E-Mobilität zur Sprache. Sogar von einer möglichen Tunnel-Lösung, die durch harten Granit durchaus denkbar wäre, war die Rede.
Informationsvakuum
In der Bevölkerung bestehe ein Informationsvakuum, waren sich viele der Anwesenden einig. Die Bürger würden sich konkrete Informationen über geplante und angedachte Verkehrskonzepte im Raum Waldviertel sowie über die lokale Situation in Groß Gerungs hinaus, wünschen.
Gemeindeleitung: Keine Umfahrung angedacht
Laut Gemeindeleitung gäbe es keine Umfahrung Groß Gerungs und es sei derzeit auch keine angedacht. Sie sieht in der Schaffung von Freihalteflächen eine vorausschauende lokale Lösung für die Zukunft, sollte in den nächsten Jahrzehnten eine Umfahrung notwendig werden.
Die Bürgerinitiative befürchtet allerdings im neuerlichen Anlauf zum Beschluss der Freihalteflächen einen ausgerollten, roten Teppich zur Planung einer neuen Durchzugsverkehrstrasse von Zwettl Richtung Freistadt: „Wir sind gegen den Transitverkehr auf der B 38. Wenn wir den Schwerverkehr von uns abwenden können, dann erübrigt sich die Debatte einer lokalen Umfahrung von Groß Gerungs.“
Bürgerbefragung geplant
Ziel der Bürgerinitiative ist eine Bürgerbefragung. Unterschriftenlisten zur „Durchführung einer Volksbefragung“ liegen bei den Initiatoren und in einigen Lokalen und Geschäften in Groß Gerungs auf. „Bitte unterschreiben Sie noch vor dem 20. August“, rufen die Verantwortlichen Interessierte auf.
FPÖ setzt sich für Bürgerbefragung ein
Der freiheitliche Gemeinderat Ewald Faltin, der auch FP-Nationalratsabgeordneten Alois Kainz an diesem Abend begrüßen konnte, beleuchtet den demokratischen Aspekt der Diskussion und fordert auf, das Volk entscheiden zu lassen. Er selbst stehe einer Umfahrung neutral gegenüber. So erwähnte Faltin klar und deutlich, dass er weder für noch gegen dieses Projekt sei. Eine Volksbefragung sei aber bei einer Streckenlänge von sieben Kilometer Länge und einer Breite von 50 bis 150 Meter wünschenswert.
Faltin hofft auch auf das solidarische Vorgehen des Bürgermeisters und sagt dazu: „Wir haben in allen Gemeinderatssitzungen, mit allen Fraktionen, immer ein gutes und kommunikatives Klima gefunden. Bürgermeister Maximilian Igelsböck hat auch versprochen, noch bevor die 30. Änderung des örtlichen Raumordnungsprogrammes im Gemeinderat abgestimmt wird, eine Veranstaltung zu initialisieren, in der die Bevölkerung genau und ausführlich über die 30. Änderung des örtlichen Raumordnungsprogrammes informiert wird.“


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