Kleinschule Fürling: "Es wird ein schönes letztes Jahr!"
GUTAU. Die Spätsommersonne brennt durch die Fenster herein ins Lehrerzimmer, aus dem Radio erklingt leise Musik, von der Wand blicken die Schulgründerväter von 1934 herab. „Es wird ein schönes letztes Schuljahr in der Volksschule Fürling werden“, meint Direktor Wolfgang Grabner.

24 Mädchen und Buben drückten noch im Vorjahr die Schulbank in der Gutauer Kleinschule. Heuer sind es zwölf, ein Umstand, der der Volksschule (VS) Fürling ein Jahr Galgenfrist beschert. „Hätten wir nur noch zehn Schüler gehabt, wäre die Schule schon zu“, weiß Direktor Wofgang Grabner. Seit 25 Jahren unterrichtet der Kefermarkter in Fürling, seit 16 Jahren leitet er das Haus – und das spürbar mit Herz und Seele, ebenso wie seine Kollegin Monika Stürzlinger, die offiziell elf Stunden pro Woche in Fürling tätig ist.
Vorliebe für Kleinschule
„Ich wollte immer in einer Kleinschule unterrichten“, erzählt der Schulleiter, während er die Tips-Redakteurin durch die sanierten, blitzsauberen und bestens ausgestatteten Räume führt. Turnsaal, Klassenzimmer, Wintergarten, Werkraum, Garten, die Räume des schon heuer aufgelassenen Kindergartens – die zwölf Kinder finden hier die besten Voraussetzungen für den Schulalltag vor. Damals, Anfang der 90er Jahre, als er nach Fürling gekommen ist, habe eine Blütezeit für Kleinschulen geherrscht, berichtet Grabner. Für mehr als 30 Schüler standen in Fürling drei Vollzeit-Lehrkräfte zur Verfügung – übrigens mit Schulleiter Otmar Winkler, Michael Puchner und ihm selbst drei Männer.
Die Zahl der Kinder und Lehrkräfte hat sich gewandelt, nicht aber die Verbundenheit der einstigen Schüler mit ihrer Schule. Gar nicht selten besuchen „Ehemalige“ das Haus und bringen sich in den Unterricht ein. „Ein Gutauer, der längst in Pension ist, erzählt mir jedes Mal, wenn ich ihn treffe, welchen Baum er im Schulgarten gesetzt hat“, so der Schulleiter.
Den schönen alten Holzboden im Werkraum hat der Direktor bei der Schulsanierung vor dem Entsorgen bewahrt. Er knirscht beim Gehen, und die Holztramdecke darunter schwingt. „Hier hat mein Chef früher gewohnt“, sagt sich der Direktor und schmunzelt, als er sich daran erinnert, wie er eben diesen einmal aus dem Bett holen musste, weil er den Schulbeginn verschlafen hatte. Eine Schulglocke hat es in Fürling nämlich nie gegeben.
Ablaufdatum Juli 2017
Die Kleinschulen scheinen ihre Lobby verloren zu haben. Das große persönliche Engagement der Lehrkräfte, die enge Einbindung des Elternvereins mit Obfrau Eveline Priesner, die regelmäßige Hilfe vieler Eltern, etwa im Schwimm- oder im Werkunterricht, der Kontakt mit vielen ehemaligen Schülern – das alles hat ein Ablaufdatum: den Schulschluss im Juli 2017. Ihre Motivation lassen sich Wolfgang Grabner und Monika Stürzlinger im letzten Schuljahr nicht nehmen. „Es wird ein schönes Jahr“, sagt Direktor Grabner wieder und schaut auf viele Erinnerungsstücke im Lehrerzimmer. Auf einem Stehaufmännchen bleibt sein Blick hängen: „Das ist wie ich, es lässt sich nicht unterkriegen.“ Mit „seinen“ Kindern hat er in diesem Schuljahr noch viel vor: viel eigenständiges Lernen, Projektwochen, Bewegungstage, Besuche von Musikern, Zusammenarbeit mit Künstlern oder auch geblockten Werkunterricht im Freien. Zum Schluss jedenfalls, im Juli, wird noch einmal ordentlich gefeiert. Denn auch das große Schulschlussfest gehört in Fürling zur lieb gewordenen Tradition.
Mehr über die VS Fürling online: http://schulen.eduhi.at/vs.fuerling/


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