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HASLACH. Der Blick über die Grenzen Richtung Tschechien, zu den Naturschätzen Südböhmens war für die heimischen Naturschützer schon immer verlockend. Kein Wunder also, dass sie die Gelegenheit beim Schopf packten, als von den Nachbarn eine Einladung zur Kontaktaufnahme und Gedankenaustausch kam. Das war vor 25 Jahren – noch bevor die Wende kam und die Grenzen fielen.

  1 / 4   Begleitet von zwei Aufpassern kamen noch vor der Wende Naturschützer aus der damaligen Tschechoslowakei ins Mühlviertel (im Bild die Stadl-Au in Klaffer). Es war der Beginn einer bis heute andauernden Freundschaft und Zusammenarbeit.
Es war ein denkwürdiger Tag: Am 30. Mai 1989 fuhren 15 Leute von der Naturschutzjugend Haslach (önj) in einem kleinen Bus mit Einreisevisas und Reisepässen über den scharf bewachten tschechischen Grenzübergang. Und schon die ersten Naturschutzgebiete beeindruckten die Mühlviertler. „Das Rote Moor mit den herrlich weißen Blütendolden der Sumpf-Porst-Bestände oder die riesigen Teichanlagen in Trebon haben uns einen beeindruckenden Einblick in die weiträumigen Landschaftselemente Südböhmens geboten“, erinnert sich Karl Zimmerhackl von der önj Haslach. „Vor allem das Wissen, das drüben vorhanden war und ist, ist beachtlich. Sie haben eigentlich auf alles eine Antwort parat.“ Dalibor Strasky von der Naturschutzgruppe „Der Siebener“ in Budweis, von dem der Erstkontakt ausging, erzählt: „Diese Begegnung hat echte Begeisterung und eine natürliche Entwicklung der Pläne für den gegenseitigen Informationsaustausch und persönliche Besuche ausgelöst. Wer konnte wissen, dass schon in einem Jahr jegliche Barrieren zwischen uns fallen und Kontakte zwischen Nachbarn so natürlich werden, wie sie früher waren.“   Im Land der kurzen Rasen    Zuvor allerdings, im September 1989 stand ein Gegenbesuch der tschechischen Naturschützer im Mühlviertel an. „Ansuchen, Begründungen, Bewilligungen, Stempel, Unterschriften, Teilnehmerlisten, Kommissionen, Bestätigungen – man musste viel Geduld und starke Nerven haben“, berichtet Strasky, der heute Anti-Atombeauftragter des Landes OÖ ist. Das erste, was die Gäste dann bewunderten, war die Ordnung in diesem „Land der kurzen Rasen, in dem es aussieht wie im Film.“ Strasky: „Keine Brennnesseln, kein Unkraut neben den Straßen oder am Rande der Felder – etwas Unvorstellbares in der Tschechoslowakei.“ Zimmerhackl sagt dazu: „Für sie war bei uns alles gut und erstrebenswert, dabei ist es gerade die Natürlichkeit und der Artenreichtum, den wir bei unseren Freunden schätzen.“   Diese beiden Besuche, die die einzigen direkten Kontakte im Bereich Ökologie zwischen Ost und West vor dem Fall des Eisernen Vorhangs blieben, waren der Grundstein für viele weitere gemeinsamen Projekte, Exkursionen und Publikationen. „Aus unserem Projekt „Natur an der Grenze“ wurde „Natur ohne Grenzen““ nennt Karl Zimmerhackl ein Beispiel.   Ein Nationalpark entsteht   Prägend in der ersten Zeit der Zusammenarbeit war auch eine Böhmerwald-Konferenz Anfang 1990, bei der über die zukünftige Entwicklung des Gebietes diskutiert wurde. „Als von einer möglichen Erschließung des Gebietes für Siedlungszwecke die Rede ist, springt der mittlerweile verstorbene südböhmische Naturkenner Vaclav Polak dazwischen und schlägt vor, diese Landschaft als „Nationalpark Sumava“ einzurichten. Schon ein Jahr später wurde diese Nationalpark-Vision Wirklichkeit“, erinnert sich Zimmerhackl. Heute, nach 25 Jahren drohe dieser Schwung des Aufbruchs zu erlahmen, bedauert der Haslacher, „das Räderwerk der Landschaftszerstörung nimmt seinen Lauf.“ Ähnlich sieht das Strasky: „Mit der Wende haben viele Leute ihren Schwerpunkt gewechselt und den Bereich Naturschutz verlassen. Dabei hat die Wende eigentlich mit den Demos für eine bessere Umwelt und für bessere Luft angefangen.“   www.oenj-haslach.at

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