Tschechisch-österreichische Luchsfamilie: Jiskra tappte mit zwei Jungen in die Fotofalle
BEZIRK ROHRBACH/MÜHLVIERTEL. Wie wichtig die internationale Zusammenarbeit im Naturschutz ist, zeigt die Geschichte der Luchsin Jiskra: 2014 im tschechischen Böhmerwald geboren, wurde sie immer wieder auch auf österreichischer Seite gesichtet. Jetzt tappte sie mit ihren beiden Jungen in die Fotofalle.

„Luchse kümmern sich um keine Staatsgrenzen und so freuen wir uns sehr über diese tschechisch-österreichische Luchsfamilie“, freut sich der Haslacher Thomas Engleder vom Luchsprojekt Österreich Nordwest über den ersten gesicherten Beweis des Luchs-Nachwuchses im Böhmerwald. Mittels einer automatischen Wildkamera (Fotofalle) gelang der Organisation ALKA Wildlife im Rahmen ihres Luchsmonitorings in Südböhmen der Nachweis. „Im Gebiet der Novohradské hory hatten wir in den vergangenen Jahren oft wechselnde Tiere, umso erfreulicher ist jetzt die Luchskatze mit den Jungen“, sagt dazu Tereza Mináriková von ALKA Wildlife.
Engleder ergänzt: „Die Novohradské hory in Südböhmen und der Freiwald im Wald- und Mühlviertel bilden zusammen ein kompaktes Waldgebiet. Es ist als Luchslebensraum sehr gut geeignet. In den vergangenen Jahren gab es auf der österreichischen Seite immer wieder auch Nachweise von Jungluchsen. Manchmal aber leider auch tote oder verwaiste Jungluchse. Dank der guten Zusammenarbeit mit den tschechischen Kollegen haben wir einen guten Überblick über die im Gebiet lebenden Luchse.“
Wildkorridore sind lebensnotwendig
Für ihn ist der konsequente Schutz dieser Tiere und ihrer Lebensräume wichtig, genauso wie die Erhaltung von Wildtierkorridoren zwischen diesen großen Wäldern. „Der Luchs ist sowohl in Tschechien als auch in Österreich ein sehr seltenes Tier, für seinen Schutz sollten wir unser Möglichstes tun“, betont der Haslacher.
Derzeit leben in der Böhmisch-Bayerisch-Österreichischen Luchspopulation, die sich von der Oberfpfalz bis zur Wachau erstreckt, 60 bis 80 selbständige Luchse. Jedes Jahr werden Junge geboren. Meist in den gut geschützten Bereichen des Nationalparks Bayerischer Wald oder des tschechischen Nationalparks Šumava. Für ein langfristiges Überleben der Luchse sind mehr Weibchen mit verlässlicher und erfolgreicher Reproduktion auch außerhalb der Nationalparke nötig.
Jiskras Geschichte
Lüchsin Jiskra wurde 2014 bei Prachatice im Böhmerwald geboren. Das erste Fotofallenbild zeigt sie mit ihrem Bruder Ludek als sechsmonatige Luchsjunge. Im Frühling 2015 wurden die Luchsgeschwister im Alter von zehn Monaten selbständig und verließen das Gebiet ihrer Mutter. Ludek schlug sich quer durchs Mühlviertel bis nahe Linz durch, und beendete seine Wanderung schließlich im Gratzener Bergland/Freiwald, wo er auch noch heute lebt. Dort traf er im Herbst 2015 wieder auf seine Schwester Jiskra, die auf anderen Wegen dorthin gekommen war.
ALKA Wildlife und das Luchsprojekt Österreich Nordwest haben auch Hinweise auf die Vaterschaft der beiden derzeitigen Jungen von Jiskra. Der Luchskuder Jan wurde im Februar/März 2016 gemeinsam mit Jiskra fotografiert. Er stammt ursprünglich aus dem Bayerischen Wald, dort wurde er 2014 geboren und wanderte über den Norden Österreichs ins Gratzener Bergland.


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