Vom symbolischen Kampf der Frauen für Gleichberechtigung
BEZIRK HORN. „Das bisschen Haushalt, macht sich von allein, sagt mein Mann.....“ im Jahre 1977 landete die ungarische Sängerin Johanna von Koczian (heute 82) mit diesem ironischen Schlager einen großen Hit, der sich eine Million Mal verkaufte. Rechtzeitig zum Weltfrauentag am 8. März nimmt Tips die aktuelle Situation der weiblichen Bevölkerung im 21. Jahrhundert unter die Lupe.

Der Internationale Frauentag hat schon eine lange Tradition. Im Jahr 1911 fand er zum ersten Mal in Österreich statt. Mehrere Demonstrationen wurden dabei organisiert. Acht Jahre später wurde endlich das Frauenwahlrecht eingeräumt, ein wichtiger Meilenstein in der Frauenrechtsbewegung.
Anlässlich des internationalen Frauentages findet im Eggenburger Klemenshaus am Wochenende des 11. und 12. März die Veranstaltung „Frauentage“ statt.
Mehr Frauen in finanziellen Nöten
Christine Krampl, Geschäftsführerin der Sozialmärkte Niederösterreich (SOMA NÖ), weiß um die finanziellen Sorgen und Nöte in der Gesellschaft. Mit vier Säulen unterstützt der Verein hilfsbedürftige Menschen mit geringem Einkommen: durch günstige Einkaufsmöglichkeiten in den Sozialmärkten, Beschaffung von Beschäftigung, Bewahrung von wertvollen Nahrungsmittel vor der Vernichtung und als soziale Plattform durch die SOMA Cafés.
Einfühlsam gibt Kampl Einblick in die Welt der weiblichen SOMA-Kundschaft, die knapp 60 Prozent ausmacht: „Sehr viele unserer Kundinnen sind Mütter und auch Alleinerzieherinnen. Und jede Frau weiß, dass Kinder Geld kosten – Kleidung, Wohnen, Ausbildung und vieles mehr sind teuer. Teilweise bekommen sie keine, oder nur sehr wenig Alimente. Ein weiterer Grund ist, dass es noch immer nicht gelungen ist, dass es in
allen Bereichen für die gleiche Tätigkeit die gleiche Entlohnung für Männer und Frauen gibt.“ Krampl sieht ein weiteres Problem in der Teilzeitarbeit: „Sehr viele Frauen arbeiten Teilzeit – einerseits, weil der Arbeitsmarkt nichts anderes bietet, andererseits, weil neben der Kindererziehung nur eine Teilzeitbeschäftigung möglich ist. Kinderbetreuungsangebote sind nicht ausreichend vorhanden und auch eine Frage der Finanzierungsmöglichkeit.“
Kluft der Geschlechter
Laut „Global Gender Gap Report“ platziert sich Österreich mit der aktuellsten Auswertung (Jahr 2015) auf dem 37. Rang. In dem Bericht vom World Economic Forum, der die Gleichstellung der Geschlechter analysiert, wurden insgesamt 135 Nationen beurteilt. Tatsächlich ist es in Österreich nach wie vor der Fall, dass Männer und Frauen bei der gleichen Arbeit hochgradig ungleich entlohnt werden, in Folge dessen sind davon auch wirtschaftliche Partizipation und Chancengleichheit betroffen. In den Bereichen Wirtschaft (Rang 52) und Politik zeigt sich in der Auswertung deutlicher Aufholbedarf. So ist es kaum verwunderlich, dass Österreich bei der politischen Auswertung aufgrund der geringen Frauenquote im Parlament (31 Prozent) und der Tatsache, dass bis dato noch nie eine Frau als Oberhaupt des Staates fungierte, lediglich auf Rang 39 landete.
Im Bildungs- und Gesundheitsbereich präsentiert sich Österreich dafür vorbildlich mit einem ersten Platz. Summa summarum ergaben diese Bereiche eine Gesamtplatzierung auf dem 37. Rang.
Ein Tag der Aufmerksamkeit
In den vergangenen 100 Jahren wurde durch das Engagement vieler Frauen einigen frauen- und gleichstellungspolitischen Forderungen zum Durchbruch verholfen. Die Erfolge können sich sehen lassen, Frauen haben seither viel erreicht. Die völlige Chancengleichheit und gelebte Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen zwischen Frauen und Männern gibt es allerdings noch nicht.
Wir brauchen den Internationalen Frauentag also auch weiterhin, nicht nur als Tag der Erinnerung, sondern als Tag der Aufmerksamkeit, um gemeinsam jene Punkte zu beleuchten, wo Chancengleichheit noch nicht verwirklicht ist.?


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