Ein Jahr ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge in Horn
HORN. Abseits von der Verschärfung des Asylgesetzes, der Diskussion über Obergrenzen, der Reduzierung von Sozialleistungen und der Verbreitung von Falschmeldungen läuft täglich im Hintergrund die unsichtbare Arbeit der Freiwilligen: Diesen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag will der Verein „willkommen MENSCH! in Horn“ sichtbar machen.

Seit einem Jahr begleitet eine große Zahl ehrenamtlich Engagierter jene Menschen, die auf ihrer Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat in Horn gelandet sind. Aus diesem Anlass macht der Verein aufmerksam auf die vielen Menschen in der Region, die diese freiwillige, unbezahlte Arbeit leisten: Unverzichtbare Arbeit für Flüchtlinge, die sich in der österreichischen Soziallandschaft aufgrund von Verständigungsproblemen nicht zurecht finden. Unverzichtbar aber auch für die österreichischen Ämter und Behörden, das Arbeitsmarktservice, den Gesundheitsbereich. Ohne die Begleitung der Flüchtlinge zu diesen Stellen wäre der Alltag der Angestellten und Beamten um vieles komplizierter. Vielfach gibt es auf Ämtern und Behörden keine Dolmetscher, amtliche Mitteilungen sind grundsätzlich auf Deutsch verfasst. Oft wird einfach darauf vertraut, dass „eh jemand mitkommt“. Diejenigen, die „eh mitkommen“, stehen vor dem Problem, den österreichischen Behördendschungel in Asylfragen nicht zu kennen – Hartnäckigkeit und viele Telefonate sind notwendig, um die Regelungen zu verstehen. Und dann wird um englische Wörter für komplizierte Sachverhalte gerungen.
Das Ausfüllen von Formularen etwa stellt sich als besonders zeitaufwändig heraus: Für den Familiennachzug sind dreizehn Seiten pro Person abzuarbeiten. Auch das vier Monate alte Baby muss angeben, warum es sein Heimatland verlassen möchte. Diese Anträge sind immerhin zweisprachig verfasst und müssen vom Antragsteller ausgefüllt werden. Doch wer übernimmt den deutschsprachigen Teil? Natürlich wieder Ehrenamtliche. Intensiv sind die Geschichten, die österreichische Helfer oft hören. Vieles davon hätten sie lieber nicht gehört. Aber als Vertrauenspersonen in einem fremden Land erfüllen sie auch in dieser Hinsicht für geflüchtete Menschen eine wichtige Rolle. Die in diesen Bereichen Engagierten müssen erkennen lernen, wann es Zeit ist für professionelle Hilfe – für jene, die sich ihnen anvertrauen und für sich selbst.
„Es ist wichtig, zu zeigen, wie unverzichtbar, intensiv, zeitaufwändig und vor allem ehrenamtlich unsere Arbeit ist“, so Christian Scheidl, Caritas St. Pölten, Asyl & Integration Waldviertel
Viele Freiwillige durchlaufen Phasen der Überlastung. Lernprozesse zur Abgrenzung kommen langsam in die Gänge. Persönlicher Austausch bei Vernetzungstreffen von Freiwilligen steht oft am Anfang solcher Prozesse. Intensiv sind aber auch die Freundschaften, die mit der Zeit entstehen. Intensiv die Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der die österreichischen Begleiter immer wieder zu Gesprächen, zum Essen eingeladen werden. Intensiv das Mitgefühl beim Warten auf den Interviewtermin, auf einen Bescheid darauf, dass die Familie nachkommen kann.


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