Erste Ergebnisse der KZ-Asche in Lungitz präsentiert

Hits: 991
Melanie Mai Melanie Mai, Tips Redaktion, 13.12.2019 12:12 Uhr

KATSDORF. Bei Bauarbeiten im Bahnhofsbereich Lungitz sind im Oktober 2018 mehrere Skelette und Überreste menschlicher Asche entdeckt worden. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor.  

„Aufgrund der räumlichen Nähe zum ehemaligen Konzertrationslager “Gusen III„ gehen wir davon aus, dass es sich um Opfer des “Komplexes Mauthausen„ handelt“, betont Stephan Matyus, Mitarbeiter der Gedenkstätte Mauthausen, am Mittwoch im Katsdorfer Kino bei einer Infoveranstaltung für die Bevölkerung. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Menschen in Lungitz selbst zu Tode gekommen sind. Universitätsprofessorin Claudia Theune wurde mit der Aufarbeitung beauftragt und geht davon aus, dass Asche, die für den Unterbau für die Errichtung des Nebengleises verwendet wurde, aus Krematorien in Gusen oder Mauthausen stammen könnte. „Die Asche und die Funde darin sind übliche Funde im Kontext der NS-Zeit, auch in der ehemaligen Aschehalde in Mauthausen wurden solche Materialien gefunden“, betont Theune.

6.500 Funde werden untersucht – Geduld der Bevölkerung erforderlich

Auf einer Länge von 150 Meter und 30 Meter Breite wurden insgesamt 6.500 Funde gesichert. Als die verdächtige Ascheschicht bei den Bauarbeiten entdeckt wurde, wurde beschlossen nicht nur das Gleisbeet auszuheben sondern auch rundherum die Erde zu sieben, um wirklich alle möglichen Funde gewinnen zu können. Aber es ist mehr als Asche entdeckt worden, auch viel Erde, Schlacke, Buntmetall, Eisen, Porzellan, Gummi, Aluminium, Zähne und Knochenfragmente. „Es sind alles Funde aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, so Theune. Aufgrund der Menge der Funde wird die Bevölkerung um Geduld gebeten. „So eine Untersuchung ist nun mal sehr intensiv was Zeit und auch Energie betrifft“, sagt die Universitätsprofessorin weiter.

Die durchgeführten DNA-Tests haben keine Ergebnisse geliefert. „Aber trotzdem: Es ist wenig aber es gibt menschliche Funde“, betont Theune. Weiters sagt sie: „Feststeht, dass sich die drei gefundenen Skelette dem Frühmittelalter zuordnen lassen.“

Pietätvoller Umgang

Auch Bürgermeister, Ernst Lehner, betont wie aufwendig hier diese Untersuchungen sind und gibt den Historikern die Zeit, die sie benötigen: „Ich möchte weitere Untersuchungen für noch mehr Klarheit und eine würdevolle sowie künstlerisch-architektonische Stätte schaffen.“ Die Asche mit den menschlichen Überresten wurde mittlerweile neben einem vorhandenen Gedenkstein in Lungitz beigesetzt.

„Auf emotionaler Ebene ist das natürlich sehr schwer, wenn menschliche Asche für Bauarbeiten verwendet wurde. Jeder Mensch ist ein Mensch und es ist egal ob sich ein Mensch oder 50 Menschen in der Asche befinden - Jeder einzelne verdient einen pietätvollen Umgang und eine Bestattung“, betont Andrea Wahl, Geschäftsführerin der Bewusstseinsregion.

Die Bevölkerung soll von nun an regelmäßig über die Fortschritte der Untersuchungen und zur Grabgestaltung informiert werden.

Artikel weiterempfehlen:

Kommentar verfassen



„Wir haben Glück, Natalie im Gasthof zu haben“

PERG. An zwei Tagen pro Woche hilft Natalie Schinninger aus der Lebenshilfe-Werkstätte Perg im Rahmen der Integrativen Beschäftigung jeweils zwei Stunden im nahegelegenen Gasthof Schachner mit. ...

Prinzen und Stadtmusikanten bei Galanacht

MAUTHAUSEN. Balltiger aufgepasst – es naht die „märchenhafte“ Galanacht der Pfarre Mauthausen.

Perger Volleyballerinnen feiern gegen Schlusslicht Hartberg ersten Sieg im neuen Jahr

PERG. Dank einer kompakten Teamleistung konnte die SG Prinz Brunnenbau Volleys am Samstag gegen Bundesliga-Schlusslicht Hartberg den ersten Sieg feiern,

Arctic Rally-Abenteuer: Rigler und Heigl mit Vollgas auf Spikes durch die endlosen Weiten Lapplands unterwegs

MITTERKIRCHEN/ROVANIEMI. Der Ärger über den Ausfall bei der Jännerrallye im Raum Freistadt war bei Gerald Rigler schnell verflogen, denn bereits kurz darauf waren beim Machland-Bleifuß ...

Lebenshilfe-Gruppe „Farbecht“ tanzt erstmals bei den Special Olympics

GREIN/PERG. Am Donnerstag reisen 15 Athleten der Lebenshilfe Grein nach Kärnten, um an den Special Olympics Winterspielen teilzunehmen. Für sieben von ihnen wird es eine Premiere: Andrea Gassner, ...

Schmerzhafte Verluste für Kirche im Bezirk Perg: 477 Katholiken sind ausgetreten

BEZIRK PERG. In Oberösterreich haben im vergangenen Jahr wieder 11.097 Menschen die Katholische Kirche verlassen. Im Bezirk Perg sind es 477, das sind 57 mehr als noch im Vorjahr.

Bevölkerung wegen Erweiterung der Gedenkstätte Gusen verunsichert

LANGENSTEIN. Vergangenen Freitag, am 17. Jänner, wurden rund 120 interessierte Besucher über den aktuellen Stand der Entwicklungen rund um die KZ-Gedenkstätte Gusen informiert.

Biber sollen wegen Planungsfehler am Machlanddamm sterben

BAUMGARTENBERG. Bis zu zehn Biber sollen auf Antrag der Machlanddamm Betriebsgesellschaft im Bereich des Polders Mettensdorf bis Ende Februar 2020 gefangen und getötet werden. Der Naturschutzbund ...