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KILB. Sind die letzten Pakete und Briefe zugestellt, macht sich der Postangestellte Johannes Schnetzinger in den Sommermonaten nach Dienstschluss auf ins Kilber Freibad. Nicht um dort etwa nach einem anstrengenden Arbeitstag dem kühlen Nass zu frönen, sondern um mit milder Strenge für „Ruhe und Ordnung“, wie er sagt, zu sorgen. Im Freibad obliegt Schnetzinger nämlich die Badeaufsicht.

Johannes Schnetzinger an seinem Sommer-Arbeitsplatz
Johannes Schnetzinger an seinem Sommer-Arbeitsplatz

Rund 30 Grad Celsius zeigt das Thermometer an, als sich die Tips-Redaktion auf den Weg ins Kilber Freibad zu Johannes Schnetzinger macht. Sommerferien und blauer Himmel tun ihr Übriges, um für regen Betrieb in der kommunalen Naherholungsoase zu sorgen. Schnetzinger hat bereits die erste Schürfwunde des Tages versorgt und nimmt sich Zeit für ein Gespräch. Setzen möchte er sich dafür aber nicht, seine Augen bleiben auf das Badeareal gerichtet. „Ich bin da, damit hier Ruhe und Ordnung herrscht und um Erste Hilfe zu leisten, sollte etwas passieren –  also das, was jeder machen sollte“, erklärt er. Als Bademeister möchte er sich nicht bezeichnet wissen –“Ich mache hier die Badeaufsicht“, betont er.

Für den Ernstfall gerüstet

Seit mehr als 15 Jahren lässt er Sommer für Sommer seine wachsamen Blicke durch das Freibad schweifen. Zu schwereren Verletzungen sei es in seiner Dienstzeit Gott sei Dank noch nie gekommen, erzählt er. Kleinere Blessuren und Notfälle gehören aber zum Alltag – Kinder, die sich versehentlich in den Toilettenanlagen einsperren, Bienenstiche und Schürfwunden, wie etwa heute, zählen dazu. Vielfach würden oft auch aufmerksame Badegäste Schlimmeres verhindern, weiß Schnetzinger. Regelmäßig nimmt er an Weiterbildungskursen teil, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.

Wenn die Hölle los ist

Das Kilber Freibad, es ist nur einen Steinwurf von seinem Wohnhaus entfernt, sei mittlerweile eine zweite Heimat für ihn und seine Familie geworden. Auch seine Ehefrau Claudia hilft nach Dienstschluss im Freibadbetrieb mit. „Meine jüngste Tochter ist praktisch hier aufgewachsen“, erzählt der Postbeamte.

„Mir taugt es, wenn hier die Hölle los ist und die Leute Spaß haben“, kann der 45-Jährige ruhigen Arbeitstagen nur bedingt etwas abgewinnen. Natürlich sei es auch anstrengend, aber er täte das für die Gemeinde. „Andere sind bei der Feuerwehr oder bei der Rettung. Ich bin eben hier“, erklärt er sein leidenschaftliches Engagement. Wirklich ärgern müsse er sich kaum. „In der Regel wissen die Leute ja, was sie falsch gemacht haben. Man muss sie nur entsprechend aufklären, was passieren könnte. Meist reicht ein Deuter oder eine Meldung von mir und die Sache ist erledigt.“ Auf ein Pfeiferl verzichtet er, denn mit der Stimme gehe es besser.

Wasserstau in der Rutsche

Kurze Zeit später entschuldigt sich Schnetzinger und macht sich Richtung Wasserrutsche auf – ein Bub blockiert die Bahn, ein Wasserstau ist das Ziel des jungen Badegastes. Schnetzinger holt ihn zu sich, klärt die Situation unaufgeregt, kommt zurück und erzählt weiter, den Blick vom Trubel im Wasser nicht ablassend. „Die Atmosphäre hier ist sehr freundschaftlich, wir sind hier sozusagen eine große Familie. Die Besucher sind sehr diszipliniert“, dafür sei er ihnen und der Gemeinde sehr dankbar.

Bewegung im Wasser

„Man muss den Menschen etwas bieten, damit sie ins Freibad kommen“, erklärt er als die Aqua Zumba-Gruppe mit Lautsprechern ausgerüstet durch den Eingang marschiert. Kostenlos animiert sie die Badegäste zu Bewegung im Wasser – an anderen Tagen macht das ebenso eine Wassergymnastik-Gruppe. Auch ein Meerjungfrauenschwimmkurs kann gegen Entgelt besucht werden. Zudem gibt es seit diesem Jahr Gratis-WLAN am Freibadareal.

„Dass einmal wirklich etwas Schlimmes passiert, das fürchte ich schon – weil ich ja alle Leute hier kenne“, so der 45-Jährige abschließend den Blick noch immer schützend auf das Schwimmbecken gerichtet.


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