S-Bahn-Einführung: Im Taktverkehr nach Kirchdorf
KIRCHDORF/OÖ. Am 11. Dezember startet das neue S-Bahn-Konzept für den oberösterreichischen Zentralraum – Kirchdorf ist künftig via S-Bahnlinie 4 zu erreichen. Menschen in der Region erhoffen sich durch die Neuerung einige Verbesserungen in Sachen Mobilität und öffentlicher Verkehr.

Mit der Frage, was neu an der neuen S-Bahn ist, befasste man sich auch bei der Vorstellung des Konzepts durch Verkehrslandesrat Günther Steinkellner und Vertreter der ÖBB am Linzer Hauptbahnhof. S-Bahnen – die erste wurde in den 1960er-Jahren in Wien eingeführt – zeichnet ein genauer Taktfahrplan aus. Die Züge fahren auf den fünf oberösterreichischen S-Bahn-Linien künftig im Grundtakt jede Stunde und können zu den Stoßzeiten auf einen halbstündigen Takt verdichtet werden.
Bestehende Infrastruktur
Umgesetzt wird die S-Bahn auf bestehender Infrastruktur, es werden also keine neuen S-Bahn-Linien gebaut. Einheitliche Fahrzeuge wird es vorerst ebenfalls nicht geben, die S-Bahn kommt als City-Jet, Talentgarnitur oder auch Wendezug.
Taktverkehr
Die wesentliche Neuheit ist somit der Taktverkehr. Die S-Bahn hält – im Unterschied etwa zu den Regional-Expresszügen – auch in den „kleineren“ Bahnhöfen. „Das klar strukturierte Angebot und die attraktiven Verbindungen, welche untereinander auch als überregionale Fahrlinien in Anspruch genommen werden können, bilden ein zukunftsfähiges, höchst attraktives Konzept, das vor allem auch Pendler zur Nutzung einlädt“, erklärte Landesrat Steinkellner bei der Präsentation.
Das lässt sich das Land Oberösterreich einiges kosten: 5,3 Millionen Euro werden für die zusätzliche Fahrtleistung jährlich aufgebracht.
S-Bahnlinie 4
Die neue S-Bahn-Verbindung von und nach Kirchdorf ist eine von fünf Strecken in Oberösterreich und bekommt die Bezeichnung „S 4“. Daneben kann man von Linz aus per S-Bahn künftig nach Wels, Garsten bei Steyr, Eferding und Pregarten gelangen.
Zeit nachzuziehen
Auch bei den Senioren wird die schnellere Verbindung wohl zu dem einen oder anderen zusätzlichen Bahnausflug beitragen.
Hubert Braunreiter vom Seniorenbund Klaus-Steyrling erklärt: „Dieses Angebot ist für mobile Senioren eine Bereicherung. Immer mehr Pkw-Besitzer fahren lieber mit der Bahn nach Linz, um Staus und Parkplatzprobleme zu vermeiden.“ Für Braunreiter hätte die Neuerung, die schon seit 1992 im Gespräch ist, aber durchaus früher kommen können. „Schon seit 2004 gibt es in Salzburg eine S-Bahn mit dichtem Taktverkehr. Endlich zieht man in Oberösterreich nach“, so Braunreiter.
Jugend und Senioren
Besonders die kulturellen Angebote der Landeshauptstadt seien künftig besser zu erreichen: „Wichtig ist, dass am späten Abend Züge nach Kirchdorf fahren, die Besuchern diverser Kulturveranstaltungen die Rückfahrt ermöglichen“, betont Braunreiter.
Für die Jugend kann die S-Bahn wohl ebenso zu einem neuen Faktor in Sachen Mobilität werden. Robert Sluga vom Jugendservice Kirchdorf sagt: „Wer mobil ist, kann am heutigen Arbeits- und Gesellschaftsleben besser teilnehmen – ob nun auf dem Weg in die Arbeit oder in die Schule, fürs Freizeitvergnügen oder um soziale Kontakte zu pflegen.“
Mobilität verbessern
„Gerade für Jugendliche stellt eine erhöhte Taktfrequenz eine Verbesserung der Mobilität dar, da sie oft noch keinen Führerschein bzw. ein Auto oder Moped besitzen und daher größtenteils auf ihre Eltern angewiesen sind, wenn sie weitere Strecken zurücklegen müssen“, erklärt Sluga.
Und auch die Gemeinden freuen sich über das Zusatz-Angebot. So sagt etwa der Wartberger Bürgermeister Franz Karlhuber: „Ich bin mir sicher, dass das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln dadurch noch mehr genutzt wird. Gerade in Verbindung mit verkürzten Fernverkehrs-Zeiten ist die S-Bahn besonders attraktiv.“
Wirtschaftsraum
Bei der WKO Kirchdorf erhofft man von der Verbesserung des öffentlichen Verkehrs mögliche Vorteile für den regionalen Wirtschaftsraum. „Eine solche Verbindung könnte aus unserer Sicht genützt werden, um als starke Arbeitgeberregion noch mehr Aufmerksamkeit zu erlangen und vor allem um die Themen Tourismus, Kulinarik und Einkaufen auf dem Land zu verknüpfen“, schlägt WKO-Obmann Klaus Aitzetmüller vor.
Wettbewerb
Gleichzeitig gelte es aber auch, sich auf verstärkten Wettbewerb einzustellen. „Die schnelle Verbindung in den Zentralraum bringt eine wesentliche Vergrößerung der Angebote in allen Bereichen. Das heißt, dass wir im Arbeitsmarktbereich als Arbeitgeberregion noch fitter werden und den regionalen Schwerpunkt und Bedarf entsprechend stärker kommunizieren müssen“, so Aitzetmüller.


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