Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Kirchdorf: "Damit die Jungen nicht davonlaufen"
Die Bevölkerung im Bezirk Kirchdorf wird in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich leicht wachsen. Der Anteil der Jungen wird jedoch zurückgehen. Das gefährdet den Bezirk als Industrie-Standort.

Die Bevölkerungspyramide im Land verschiebt sich. Längst handelt es sich um keine Pyramide mehr – eher um ein Rechteck, das auf der Spitze balanciert.
Das soziale Gleichgewicht zu halten fällt da immer schwerer. Zurzeit sind in Oberösterreich rund 20 Prozent unter 20 Jahre alt. 18 Prozent sind 65 oder mehr, die große Masse (62 Prozent) liegt dazwischen. Laut Prognose der Statistik Austria sind 2075 bereits knappe 30 Prozent 65 Jahre oder älter.
Für das Jahr 2040 hochgerechnet wurde auch die voraussichtliche Entwicklung einzelner Gemeinden. Hier ist im Bezirk zum Teil ein Aderlass zu befürchten: Zweistellige Bevölkerungsrückgänge erhoben die Statistiker für Hinterstoder (–14,4 Prozent), Klaus (–13,8 Prozent), Molln (–12 Prozent), Rosenau (–16 Prozent) und St. Pankraz (–14,4 Prozent).
Hohe Altersschnitt, Abwanderung im Süden
Um den Wandel zu verlangsamen, wurden seitens der Wirtschaftskammer im Vorjahr in einzelnen Bezirken Projekte unter dem Dachthema „Kompass Demografie“ gestartet. Im Bezirk Kirchdorf habe man das Thema schon länger auf der Agenda, versichert Bezirksstellenleiter Siegfried Pramhas. Er verweist auf das Positionspapier „Zukunft Wirtschaft 2009“.
Die Herausforderung laut Pramhas: „Wir haben auf der einen Seite einen sehr hohen Altersschnitt und auf der anderen relativ starke Abwanderungstendenzen im Süden.“ Insgesamt soll dennoch auch der Bezirk wachsen: Die CIMA-Unternehmensberatung sieht bis 2030 ein Bevölkerungsplus von 3,3 Prozent (auf Basis 2009). Gleichzeitig nimmt die Überalterung zu.
Wandern die Jungen ab, wandert die Industrie ab
Was ist eigentlich dagegen einzuwenden, wenn sich ältere Menschen in der Nationalpark- und Naturregion wohlfühlen? „Gar nichts“, meint Pramhas, „wir müssen aber für Ausgewogenheit sorgen. Kirchdorf ist einer der stärksten Bezirke in der Sachgüterproduktion. Die Betriebe brauchen qualifizierte Mitarbeiter.“
Er nennt ein Beispiel: „Im Bezirk werden jährlich gut 300 Jugendliche für den Lehrstart benötigt. 30 bis 40 Stellen bleiben unbesetzt, obwohl wir 630 Jugendliche im Alter von 15 Jahren haben.“ Mit anderen Worten: Die Hälfte dieser Jugendlichen besucht eine weiterführende Schule. Viele davon studieren anschließend und kehren nicht mehr zurück.
Pramhas: „Wir wollen diese Jugendlichen nicht bremsen, aber wir möchten, dass sie wieder zurückkehren. Dafür müssen wir Werbung machen und Sorge tragen.“ Gerade die Gemeinden hätten in den letzten Jahren viel getan, um Wohnmöglichkeiten für junge Familien und mehrere Generationen zu schaffen.


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