Grenzgeschichten: Ski aus dem Böhmerwald an die Front geholt
In den Kriegsjahren lebten noch viele Waldarbeiter-Familien in Holzschlag.

Die Schule für die Kinder war in Klaffer. Der Schulweg dorthin war zu allen Zeiten beschwerlich, aber am schwersten wohl im Winter. In der Morgendämmerung standen die Kinder schon auf den Skiern, Unterrichtsende war ebenfalls erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Der Bergnebel auf dem Hochficht verriet Sturm; nichts Erfreuliches für den Heimweg.
Manch Ältere werden sich gewiss an diese Kriegswinter erinnern. Im Jahr 1941 begann Deutschland den Krieg mit der Sowjetunion in der Hoffnung, dass er zu Weihnachten beendet sein werde. In diesem Jahr war aber alles anders. Bereits im Oktober kam der erste Schneefall mit tiefen Temperaturen bei uns und auch in Russland. Die Deutschen aber besaßen keine Winterausrüstung, so dass mehr Soldaten den Kältetod starben als in den Kämpfen. Den Deutschen fehlten zur Fortbewegung auch Skier. Sie waren damals noch kein Sportartikel, sondern Fortbewegungsgeräte. Winterkleidung und Skier musste für die Front in der Heimat gesammelt werden.
Neue Ski vom Wagner
Im Böhmerwald besaß jede Familie einige Paare an Skiern. Das wusste auch die damalige Behörde und ordnete die Ablieferung dieser an. Die aufgebotenen Einsammler durchkämmten die Häuser in Holzschlag und raubten den Erwachsenen und Schülern die Skier. Zum Glück gab es in Ulrichsberg den Pröll-Wagner, der genug Eschenholz auf Lager hatte, um gleich mit der Neuanfertigung beginnen zu können. Zu dieser Zeit priesen ihn die Waldbewohner als ihren Lebensretter.
Verfasser: Fritz Winkler


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