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KOLLERSCHLAG. Es ist schon ein wenig unheimlich, als wir freiwilligen Helfer durch den Nebel das kurze Stück vom Parkplatz zur Grenze gehen. Hell erleuchtet liegt der Übergang da, ebenso das große Transitzelt, in dem heute knapp 800 Leute die Wartezeit überbrücken, bis sie nach Deutschland weiterreisen können. Für ein paar Stunden hab ich mich unter die Helfer gemischt und mir die Flüchtlingskrise aus nächster Nähe angeschaut.

  1 / 4   Die beiden Geschwister sind zufrieden, im Kleidercontainer haben sie eine passende warme Jacke für die Nacht gefunden. Foto: Gahleitner

Es ist kurz nach 19 Uhr, als wir in Hanging ankommen und uns erstmal die Team Österreich-Weste und blaue Einweghandschuhe überziehen. Im Versorgungszelt erfahren wir, was überhaupt zu tun ist. Ich werde mit meiner Tochter Liana und zwei weiteren jungen Mädchen die Freiwilligen bei der Kleiderausgabe ablösen. Zwei Burschen des Bundesheeres sorgen dafür, dass der Andrang in den beiden Containern und dem kleinen Zelt nicht gar zu groß ist, aber heute ist eine ruhige Nacht. Noch ist kein neuer Bus mit Flüchtlingen eingetroffen, vier werden für 22 Uhr erwartet.

Gerade kommt eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter herein. Eine Hose möchte sie für das Mädchen, die wir auch schnell finden. Ein bisserl zu groß ist sie vielleicht, aber immerhin viel besser, als weiter nur in Strumpfhosen herumzulaufen. Ein dankbares Lächeln und Nicken, dann sind die beiden auch schon weg. Andere schauen sich einfach still um, bedienen sich bei den Schachteln voller Hauben, warmen Socken, Handschuhen und an den Tischen mit gespendeten Pullovern und Hosen. Zwei Geschwister suchen warme Jacken. Das Mädchen wird schnell fündig. Der Junge muss erst noch probieren, doch schon bei der zweiten signalisiert mir seine Schwester, dass sie passt. Daumen hoch und ein Lächeln – das versteht man in jeder Sprache.

„Bitte, eine Decke für mein Baby“

Später werden die beiden wiederkommen, weil sie eine Decke brauchen. Ich kann ihnen keine geben. Ebenso wenig wie der Mutter für ihr schlafendes Baby, das schon ganz eiskalte Hände hat. Mit dem Baby-Schlafsack, den wir ihr anbieten, kann sie wenig anfangen, nimmt ihn aber trotzdem mit. Decken gibt es leider keine. Dabei müssen die Flüchtlinge im Zelt auf dem Boden schlafen. Notbetten, wie in der Stockhalle, gibt es hier nicht.

Während ich weiter beim Suchen helfe, Kinderkleidung ausgebe und sortiere und die Erwachsenen ins Zelt nebenan schicke, beginnt draußen jemand zu singen. Einige Männer haben sich im Kreis zusammengesetzt und vertreiben sich den ungewöhnlich warmen Samstagabend. Inzwischen ist es fast halb elf. Die angekündigten Busse werden nicht kommen, erfahren wir. Deshalb wird auch die Kleiderausgabe geschlossen. Aber dem Jungen, der ohne T-Shirt unter seiner Jacke kommt, können wir noch einen Pullover und eine frische Hose geben.

In der Essensausgabe erzählt mir Wolf Ruprecht, der ebenfalls als Freiwilliger im Einsatz ist, dass im großen Zelt jetzt Ruhe einkehrt. Die Leute haben sich mit Nudelsuppe, Toastbrot, Bananen oder Äpfeln versorgt; haben warme, trockene Kleidung; sind, wenn nötig, ärztlich betreut worden; und versuchen nun, ein wenig zu schlafen. Draußen sammelt Max Wiederseder, der mit seiner Familie im Einsatz ist, Müll ein. Es kommt einfach einiges zusammen bei so vielen Leuten, aber es ist bei weitem nicht so schlimm, wie oft geschildert.

Perfekt organisiert

Gerade ist ein Transporter angekommen – mit Medikamentenspenden, Müsliriegeln, Zahnbürsten und Zahnpasta. Rotkreuz-Einsatzleiter Christoph Hollnsteiner bittet uns, beim Ausladen zu helfen. Alles wird ins Versorgungszelt gebracht, wo sich Windeln und Babynahrung neben Lebkuchen, Biskotten, Obst und Kartoffelpüree stapeln. Man ist gerüstet hier in Hanging für die nächsten Flüchtlinge. Und auch organisatorisch haben das Rote Kreuz gemeinsam mit der Polizei und dem Bundesheer alles unter Kontrolle. Überraschend positiv empfinde ich auch die Stimmung, die hier herrscht. Zwar sind viele, vor allem Mütter, müde und besorgt, aber bei den meisten überwiegt die Hoffnung auf eine sichere Zukunft, die sie nach ihrer langen, beschwerlichen Reise jenseits der Grenze erwarten.

Freiwillige Helfer sind weiterhin gesucht. Wer helfen will, soll sich unbedingt bei der Rotkreuz-Bezirksstelle unter Tel. 07289/6444 melden. Dort werden alle Helfer koordiniert.


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