Wirbel um Stupa-Bau: Bürger protestieren gegen Standortwahl

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Claudia  Brandt Claudia Brandt, Tips Redaktion, 28.01.2016 08:24 Uhr

GRAFENEGG/ GRAFENWÖRTH. Der Plan, im Grenzgebiet zwischen Grafenegg (Bezirk Krems) und Grafenwörth (Bezirk Tulln) ein buddhistisches Friedensdenkmal zu errichten, sorgt für Aufregung in beiden Gemeinden. Die Bürgerinitiative „Rettet den Wagram“ will das Projekt mit rechtlichen Schritten verhindern.

Was 2012 in Gföhl gescheitert ist, soll jetzt in Grafenwörth Realität werden. Damals sprach sich eine Mehrheit der Bevölkerung bei einer Bürgerumfrage gegen den Bau eines buddhistischen Gebetstempels (Stupa) auf einer Anhöhe vor der Stadt aus. Nun ist das Stupa-Institut aus Altlengbach bei seiner Standortsuche nur wenige Kilometer weiter in Grafenwörth fündig geworden. Direkt auf der Wagramkante zwischen Engabrunn (Grafenegg) und Feuersbrunn (Grafenwörth) soll das umstrittene religiöse Bauwerk nun errichtet werden.

Bürger fordern Information

In beiden Gemeinden regt sich der Widerstand, die Bürgerinitiative „Rettet den Wagram“ versucht das Projekt zu verhindern. Wie bei einer Informationsveranstaltung der Stupa-Gegner im ehemaligen Milchhaus in Engabrunn deutlich wurde, fühlen sich zahlreiche Bewohner beider Gemeinden vor vollendete Tatsachen gestellt. Denn der Grafenwörther Bürgermeister Alfred Riedl (ÖVP) hat das Bauansuchen des Stupa-Instituts bereits im September 2015 bewilligt. Viele Bürger hätten sich jedoch im Vorfeld konkrete Infos über das aufsehenerregende Projekt gewünscht. Gegenüber Tips lehnt die Gemeinde Grafenwörth eine Stellungnahme mit der Begründung ab, dass keine Auskünfte zu Bauverfahren erteilt werden könnten.

Sorge um Naturschutz

„Wir wollen keine religiöse Diskussion. Uns geht es vorwiegend um den Standort“, erklärt Ernest Heiss. Der Standort mitten in den Weingärten, in unmittelbarer Nähe zu einem Natura 2000 Schutzgebiet, sei nicht geeignet. „Dort hat ein Bauwerk dieser Größenordnung nichts zu suchen“, meint der Engabrunner Winzer. Laut seinem Bürgerinitiativen-Kollegen Helmut Ferrari handelt es sich beim Wagram um ein Brut- und Schutzgebiet für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, die teilweise auf der Roten Liste stehen.

Rechtskräftiger Baubescheid

Elisabeth-Lindmayer vom Stupa-Institut kann die Naturschutzbedenken nicht teilen: „Es handelt sich um kein Natura 2000 Gebiet. Von der NÖ Landesregierung wurde genau, sorgsam und lange geprüft, ob der Platz für eine Andachtsstätte angemessen sei. Die Raumordnungsprüfung und Rechtsprüfung ist abgeschlossen, der Bescheid rechtskräftig. In einem Natura 2000 Gebiet hätte dieses Bauwerk nie die notwendigen Genehmigungen erhalten“. Lindmayer betont weiters, dass der Buddhismus den Naturschutz und Achtung vor Tieren und Pflanzen lebt.

Diskussion über Zufahrt

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Verkehrssituation. Laut Grafenwörther Gemeindezeitung soll die Zufahrt zum Stupa über die Verbindungsstraße Engabrunn-Grafenegg erfolgen. Helmut Ferrari befürchtet daher nicht nur mehr Schwerverkehr, sondern auch dass die Straße sowie die Eisenbahnunterführung verbreitert werden müssen. Laut der Grafenegger ÖVP-Gemeinderätin Maria Forstner plant das Land nicht, die Straße zu verbreitern.

Pfeifer: Verkehrssorge unbegründet

Bedenken, dass die Engabrunner Bevölkerung durch den Stupa mit mehr Verkehr zu rechnen hat, kann der Grafenegger Bürgermeister Anton Pfeifer (ÖVP) nicht teilen: „Dort steht links und rechts kein Haus“. Laut Gemeinde Grafenwörth ist im Betriebskonzept festgehalten, dass sich maximal 120 Personen gleichzeitig in der Andachtsstätte aufhalten sollen, an maximal fünf Tagen im Jahr seien bis zu 350 Personen möglich. „Das entspricht in etwa der Frequenz unserer Gasthäuser“, heißt es in der Gemeindezeitung.

15.000 Besucher pro Jahr

Bauwerberin Elisabeth Lindmayer rechnet mit rund 15.000 Besuchern pro Jahr, welche die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Handel und Gewerbe in der Region beleben sollen. Das Einzugsgebiet liege in erster Linie in Österreich und Mitteleuropa. „Es sollen sich alle Menschen angesprochen fühlen, die einen Sinn für Spiritualität, Frieden, Dialog und den Bau von Brücken haben“. Ihnen solle der Stupa als Raum der Meditation und Konzentration dienen.

Umwidmung als Streitfrage

Helmut Ferrari, der seit 40 Jahren im Bauwesen tätig ist, sieht bei dem Stupa-Projekt rechtliche Bedenken. Laut Raumordnung dürfen im Grünland Kapellen, Marterl und Kleindenkmäler errichtet werden. Aus Sicht der Gemeinde Grafenwörth ist der Stupa als Andachtsraum mit der Funktion einer christlichen Kapelle vergleichbar – demnach ist die Errichtung des Bauwerks mit der Grünlandwidmung vereinbar. Ferrari zieht nun einen Passus aus der Bauordnung heran, wonach bei besonders ortsbildwirksamen Bauprojekten auf das regionalspezifische sowie bau- und kulturhistorisch gegebene Erscheinungsbild Rücksicht zu nehmen ist. „Schon allein deshalb hätte das Projekt abgelehnt werden müssen“, meint Ferrari.

Grafenegg nicht zuständig

Der Grafenegger Bürgermeister Anton Pfeifer steht dem Projekt gelassen gegenüber. Aus Verwaltungssicht spreche nichts gegen den Bau. Pfeifer betont jedoch, dass das Projekt ausschließlich in die Zuständigkeit der Gemeinde Grafenwörth fällt, da das ausgewählte Grundstück in deren Gemeindegebiet liege. Daher hätte die Gemeinde Grafenegg die Bürger auch gar nicht informieren können.

Rechtliche Schritte einleiten

Wie geht es jetzt weiter? „Es ist schon unglaublich viel passiert und es ist nicht klar, ob man noch etwas bewegen kann“, meint Ernest Heiss. Versuchen will es die Bürgerinitiative aber auf jeden Fall. Eine Volksbefragung durchzusetzen sei nicht mehr möglich, da es bereits einen rechtsgültigen Bescheid gebe. Helmut Ferrari kündigt jedoch an, die Volksanwaltschaft, die Niederösterreichische Umweltanwaltschaft und einen Rechtsanwalt in der Causa einzuschalten. Weiters seien mehrere Demonstrationen der Stupa-Gegner geplant. Finanziert werden soll der Bürgerprotest Ferrari zufolge mithilfe von Spendengeldern.

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