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KREMSMÜNSTER. Im März vor sechs Jahren wurden erstmals die langjährigen Missbrauchsfälle im Stift Kremsmünster bekannt.

Foto: weihbold
Foto: weihbold

Ein ehemaliger Zögling des Stiftsgymnasiums und Internats wandte sich an Presse und Öffentlichkeit und berichtete von Misshandlungen und sexuellen Übergriffen. „Prügelstrafen“ seien an der Tagesordnung gestanden. Die Vorwürfe schlugen daraufhin hohe Wellen und wurden unter anderem intern untersucht. Ein ehemaliger Pater wurde 2013 zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt, die 2015 vom Oberlandesgericht Linz bestätigt wurde. Ebenfalls im letzten Jahr erschien eine externe Studie über die Missbrauchsfälle.

Abt Ambros Ebhart zeigte sich in einem Interview in den Oberösterreichischen Nachrichten unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe im März 2010 bereits darauf gefasst, dass hier einiges ans Licht kommen würde. Auf die Frage, ob er die Hand dafür ins Feuer legen könne, dass es im Stift Kremsmünster keine sexuellen Übergriffe auf Schüler gegeben hat, antwortete er damals: „Die Hand ins Feuer kann ich, kann man für niemanden legen.“

Der ehemalige Schüler des Stiftsgymnasiums hatte die Übergriffe und Gewaltanwendungen mancher Patres sehr konkret beschrieben. Einer der bereits damals Hauptbeschuldigten wies die Vorwürfe zurück und sagte, er könne sich an nichts erinnern. In einem jahrelangen Prozess wurde die 12-jährige Haftstrafe gegen den aus der Klostergemeinschaft ausgeschlossenen Pater bestätigt. Demnach hat dieser von 1967 bis 1996 sexuelle und gewalttätige Übergriffe auf Schüler verübt.

Im März vergangenen Jahres wurden die Ergebnisse der externen Studie zu den Missbrauchsfällen vorgestellt. Dabei wurden 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt festgestellt, 24 Personen wurden beschuldigt.

Sozialforscher Florian Straus kommentierte die Studie mit den Worten: „Das Stift Kremsmünster hat es über Jahrzehnte nicht geschafft, die ihm anvertrauten Schüler ausreichend vor pädosexuellen Übergriffen zu schützen“ und „Es hätte mit einer besseren Kommunikationsstruktur verhindert werden können“. Rund um die Missbrauchsfälle habe es ein „Systemversagen“ gegeben. Der kirchlich-institutionelle Rahmen und die strenge Hierarchie seien wesentliche Faktoren gewesen, die das Geschehene möglich gemacht hätten. Mangelnde pädagogische Qualifikation, fehlende interne Kommunikation, Elitedenken, „institutioneller Narzissmus“ und eine Tabuisierung des Themas Sexualität hätten ebenfalls eine zentrale Rolle gespielt, hieß es vonseiten der Studienautoren.

Bei der Entschädigung der Opfer spielte die sogenannte „Klasnic-Kommission“ eine wesentliche Rolle. Die von Kardinal Schönborn eingesetzte Opferschutzanwaltschaft unter der Leitung von Waltraud Klasnic wurde mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche betraut. Rund um die Entschädigungsfrage gab es von Betroffenen ebenfalls Kritik am Stift Kremsmünster.


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