"Es ist nicht notwendig, dass man Menschen in Lebensgefahr bringt"
LANGENSTEIN/ST. GEORGEN AN DER GUSEN. Viele Asylwerber in der Region erleben einen negativen Asylantrag und werden teilweise in der Nacht abgeholt und zum Flughafen gebracht. So auch der 25-jährige Safi aus St. Georgen an der Gusen.

Viele Unternehmer wollen Asylwerbern eine Chance in der Arbeitswelt geben und ermöglichen ihnen so eine Ausbildung in Form einer Lehre. Doch auch eine begonnene Lehre ist für die Politik kein Asylgrund und so werden wieder viele aus ihrer begonnenen Ausbildung herausgerissen. Nun regt sich vonseiten der Unternehmer immer mehr Widerstand, um ihre dringend benötigten und gut arbeitenden Lehrlinge behalten zu können. Der 25-jährige Safi lebt in St. Georgen/Gusen und befindet sich in einer Maurerlehre bei der Baufirma Hentschläger in Langenstein. Sein Asylantrag wurde nun in zweiter Instanz abgelehnt und so wurde er vor ein paar Wochen um fünf Uhr früh von Polizeibeamten geweckt, um ihn in Schubhaft zu nehmen. Ein gerichtlicher Einspruch konnte das in letzter Minute verhindern und so ist die Abschiebung ausgesetzt. Er selbst durchlebt momentan Todesängste: Denn er ist in Afghanistan Polizist gewesen und würde er nun zurückkehren, würden die Taliban ihn sofort töten.
Widerstand von allen Seiten
Antonia Hentschläger kritisiert das Vorgehen der Regierung: „Safi arbeitet gerne, ist motiviert und lernwillig. Ich kann es nicht nachvollziehen, dass im Asylverfahren überhaupt nicht auf uns Unternehmer gehört wird und Safi mitten in seiner Ausbildung abgeschoben werden soll.“ Auch Andrea Wahl versteht die Situation nicht: „Wir haben einen so hohen Fachkräftemangel. Warum sollen wir also motivierte Menschen, die arbeiten wollen und bereits Deutsch gelernt haben, wieder abschieben. Zusätzlich müssen sie tagtäglich mit der Angst leben, jeden Moment abgeholt zu werden.“ Elfriede Buchberger ist seit 2015 ehrenamtliche Flüchtlingsbegleiterin aus Luftenberg und kriegt von der Situation in der Region einiges mit. „Es ist absolut nicht notwendig, dass man Menschen in Lebensgefahr begibt. Viele Menschen aus der Region investieren Zeit und bringen Asylwerbern Deutsch und unsere Werte bei.“ Ebenso erzählt sie von mehreren Schubhaft-Polizeieinsätzen, die in den vergangenen Wochen rund um St. Georgen stattgefunden haben. Antonia Hentschläger betont noch einmal, wie wichtig die Arbeitswelt für die Integration ist: „Schon mein Vater hat im Unternehmen immer wieder Mitarbeitern aus fremden Ländern eine Chance gegeben und wir haben damit eigentlich nie Probleme gehabt. Ich verstehe einfach nicht, dass wir kein Mitspracherecht bei der Asylentscheidung haben – warum entscheiden Fremde über die Zukunft unserer Lehrlinge? Immerhin stehen wir im direkten Kontakt. Bei so einer Situation verlieren Unternehmer wie Asylwerber gleichermaßen.“


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