In Erinnerung an über 400 von den Nazis verfolgte Menschen im Bezirk
BRAUNAU/LENGAU. Nicht jeder jubelte, als die Nationalsozialisten 1938 über die Grenze nach Österreich marschierten. Rund 430 Personen im Bezirk Braunau wurden zwischen 1934 und 1945 aufgrund ihres Glaubens oder politischen Einstellung verfolgt. Deren Namen werden bei einer Gedenkfeier in Lengau verlesen.

Durch seine Glasindustrie war der Lengauer Ortsteil Schneegattern ein Zentrum der Sozialdemokratischen Bewegung. Diese entstand vor allem, nachdem die Glaserzeugung in den Zwanzigerjahren einen jähen Einbruch erlebte und rund 800 Arbeiter arbeitslos wurden. Es herrschte bittere Armut und die Arbeiter begannen, sich politisch zu organisieren – 1934 kam es sogar fast zum Aufstand. Nach Ausschaltung der Demokratie und dem Einzug der Nazis waren sie mit starken Repressalien konfrontiert, die zahlreiche Opfer forderten. Doch nicht nur Sozialdemokraten, auch Kommunisten, Zeugen Jehovas und Priester wurden im Bezirk Braunau von den Nazis verfolgt und inhaftiert. Die Haftgründe reichten von Rundfunkvergehen über unerlaubte Beziehungen zu Fremdarbeitern, Schwarzschlachten, NS-kritische Bemerkungen, rassische Verfolgung und kommunistische Betätigung bis hin zum Hochverrat.
Über 430 politisch Verfolgte im Bezirk
Über 430 Personen aus den Gemeinden des Bezirks wurden politisch verfolgt. Deren Namen werden bei einer Gedenkfeier am Sonntag, 21. Oktober, in Lengau verlesen. Beginn ist um 16 Uhr vor der Notglocke in Schneegattern mit einer kurzen Gedenkrede. Ab 17.30 Uhr findet der zweite Teil in der Pfarrkirche Friedburg mit Gottesdienst statt.


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