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Wenn man vor dem Zweiten Weltkrieg durch ein Böhmerwalddorf ging, fielen nicht nur die Strohdächer, sondern auch die Steingrander bei jedem Haus auf. Im Grander wurde das kostbare Nass für Mensch und Tier gesammelt, das der Böhmerwald selbst in den kältesten Wintertagen zur Verfügung stellte.

Vor jedem Haus stand ein Steingrander, in dem das kostbare Wasser aus dem Böhmerwald gespeichert wurde.

Anderswo als hier im Böhmerwald, musste mühsam das Wasser aus der Erde geholt werden. Nur im Böhmerwald befand sich bei jedem Haus ein Steingrander als Wasserspeicher, der aus Mühlviertler Granit gehauen war. Der Grander aber war keineswegs billig, sondern musste nach seiner Fertigstellung vom Auftraggeber mit Roggenkorn bezahlt werden. Die randvolle Füllung des Granders mit kostbarem Roggen war nicht nur ein ehrlicher Preis, sondern auch eine stets gleichbleibende Währung.

Roggen und Wasser ist Leben

Roggen zu Brot gebacken und dazu das Wasser bedeutete Leben und war gleichermaßen Symbol für das Ewige. In heiligem Glauben an die beiden Gottesgaben verbarg sich die Bitte um das „Tägliche Brot“. Die Gemeinden und ihre Bewohner entlang des Böhmerwaldes lebten alle von diesem Schatz des Himmels, der sich im Berg verbarg.

Vor der Öffnung des Eisernen Vorhanges sah der Zollbeamte Bock jahrein jahraus, selbst beim brutalsten Frost aus dem böhmischen Waldsaum Wasser sprudeln. Erst als der Eiserne Vorhang fiel, bat er den Bürgermeister der böhmischen Nachbargemeinde, ihm die Quellen dieses Wassers zu verkaufen. Dieser war dazu bereit.

Wasser für eine ganze Gemeinde

Bock war auch Bürgermeister und ließ auf seinem Grund ein Sammelbecken bauen, um mit dem Wasser die Gemeinde Lichtenau zu versorgen. Der Schatz aus dem Böhmerwald stillt seither alle Bedürfnisse mit seinem Wasser. Und so wie der Grenzwächter Bock nützen viele, die am Böhmerwaldsaum wohnen, den Schatz aus den Tiefen dieses herrlichsten aller Wälder.

Verfasser: Fritz Winkler


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