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Expertentipps aus Linz-Land: Was bei Begegnungen zwischen Hund und Mensch zu beachten ist

Laura Voggeneder, 08.04.2019 17:05

BEZIRK LINZ-LAND. Wenn das Frühlingswetter wieder zum Spazieren und Wandern einlädt, treffen unweigerlich auch mehr Menschen auf mehr Hunde. Tips hat mit Hunde-Experten aus Linz-Land über das richtige Verhalten bei Begegnungen von Menschen mit und ohne Hund gesprochen.

  1 / 5   Sarah Lehner - hier mit ihrem Chinesischen Schopfhund Taluna (li.) und dem Welsh Springer Spaniel Calira - ist Tierverhaltenstrainerin. Foto: Animal Train

Nicht zuletzt die Attacke eines American Staffordshire Terriers auf einen Rauhaardackel in Hargelsberg Ende März brachte das Thema Hundehaltung und -erziehung wieder auf die Agenda vieler Medien. Wenn sich im Frühjahr wieder mehr Menschen – und Hunde – im Freien bewegen, ist es wichtig, sich Verhaltensregeln vor Augen zu führen.

Training von Beginn an

In Oberösterreich müssen Hundebesitzer verpflichtend einen Sachkundenachweis im Ausmaß von drei Stunden besuchen. Der Sachkundenachweis sowie der Beleg einer Haftpflichtversicherung müsse bei der Anmeldung an der Gemeinde vorgelegt werden.

Die Nachfrage nach Hundekursen wachse, sagt Romana Rausch, Leiterin der Hundeschule Leonding. „Ich arbeite mit Motivation und ohne Drill. Hund und Hundehalter sollen ein Team werden“, sagt Rausch. Sie ergänzt: „Hundeführer können ihre Hunde oft nicht richtig lesen und schätzen ihre Hunde falsch ein.“

Welpen- und Junghundetrainerin Lisa Stolzlechner aus St. Marien plädiert dafür, sich schon im Welpenalter intensiv mit dem Tier auseinanderzusetzen: „Welpen lernen viel schneller als erwachsene Hunde.“ Stolzlechner lebt und arbeitet in Wien und erforscht Hundewelpen.

Respekt und Rücksicht

Nicht immer laufen Begegnungen von Mensch und Hund friktionsfrei ab. „Hundebesitzer und Nichthundebesitzer sollten respektvoll miteinander umgehen“, sagt Sarah Lehner, Tierverhaltenstrainerin und Gründerin von Animal Train in Neuhofen.

Robert Markschläger vom Österreichischen Kynologenverband ergänzt: „Nicht jeder Mensch ist ein Hundeliebhaber. Als Hundehalter habe ich mich entsprechend rücksichtsvoll zu verhalten. Das bedeutet, den Hund bei Begegnungen an die Leine zu nehmen, eventuell die Straßenseite zu wechseln, den Hundekot zu beseitigen.“ Trainerin Romana Rausch betont, dass ein Hund immer abrufbar sein muss – und das gehört trainiert.

Die Sprache der Hunde

Die Zahl der Hundebisse in Oberösterreich geht zurück. 2017 gab es 206 Hundebisse, 2016 waren es 218 und 2008 waren es noch 322. Gefährlichen Situationen kann man vorbeugen.

Lisa Stolzlechner wünscht sich, „mehr Menschen würden auf die Körpersprache des Hundes achten und dadurch Stress und Ängste in Situationen frühzeitig erkennen“. Kein Hund beißt ohne Vorzeichen, sagt auch Romana Rausch.

Stolzlechner ergänzt: „Ein ganz großes Problem sehe ich hier ganz klar in der Wahl der Erziehungsmethoden. Wenn ein Halter Kommunikationsweisen seines Hundes bestraft, dann führt das dazu, dass der Hund seine Kommunikation einstellt und dann tatsächlich ohne Warnung beißt – und das führt dann zu Katastrophen.“

Begegnungen entschärfen

„Ist ein Hund unsicher, weicht zurück, bewegt sich geduckt und bellt eventuell, sollte man den Hund nicht direkt anschauen. Das verunsichert ihn. Ignorieren ist hier der beste Umgang mit dem fremden Hund“, sagt Sarah Lehner.

Läuft ein Hund auf einen zu, sollte man ruhig stehen bleiben und den Blick abwenden. „Ist man unsicher, kann man auch die Arme verschränken und den Blick nach oben richten“, sagt Lisa Stolzlechner. Gerade mit Kindern sollte dieses Verhalten zu Hause geübt werden.

Auf keinen Fall sollte man einen Hund ungefragt streicheln. „Ein mehrfach überforderter und bedrängter Hund lernt in manchen Fällen, dass Angriff die beste Verteidigung ist“, sagt Sarah Lehner.

Freilaufflächen

Viele Gemeinden in Linz-Land bieten Freilaufflächen für Hunde an. Nicht für jeden Hund bedeutet Freilauf Freude.

„In Freilaufflächen sehe ich 90 Prozent gestresste Hunde. Die Hunde sind oft überfordert, weil sie sich die Rangordnung untereinander erst ausmachen müssen“, räumt Romana Rausch ein.

Schöne Spazierrouten für Mensch und Hund gibt es an der Traun, entlang der Krems und im Pesenbachtal. Lehner: „“Leine-ab“ bedeutet nicht, dass damit die Verantwortung abgegeben wird. Dann wird man als Hundebesitzer auch gerne gesehen.“

Im Bezirk Linz-Land waren laut Land OÖ im Jahr 2017 7.689 Hunde angemeldet, in OÖ waren es 74.446 Hunde. In ganz Österreich sind laut ÖKV 700.000 Hunde gemeldet.


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