„Keiner kann sich aussuchen, wo und wann er geboren wird“
NEUHOFEN/TRAUN. Isabella Reidl aus Neuhofen ist eine von elf neuen Fellows von „Teach For Austria“ in Oberösterreich. Das zweijährige Leadership-Programm bringt besonders engagierte Hochschul-Absolventen an herausfordernde Mittelschulen und ermöglicht ihnen den Quereinstieg in den Lehrerberuf.

„Ich liebe es, wenn viele Hände in der Höhe sind und es so viele Beiträge gibt, dass die Stunde nicht ausreicht. Kinder auf ihrem Weg zu begleiten ist ein Vorrecht und ich freue mich darauf, große und kleine Entwicklungen zu sehen“, erklärt Isabella Reidl. Sie hat einen Bachelor in Non-Profit, Sozial- und Gesundheitsmanagement vom MCI Management Center Innsbruck und schließt nun ihren Master „Internationale und interkulturelle Sozialarbeit“ an der FH Linz ab. Inklusion und der vorurteilsfreie Umgang miteinander sind ihr zentrale Anliegen. Neben ihrer Leidenschaft für die Musik hat sich die Neuhofnerin auch immer wieder ehrenamtlich betätigt: etwa beim Integrationsprojekt „iPunkt“ Traun, als Leiterin der Lernförderung bei der Volkshilfe, für interkulturelle Kindermusicals, Workshops oder das Organisationsteam beim Linzer Trainingstag Oktober 2018 der Evangelischen Allianz. Zuletzt war sie als Verwaltungsleitung/Head of Finance and Administration bei der Christlichen Jugendorganisation OM in Linz tätig, davor als Personalleitung/HR-Managerin.
Chancen geben und Ressourcen gerecht verteilen
„Im Integrationsprojekt ‚iPunkt‘ bin ich zum ersten Mal Menschen aus dem Irak, Syrien, der Türkei, Tschetschenien oder aus Afghanistan begegnet. Die Einblicke in ihre Lebensrealität in Österreich, aber auch die Begegnungen mit Kindern und Frauen haben meinen Horizont erweitert, mich neugierig gemacht, mir aber auch klar aufgezeigt: Jeder ist ein Mensch mit Gefühlen, Bedürfnissen, Hoffnungen, Ängsten und Sorgen. So unterschiedlich, wie manche es in der Öffentlichkeit darstellen, sind wir Menschen nicht. Dennoch gibt es Menschen, deren Lebensstandard, aber auch deren Karriere- und Bildungschancen ganz anders aussehen als zum Beispiel meine“, so Reidl. „Vieles von meinem Weg war ‚Glück‘− etwa zur richtigen Zeit am richtigen Ort geboren zu sein. In der Jungschararbeit hatte ich hauptsächlich mit ‚österreichischen‘ Kindern (deutscher Muttersprache, bildungsnahes Milieu) zu tun. Den Unterschied zwischen den Kindern zu sehen und welche Perspektiven für den Lebensweg einer Person beinahe selbstverständlich angenommen werden, hat mich dazu gebracht, mich für Bildungsgerechtigkeit einzusetzen.“
Im Einsatz an der MMS Traun
„Keiner kann sich das Einkommen oder den Bildungsgrad seiner Eltern aussuchen, aber wir können als Gesellschaft, so gut es geht, versuchen, jedem die gleichen Chancen zu geben und Ressourcen gleichmäßig zu verteilen.“ Im Einsatz ist die 28-Jährige nun über „Teach For Austria“ an der Musikmittelschule Traun, wo sie bereits gut angekommen ist. „Ich fühle mich im Kollegium sehr gut aufgenommen und freue mich, dass ich die Kinder kennenlernen kann. Das fachdidaktische und organisatorische Drumherum ist noch neu, da hänge ich mich gerade rein.“
Mut machen und Lust am Lernen wecken
Als Jung-Lehrerin möchte die Neuhofnerin vor allem Begeisterung fürs Lernen entfachen und den Schülern aufzeigen, dass es sehr spannend sein kann, sich etwas selbst zu erarbeiten. „Das finde ich sehr wichtig, noch wichtiger ist mir aber der ‚Mut‘ – sich selbst etwas zuzutrauen (z.B. diese Schule zu schaffen), aber auch der Mut, zu sich selbst zu stehen, für sich selbst sprechen zu können und seine Ideen zu kommunizieren – ungeachtet von Alter, Geschlecht und Hintergrund.“
Mehr Infos zum Leadership-Programm gibt‘s auf: www.teachforaustria.at
Man kann sich auch noch bewerben. Bis Mai 2021 finden monatlich Assessments statt. Informationen unter www.teachforaustria.at/jetzt-bewerben


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