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Erntebilanz: Wetterextreme setzten dem Ackerbau zu, Herbst brachte gute Erträge

Marlis Schlatte, 05.11.2021 13:29

LINZ-LAND. Das letzte Jahr war für die Landwirte aus der Region kein leichtes. Auf das eine Wetterextrem folgte das nächste, hinzu kamen noch die Schädlinge. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich zieht Bilanz der Herbsternte.

Der warme Herbst war wichtig für die Abreife der Herbstkulturen wie Mais, Soja, Zuckerrüben und Ölkürbisse. (Foto: Volker Weihbold)

Auf einen viel zu trockenen Winter folgte ein nasser Mai. Im trockenen, warmen Juni wüteten dann die enormen Hagelereignisse, woraufhin die Monate Juli und August wieder viel Regen brachten. Ein nicht optimales Wetter für die Landwirtschaft also. „Wir hatten es mit einer Breite an Wetter-Kapriolen zu tun, die normalerweise nicht in einem Jahr vorkommen“, erläutert Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Jedoch brachte der Herbst einen versöhnlichen Abschluss. Trocken und sonnenreich verschaffte er den Bauern eine reiche Ernte, vor allem bei den Zuckerrüben, Ölkürbissen, Mais und Soja. Mehr als ein Viertel der österreichischen Zuckerrüben wird in Oberösterreich erzeugt. Waren es letztes Jahr 96 Tonnen, fällt der Ertrag heuer aufgrund des Witterungsverlaufes und der Hagelunwetter etwas geringer mit 90 bis 92 Tonnen pro Hektar aus. Bei den Ölkürbissen musste rund ein Drittel der Flächen ein zweites Mal angebaut werden.

Gute Bilanz im Bezirk

Auch im Bezirk Linz-Land konnten trotz der Unwetter gute Ernteergebnisse eingebracht werden. „Die Zuckerrübenernte ist sehr positiv ausgefallen im heurigen Jahr. Das ist ja bei uns ein ganz wichtiges Standbein im Ackerbau, genauso wie die vielen Ölkürbisbauern, die es im Bezirk Linz-Land gibt. Auch Soja hat gut funktioniert heuer, ebenso wie die Saatmais-Produktion, die sehr stark in Linz-Land ist“, erklärt Helmut Feitzlmayr, Leiter der Abteilung Pflanzenbau der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.Doch ganz blieben auch die Landwirte in der Region von den Hagelschäden nicht verschont. Unter anderem in Leonding trug der Obstbau großen Schaden davon. Auch wenn die Hagelunwetter den Obstbau in einem nicht so großen Ausmaß getroffen haben, wie den Ackerbau, da viele Anbauflächen unter Hagelschutznetzen stehen, sind die Schäden dort, wo Hagelereignisse auftraten, doch sehr groß. Auch die Spargelernte fiel heuer bei den Landwirten im Bezirk sehr schlecht aus. Die Ertragseinbußen lagen hier bei 40 Prozent.

Speicher wieder voll

Im Biolandbau waren die Erträge in diesem Jahr für die Landwirte weniger zufriedenstellend, da die Kulturen durch den kalten, nassen Mai erst spät, Anfang Juni, angebaut werden konnten. Äußerst erfreulich waren die Erträge hingegen im Grünland und Futterbau, sodass die Lagerbestände aufgefüllt werden konnten. Da 2021 jedoch ein Maikäferflugjahr war, wodurch vermutlich auf vielen Grünlandflächen Eier abgelegt wurden, werden die bereits geschlüpften Engerlinge im nächsten Jahr, dem Hauptfraßjahr, intensiv an den Wurzeln der Futterpflanzen fressen.

Dünger-Knappheit

Auch das Thema Dünger wird die Landwirtschaft im nächsten Jahr beschäftigen. Denn die Rohstoff-Knappheit betrifft auch hier die Produktion, sodass es im Jahr 2022 zu einem enormen Preisanstieg beziehungsweise es überhaupt schwer werden könnte, an Dünger zu kommen. Die Landwirtschaftskammer rät, zumindest einen Teil des Düngers trotzdem anzuschaffen, denn wie es im Frühjahr aussehen werde, sei noch weitestgehend unsicher.Internationale Lieferschwierigkeiten und steigende Transportkosten lässt in Folge dessen auch die Lebensmittelpreise ansteigen. Der Landwirt selbst profitiert davon jedoch nicht, wie Grabmayr erklärt: „In einer Semmel steckt hoch qualitatives heimisches Getreide im Wert von nur einem Cent. Der gestiegene Weizenpreis verteuert eine Semmel gerade mal um einen Viertel Cent. Der Landwirt bekommt damit den geringsten Anteil an teurer werdenden Lebensmitteln. Wir haben nicht zu wenig Rohstoffe, aber wir haben den Rohstoff nicht zu diesem Billigst-Preis.“


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