Gabriele Käferböck: „Ich wollte immer ein buntes Leben führen“
ENNS. Die Ennserin Gabriele Käferböck (56) ist Musikerin, Obfrau des Mauthausenkomitees Enns, Topothekarin, Beirätin im Kulturzentrum Zuckerfabrik, Kulturstadträtin, im Brotberuf Personalverrechnerin in einem Softwareentwicklungsunternehmen und vieles mehr.

Gabriele Käferböck ist in derart vielen Aktivitäten engagiert, dass man sich fragt, wie sich das alles in einem Leben unterbringen lässt. „Ich wollte immer ein buntes Leben führen, und das lässt sich einteilen“, so die Ennserin.
Musik als Lebenselixier
Einen wichtigen Teil im Leben nimmt für Käferböck die Musik ein. Neben ihrem abgeschlossenen Studium der Sozialwirtschaft hat sie ein Studium am Diözesankonservatorium für Kirchenmusik absolviert. Einmal im Monat spielt sie bei Gottesdiensten Orgel in der Basilika St. Laurenz. Um ihre Orgelkünste weiter zu verfeinern, nimmt sie an der Musikschule Unterricht beim Linzer Domorganisten Gerhard Raab. „Ich liebe es, in der Nacht allein in der Kirche zu sein und Orgel zu spielen. Niemand hört das, und ich kann mich austoben“, erzählt sie.
Auch als Chorsängerin ist Gabriele Käferböck aktiv: Sie singt im Basilika Chor, im Ennser Singkreis und im Chor Schola. „Musik verbindet die Menschen, und Singen macht Freude. Immer, wenn ich nach einer Chorprobe nach Hause gehe, fühle ich mich beschwingt.“
Zu erleben ist der Ennser Singkreis am Freitag, 8. Mai, 19 Uhr. Der Chor gibt einen italienischen Abend im Gewäxhaus Ennsdorf.
Zuhause singt Gabriele Käferböck gern gemeinsam mit ihrem Mann Fritz Käferböck-Stelzer und den beiden Enkelinnen. „Wir haben die alten Kinderliederbücher ausgegraben und die Enkelinnen haben große Freude am Singen.“
Topothek
Gabriele Käferböck ist auch in der Topothek Enns aktiv. Die Topo-thek ist eine private Initiative, die in Wiener Neustadt ihren Ausgangspunkt hat. Menschen werden eingeladen, alte private Fotos zu digitalisieren und einzuschicken. In der Topothek werden sie beschlagwortet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Für Enns sind bereits 5.000 Bilder online – aus dem Jahr 1880 bis heute. Da sieht man alte Ansichten der Stadt und erfährt, wie die Straße, in der man wohnt, früher ausgesehen hat. Viele Fotos zeugen von Festen und Umzügen. Man sieht, wie Enns ohne Autos ausgesehen hat. Oder man sieht, wie die Zuckertürme der Zuckerfabrik abgerissen wurden.
Erzählcafé und Mauthausenkomitee
Eine weitere zeitgeschichtliche Initiative ist das Erzählcafé, bei dem Zeitzeugen aus ihren Erinnerungen berichten. Begonnen hatte es mit der Suche nach Menschen, die von Barbara und Ignaz Friedmann berichten konnten, die im Jahr 1945 den Juden David Hersch vor den Nationalsozialisten versteckt hatten. Im Zuge dieser Recherche gründete Gabriele Käferböck mit ihrem Mann das Mauthausenkomitee Enns. Mittlerweile gibt es in Enns zwei Denkmäler für die Familie Friedmann, und Jack Hersch, der Sohn von David Hersch, kommt immer wieder aus den USA zu Besuch.
Das Ehepaar Barbara und Ignaz Friedmann wurde auch mit einer Straßenumbenennung geehrt. Die Straße, die nach dem Nazi-Verbrecher Josef Schicker benannt war, wurde umbenannt und nach dem Ehepaar Barbara und Ignaz Friedmann benannt. Gabriele Käferböck erklärt: „Die Friedmanns haben zur gleichen Zeit wie Schicker gelebt und aus der gleichen Situation heraus etwas Gutes getan.“ Die Umbenennung wurde im Gemeinderat einstimmig beschlossen.
Kulturstadträtin
Käferböck kam auch als Quereinsteigerin in die Stadtpolitik. Die Ennserin wurde angesprochen und wollte sich der Verantwortung nicht entziehen. Sie ist überzeugt, dass die Demokratie Menschen braucht, die sich engagieren. Käferböck ist SPÖ-Kulturstadträtin in Enns. „Diese Funktion ist eine große Bereicherung für meinen Horizont und die Begegnungen mit Kunstschaffenden haben mein Blickfeld erweitert“, erklärt sie.
Zuckerfabrik
Im Kulturzentrum d’Zuckerfabrik ist Käferböck als Beirätin engagiert. Sie übernimmt Kassa- oder Bardienst und organisiert die Kinoschiene. „Wir wohnen gleich in der Nähe und die Zuckerfabrik ist unser kultureller Nahversorger. Das Team besteht ausschließlich aus Ehrenamtlichen und es ist beachtlich, wie viele Veranstaltungen in der Zuckerfabrik stattfinden.“
Mobilität als Ausgleich
Zur Entspannung unternehmen Gabriele Käferböck und ihr Mann ausgedehnte Ausflüge mit dem Zug. Sie haben Klimatickets und Klappräder dabei und genießen die entspannte Mobilität.


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