Apokalyptische Traumwelt als Österreichische Erstaufführung
LINZ. Nach dem Roman „Die andere Seite“ des Malers Alfred Kubin, hat der deutsche Komponist Michael Obst eine gleichnamige Oper komponiert. Am Samstag feiert sie im Linzer Musiktheater österreichische Erstaufführung. Intendant Hermann Schneider verfasste aus der Vorlage den Text. Für Dennis Russell Davies ist es die letzte Opernpremiere als Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Bruckner Orchesters.

Kubin schrieb seinen einzigen Roman 1908 in einer tiefen Schaffenskrise. Er schildert darin das Abenteuer der Reise eines Zeichners in eine merkwürdige Stadt auf der anderen Seite der Welt.
Was wie ein hoffnungsvoller Traum beginnt, entwickelt sich jedoch immer mehr zu einem apokalyptischen Untergangszenario. Das Traumreich wird zu einem Albtraumreich. Kubin, der sich selbst als die Hauptperson des „Zeichners“ in seinem Roman sieht, entwirft skurrile, traumatische, halluzinatorische, beängstigende und apokalyptische Fantasien - angesiedelt zwischen Realität, Traum und Einbildung.
Klangsprache Kubins
Komponist Michael Obst, von dem in dieser Saison in Linz bereits die Weltraum-Oper „Solaris“ aufgeführt wurde, schilderte am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Linz, dass ihn fantastische Stoffe schon immer interessiert haben. Die Klangsprache Kubins in seinem Roman habe für ihn den emotionalen Anstoß gegeben, sie in Musik umzusetzen. Das Werk ist einem Kammerorchester mit ausgiebigem Schlagwerk anvertraut. Ein „armenisches Lamento“ durchziehe das Werk, so der Komponist. Elektronische Zuspielungen unterstreichen den surrealen Aspekt. Eine zentrale Rolle kommt auch dem Chor zu.
Pausenlose Aufführung
Die Partie des „Zeichners“, der in das Traumreich reist, singt Martin Achrainer. Den geheimnisumwobenen Herrscher Patera ist als Gast der Countertenor Denis Lakey. Er hat die Partie bereits bei der Uraufführung gesungen. Diese fand 2010 in Würzburg, der damaligen Wirkungsstätte von Intendant Schneider, statt. Die pausenlose Aufführung dauert knapp eineinhalb Stunden. Regie führt der Brite John Dew.
In Kombination mit der Linzer Aufführung der „Anderen Seite“ zeigt die Landesgalerie Linz eine Auswahl aus Kubins Illustrationen zu seinem Roman. Zudem wurde in der Landesgalerie in der Linzer Museumstraße, mit ihrer weltweit größten Sammlung von Werken des bekannten Malers und Zeichners, auch das neu gestaltete Kubin-Kabinett wiedereröffnet. Nach der Premiere am 20. Mai gibt es am 24. und 27. Mai sowie am 6., 24. und 29. Juni jeweils um 19.30 Uhr weitere Aufführungen.


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