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Lange Zeit vergessen, kehrt der Priester und Reformpädagoge Johann Gruber, der 1944 im Konzentrationslager Gusen ermordet wurde, per Theaterstück in seine Linzer Heimatdiözese zurück. In der Kulisse des leergeräumten Linzer Mariendoms wird in „Der Fall Gruber“ das Wirken eines der bedeutendsten Widerstandskämpfer Österreichs zum Leben erweckt.  

Franz Froschauer als Johann Gruber Foto: Werner Dedl
  1 / 3   Franz Froschauer als Johann Gruber Foto: Werner Dedl

Als „Engel in der Hölle“ wurde Johann Gruber, der vielen Menschen das Leben rettete, von seinen Mithäftlingen im Konzentrationslager verehrt. Gruber eckte immer wieder an, kämpfte umtriebig und manisch für seine Pläne: „Als Lehrer verpflichtete er sich einer modernen, dem Kindswohl verpflichteten Pädagogik. Als Direktor einer Blindenanstalt wurde er mit Kritik an althergebrachten Methoden der Kreuzschwestern ungemütlich. Und aus seinen deutlichen Vorbehalten gegen das Hitlerregime machte er keinen Hehl“, erzählt Theaterstück-Autor Thomas Baum von der herausragenden, teilweise vergessenen Persönlichkeit. 1944 wurde Johann Gruber, wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus und eines angeblichen Sittlichkeitsdelikts, von der Gestapo verhaftet und nach tagelanger Folter im Konzentrationslager Gusen grausam ermordet.“Johann Gruber ist doppelt gestorben, einmal im Konzentrationslager in Gusen und ein weiteres Mal in der Erinnerung. Wir wollen sein Wirken ans Licht der Öffentlichkeit tragen. Und mit der Brille des Theaters die Person Johann Grubers bis in die Tiefe seiner Facetten zur Darstellung bringen“, erzählt Christoph Freudenthaler, der Vorsitzende der Plattform Johann Gruber.

Unbequemer Zeitgenosse

Wie die zwei Seiten einer Medaille zieht sich auch Grubers Wirken durch sein Leben: „Liebevoll und fürsorglich für die Mitmenschen, aber auch unbequem und als kritischer Zeitgenosse für die Kirche“, erzählt Freudenthaler. In der Nachkriegszeit geriet Gruber weitgehend in Vergessenheit, 2016 wurde der Widerstandskämpfer vollständig rehabilitiert. Mit einem Auftragswerk des Vereins für das Theaterstück „Der Fall Gruber“, das am 24. Juni im Linzer Mariendom uraufgeführt wird, konnten Regisseur Franz Froschauer und Peter Androsch für die künstlerische und musikalische Umsetzung gewonnen werden.

Mariendom als Theaterkulisse

Der Autor des Theaterstücks Thomas Baum nahm sich ein paar Jahre Zeit für die Annäherung an die Geschichte Johann Grubers, war aber dann überzeugt: „Ich war von der Aufarbeitung dieser Geschichte fasziniert. Johann Gruber wird in keinster Weise verklärt dargestellt. Er war ein Veränderer, systemkritisch, unangepasst und für sein Umfeld sicher oft sehr mühsam“, so Baum und gibt Einblicke in die Produktion: „Wir bringen wesentliche Stationen aus seinem Leben in die Mariendom-Theater-Kulisse. Die Herausforderung war, die Komplexität seiner Geschichte auf eineinhalb Stunden zu reduzieren und drei Akte bzw. drei Lebenssituationen herauszugreifen, um den facettenreichen Charakter Johann Grubers darzustellen“, erklärt Baum.

Unter dem Dach der Kirche

Regisseur und Hauptdarsteller Franz Froschauer taucht am 24. und 25. Juni tief in die Rolle Grubers ein: „Es ist ein wichtiger Aspekt der Kunst, sich mit komplexen, schwierigen, politischen Themen auseinandersetzen zu dürfen. Ich denke vor allem, dass er in ärmlichen Verhältnissen mit elf Jahren zur Vollwaise wurde, hat ihn geprägt und möglicherweise dazu geführt, sich bewusst für ärmere, benachteiligte Menschen einzusetzen und Pädagoge zu werden.“ Die Aussage Grubers „mit dem Herzen bin ich bei den Menschen, mit dem Kopf in der Zukunft beim Reformieren“, habe Froschauer durch das Stück begleitet und beschreibe seine Rolle am besten. „Unter dem Dach der Kirche hat diese Geschichte stattgefunden, darum ist es auch besonders gelungen, das Stück im Mariendom zu präsentieren“, ist der Hauptdarsteller überzeugt und betont: „Wir wollen keine Botschaften verbreiten oder Geschichten erzählen, sondern Fragen aufwerfen.“ Im Stück werde Johann Gruber nicht auf seine Zeit im Konzentrationslager Gusen reduziert, sondern die Gesamtpersönlichkeit in den Mittelpunkt gerückt. Sein Wirken im Blindeninstitut, der Gerichtsprozess und sein Lebensende im Konzentrationslager sind die durch die Geschichte führenden Schwerpunkte.

„Für mich ist er ein Heiliger“

„Für mich ist er ein Heiliger“, sagt Bischofsvikar Prälat Maximilian Mittendorfer über Johann Gruber und ergänzt: „Er hatte als Priester nicht diese Form der Frömmlichkeit gelebt, aber als Christ war er in seiner Selbstverantwortung für die Schwächeren da.“ Seine Begabungen als Priester und Pädagoge wurden von der katholischen Kirche früh erkannt. „Durch seine Art und Weise, wie er Reformen einbringen wollte und vorausgestürmt ist, hat es aber gekracht. Nach seinem Tod ist der Ruf seines zwielichtigen Charakters hängen geblieben. Die Aufführung ist auch ein Stück Wiedergutmachung unter dem Dach des Mariendoms“, schließt Mittendorfer ab.

Info:

Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juni, 20.30 Uhr, Linzer Mariendom

Karten: Domcenter Linz

Herrenstraße 36, 0732/946100

domcenter@dioezese-linz.at

Info: www.johann-gruber.at


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