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Herbert Ploberger: Landesgalerie Linz zeigt die wichtigste Figur der Neuen Sachlichkeit in Österreich

Valerie Himmelbauer, 06.02.2019 13:53

Linz. Wenn man sich von Skizzen für Kostümbilder, die wie kleine Kunstwerke ins Auge stechen, kaum losreißen kann. Und das Leben und die Geschichte des Künstlers in seinen Bann ziehen. Oder die neue Sachlichkeit in der Landesgalerie ins Zentrum gerückt wird, dann ist Zeit für Herbert Ploberger. Die mehr als sehenswerte Ausstellung ist bis 26. Mai zu besichtigen.

Selbstportrait von Herbert Ploberger Foto: Wien, 2019
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Die Stillleben und Selbstportraits von dem gebürtigen Welser Maler Herbert Ploberger (1902 bis 1977) haben einen festen Platz in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Deshalb hat sich mit der Ausstellung „Herbert Ploberger. Im Spannungsfeld zwischen bildender und angewandter Kunst“ nicht nur ein „Wunschtraum“ für Kuratorin Ingrid Radauer-Helm erfüllt, sondern auch für Gabriele Spindler, der Leiterin der Landesgalerie Linz:

Zwischen bildender und angewandter Kunst

„Der Landesgalerie ist es ein großes Anliegen, die Kunstgeschichte mit OÖ-Bezug zu bearbeiten. Mit Herbert Ploberger zeigen wir die wichtigste Figur der Neuen Sachlichkeit in Ö, der sie als einziger in ihrer klarsten Form ausgeführt hat“, freut sich Spindler über das Ausstellungsergebnis und führt aus: „Ploberger war schon in Linz zu sehen, das ist uns klar. Aber das Besondere an unserer Ausstellung ist, dass wir uns nicht nur auf die berühmte Neue Sachlichkeit und seine Ölbilder konzentrieren, sondern den Künstler in seiner Gesamtheit zeigen. Auch seine Kriegsbilder und bisher praktisch unbekannten Skizzen zu Bühnenbilder und Kostümen und sein gesamtes Schaffen wird bei uns gezeigt. Wir würdigen Ploberger erstmals auch als angewandten Künstler.“

Stillleben 

In den Stillleben hält Ploberger seine unmittelbare Umgebung fest, auch eine Skulptur - Raumplastik, ist zu sehen und eines seiner seltenen Selbstportraits gibt es in der Ausstellung zu besichtigen. Im November 1943 wurden die Wohnung und das Atelier Plobergers in Berlin - in Deutschland verbrachte er einen Großteil seines Lebens -  bei alliierten Bombenangriffen zerstört. Viele der dort gelagerten Bilder gingen verloren oder gelten als verschollen. Auch in der Linzer Ausstellung sind ein paar der verschollen geglaubten Werke zu besichtigen.

Kriegsbilder

Zudem sind ein Teil seiner Kriegs- bzw. Antikriegsbilder, in denen er die Eindrücke der Berliner Bombennächte in über sechzig Werken verarbeitet, in der Landesgalerie zu sehen. Plobergers Tochter Judith sagte über die Kriegsbildern, da ihr Vater ihr für eine vergangene Nordico Ausstellung seinen Lebenslauf diktierte: „Die 44-45 entstandenen Kriegsbilder malt er, fasziniert von den Grotesken der zerstörten Stadt Berlin. Er malt sie aus dem Gedächtnis, da es natürlich verboten war, solche Bilder, die nicht dem Ideal der Nazis entsprachen, zu malen. Sie geben die Eindrücke nach den Bombenangriffen wieder und dokumentieren die tragisch-groteske Situation“.

Fantastische Kostümskizzen

Aus monetären Gründen hat sich der vielfach als sympathische und bescheiden beschriebene Künstler Herbert Ploberger nach seinem Studium an der Universität für angewandte Kunst, für den „Brotberuf“ Bühnenbilder entschieden, und wirkte wie bei den Salzburger Festspielen, dem Burgtheater und auch in Linz mit.

Bühnenbild fürs Linzer Landestheater

In Linz war Ploberger 1945 ein Jahr am Landestheater für 12 Inszenierungen tätig, die faszinierenden Kostümskizzen sind ebenfalls in der Ausstellung zu finden. Mit viel Liebe zum Detail, ziehen die einzelnen Skizzen den Betrachter in ihren Bann. Wie einzelne kleine Kunstwerke präsentieren die Entwürfe nicht nur das großartige künstlerische Schaffen Plobergers, sondern die Ausstellung zeigt parallel dazu die reale Umsetzung - gefertigte Kostüme aus den über 170 Film- TV- und Kinoproduktionen, an denen Ploberger als Kostüm-Designer mitgewirkt hat. Für sämtliche Größen der heimischen Filmlandschaft wie Maximilian Schell, oder Zeitzeugin Erni Mangold, Erika Pluhar, Hanns Obonya oder Hildegard Knef hat Ploberger Kostüme entworfen.

Hörstationen

Auch Hörstationen laden in der spannenden Schau ein Interviews mit Zeitzeugen wie seiner Witwe oder Tochter, zu lauschen.

Tips-Tipp: Sehenswert! Unbedingt anschauen, am besten mit einer Kuratorenführung von Ingrid Radauer-Helm, die es als Ploberger-Expertin beinahe schafft den Künstler mit ihrem Wissen und ihren Erzählungen lebendig werden zu lassen, als würde er direkt in der Ausstellung verweilen und selbst über sein Leben erzählen.

Kuratorenführung: 10. Februar, 14 Uhr, 26. Mai, 12.30 Uhr

Kulturvermittlung für Schulen und Familienführungen: 21. Februar, 16 Uhr, 24. Februar, 11 Uhr.

Auch ein hochwertiges Werksverzeichnis in Katalogform ist zur Ausstellung erschienen.

Info: www.landesmuseum.at


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