Neuer Bruckneruni-Rektor Martin Rummel: "Kunstausbildung ist kein Privileg, sondern die Notwendigkeit"
LINZ. Vor rund 30 Jahren hat er selbst am Bruckner-Konservatorium studiert, nun ist er Rektor der Bruckeruni Linz. Am Donnerstagabend fand im Rahmen eines feierlichen Festaktes an der Anton Bruckner Privatuniversität die Inauguration des neuen Rektors Martin Rummel statt.

Universitätsratsvorsitzender Landeshauptmann Thomas Stelzer war die Ehre zuteil, an Martin Rummel offiziell die Rektorenkette zu überreichen. „Die Anton Bruckner Privatuniversität ist fest im Kultur- und Bildungsland Oberösterreich verwurzelt und gilt als erstklassige künstlerische Nachwuchsschmiede. Der gebürtige Oberösterreicher und neue Rektor wird die hohe Qualität der Anton Bruckner Privatuniversität festigen und weiter ausbauen. Durch sein internationales Netzwerk und seinen breiten Erfahrungsschatz kann er ihre Anziehungs- und Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus weiter ausweiten“, betonte Stelzer in seiner Festrede.
„Kustausbildung ist Notwendigkeit“
Martin Rummel, 1974 in Linz geboren, betonte in seiner Rede den hohen Stellenwert von Kunst und Kultur als wesentliches Merkmal von Zivilisation und rückte ihr gesellschaftlich nachhaltiges Wirken sowie die Rolle, die dabei den ausbildenden Kunstuniversitäten zukommt, in den Fokus: „Kunstausbildung ist kein Privileg, sondern die Notwendigkeit schlechthin. Kunstausübung kennt keine politischen Grenzen, keinen Generationenkonflikt und auch keine kulturelle Intoleranz. Wenn Künstlerinnen und Künstler in ihrem späteren Leben diese Tatsache vergessen, ist das mitunter ein Versagen der Institutionen, die sie ausgebildet haben“, mahnt Rummel in seiner Ansprache, die auch ein klares Bekenntnis zur Verantwortung der Bruckneruni ist: „Wir, Lehrende und für die Lehre Verantwortlichen, tragen die große Verantwortung, nicht nur den Kanon zu definieren, sondern das gesamte Curriculum beständig weiterzuentwickeln.“
Helsinki-Rektor hielt Key Note
Mit der Einladung des Rektors der University of Arts Helsinki, Kaarlo Hildén, als Keynote Speaker, bekennt sich Martin Rummel zur stärkeren internationalen Positionierung der ABPU. In seinem Vortrag „Educating artists for an unknown future“ wies Hilden auf die Veränderungen am internationalen Hochschul- und Kunstsektor und die großen Herausforderungen für Kunstschaffende am Arbeitsmarkt hin. Dabei betonte er auch die wichtige Rolle der internationalen Zusammenarbeit der Kunstuniversitäten und den kontinuierlichen Ausbau der institutionellen Partnerschaften.
Hochkarätige musikalische Umrahmung
Bei der Inauguration durfte natürlich auch die Musik nicht zu kurz kommen: Tosend eröffnet wurden die Feierlichkeiten mit der „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland, dargeboten von Studierenden des Instituts für Blechblasinstrumente und Schlagwerk unter der Leitung von Josef Eidenberger. Andrea Santiago Carrillo (Violine) und Elena Nemtsova (Klavier) brachten drei Romanzen für Violine und Klavier (op.22) von Clara Schumann zu Gehör. Carrillo spielte dabei auf einer Violine von Geigenbauer Giovanni Battista Guadagnini von 1750. Das wertvolle Instrument war eine Schenkung an die Bruckneruni im Jahr 2021 und wird künftig jedes Studienjahr nach einem Auswahlverfahren einem anderen Studierenden zur Verfügung gestellt.
Rummel musizierte auch selbst
Zum Abschluss gab Martin Rummel seinen ersten musikalischen Auftritt als Rektor: Gemeinsam mit dem fantastischen Acies Quartett verzauberte der Cellist mit dem letzten Kammermusikwerk von Franz Schubert, dem ersten Satz aus dessen Streichquintett in C-Dur op. post. 163, D 956.
Zahlreiche Gäste
Durch den Abend führte Elisabeth Buchmann. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Religion und der Hochschullandschaft aus OÖ und Österreich folgten der Einladung zum Festakt, darunter die 2. Landtagspräsidentin Sabine Binder, Bischofsvikar Johann Hintermaier, Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, Jürgen Peterson, Geschäftsführer der AQ Austria, Bruckneruni-Gründungsrektor Reinhart von Gutzeit, Margot Nazzal, Leiterin der Direktion Kultur und Gesellschaft des Landes OÖ, Kunstuni-Rektorin Brigitte Hütter, Bruckner Orchester-Chefdirigent Markus Poschner und viele mehr.
Martin Rummel: Cellist, Lehrender, Kulturmanager und Rektor
Rummel wurde am 3. Mai 2021 nach einem umfangreichen Auswahlverfahren durch die Oö. Landesregierung zum neuen Rektor bestellt - Tips hat berichtet - und hat mit 1. Oktober seine erste Amtsperiode angetreten. Er folgt auf Ursula Brandstetter nach.
Der Linzer begann seine Ausbildung als Cellist 1982 am damaligen Bruckner-Konservatorium des Landes OÖ, das er mit ausgezeichnetem Diplom abgeschlossen hat. 1992 maturierte Rummel am Akademischen Gymnasium Linz, ebenfalls mit Auszeichnung. Der heute 47-Jährige studierte an der Musikhochschule Köln, seit 1990 ist er international als Solist und Kammermusiker tätig. Er gibt weltweit Masterclasses als Cellist.
Von 2000 bis 2007 war Rummel Dozent an der Musikakademie in Kassel und Leiter der dortigen Abteilung Orchesterinstrumente. Von 2009 bis 2014 hat Rummel an der University of Auckland (Neuseeland) Violoncello und Kammermusik unterrichtet und war von 2016 bis 2020 ebendort Leiter der „School of Music“. Zeitgleich (2017-2020) hatte er eine Honorarprofessur am China Conservatory of Music (Peking) inne. Von Juli 2020 bis zu seinem Amtsantritt als Bruckneruni-Rektor war Rummel Geschäftsführer der JAM MUSIC LAB GmbH und leitete die Trägerorganisation der JAM MUSIC LAB Privat Universität für Jazz and Popularmusik sowie der International Academy for Music and Performing Arts in Wien.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden