Schneckerl Prohaska bei 70er-Tour im Linzer Posthof in bester Laune
LINZ. Mit Wuchteln, Anekdoten und Gesangseinlagen begeisterte Österreichs Fußballikone Herbert „Schneckerl“ Prohaska im Linzer Posthof bei der Veranstaltungsreihe „Auf dem roten Stuhl“ mit Gastgeber Bernhard Egger.

Schon bei der Begrüßung sparte Gastgeber Bernhard Egger nicht mit Superlativen. „Jeder Mensch mag ihn“, so seine Einleitung. Der Begriff Volksheld ist ihm seit seinem „Spitz von Izmir“ ohnehin schon lange imminent.
Nun ist Prohaska praktisch auf Geburtstagstournee, Anfang August wurde er 70. Seitdem absolvierte er zahlreiche TV-Auftritte und gab Interviews. „Jedes Jahr kann man das nicht machen, aber es ist ein riesengroßer Spaß und kein Stress“, stellt der Jubilar gleich zu Beginn klar. Um auch zurückzublicken.
Der Beginn mit dem ersten Geld
Nach einer Herkunft aus glücklicher, aber doch nicht reichen Familie verdiente er bei der Austria dann doch sehr viel besser. Und erzählt auch aus den ersten Erfahrungen mit dem Geld. „Als Automechaniker hab ich 1.000 Schilling verdient, bei der Austria dann 6.000 bis 7.000 Schilling“, so Schneckerl, der sich damals auch beim Handgeld verkalkulierte. „Es waren 20.000 Schilling, ich bin mir vollreich vorgekommen. Ich habe daheim gesagt, wir kaufen uns einen neuen Teppich. Nur war ich leider der Meinung, dass der Teppich 2.000 oder 3.000 kostet. Er hat 10.000 gekostet.“
Jahrelange Zeit mit Mutter und Schwiegermutter
Mittlerweile ist der Wiener seit 51 Jahren verheiratet. Eine Zeit des Gebens und Nehmens. „Ich habe ihr schon vor ewigen Zeiten versprochen, du musst dich jetzt die nächsten 30 Jahre nach mir richten und wenn ich mit dem Fußball aufhöre, dann richte ich mich die nächsten 30 Jahre nach dir. Und das handhaben wir auch heute so“, blickt er auf eine letztendlich glückliche Zeit zurück. „Aber es war schon ein bisschen schwer, für meine Frau, speziell als wir nach Italien gegangen sind. Ich war ständig unterwegs, Spiele und Trainingslager. Wenn wir am Sonntag gespielt haben, mussten wir am Freitag ins Trainingslager“, erzählt er aus der Zeit, in der in Italien mit Roma Meister geworden ist.
In dieser einsamen Situation seiner Frau reagierte Prohaska in seiner Art perfekt: „Wir haben dann die Schwiegermutter angerufen und gesagt, willst du bei uns leben. Du kannst so lange bleiben, wie du willst.“ Daraus wurden 41 Jahre, „eine Perle“, schwärmt der Jubilar.
Selfies statt Autogramme
Volksnah bleibt er auch jetzt, auch bei Selfies. „Wenn die ersten schon sagen, es dauert nicht lange und ich weiß, dass es auch noch so weiter geht. Ich schicke niemanden weg, die Zeit nehme ich mir“, denkt er an die Fans. Nah ist er aber auch den Eliten Österreichs, zum 70er wurde er von Bundespräsident Alexander van der Bellen eingeladen. Auf einen Tafelspitz mit drum und dran, nur eine Zigarette bot ihm das Staatsoberhaupt nicht an, bedauert er.
Angesprochen auf das 0:9-Debakel mit dem ÖFB-Team in Valencia erheitert der Ex-Trainer auch da noch mit einer Anekdote: „Meine damals noch jüngeren Kinder haben geweint. Jetzt hauens den Papa raus, dann können wir uns nichts mehr leisten war ihre Sorge“, erzählt er. „Ich hab gesagt, bleibt's ruhig, a bissl haben ma scho gespart“, so Prohaska, bevor er noch bei einem einstündigen Medley selbst am Mikro steht und mit Band performed.


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