50 Jahre „Häfenpfarrer“: zwölf Ausbrüche und ein Kaffee mit Folgen
LINZ. 50 Jahre lang arbeitete Hans Gruber in der Justizanstalt Linz als „Häfenpfarrer“. Nun hat er seine Erinnerungen ganz persönlich in einem Buch festgehalten.

„Ursprünglich habe ich gedacht, ich schreibe meine lustigen und meine traurigen Erlebnisse zusammen“, erzählt Hans Gruber. Geworden ist sein Buch „Beinahe lebenslänglich – 50 Jahre „Häfenpfarrer““ nicht nur eine Sammlung von Momenten, sondern es zeichnet auch ein Bild der Veränderung.
50 Jahre und viele Veränderungen
„Ich habe gestartet 1968 vor dem Erscheinen des Strafvollzugsgesetzes, in einer Zeit, in der es den Beamten per Gesetz verboten war, private Gespräche mit den Gefangenen zu führen“, so der gebürtige Gaspoltshofner. „Zwei Jahre später, nach Erscheinen des Strafvollzugsgesetzes, waren sie angehalten, Gespräche mit den Gefangenen zu führen.“ Dies stieß bei den Vollzugsbeamten damals durchaus auf Unverständnis, erinnert sich der Priester. Auch in punkto Alltagsleben in der Haft hat sich seit damals einiges geändert – etwa technische Neuerungen. „Da gab es den ersten großen Fernseher in der Kapelle, dann haben wir den Gottesdienst mit Videos untermalen können. Das war noch bevor es auf den Zellen Fernseher gegeben hat.“
Ausbrüche und Beichten
Ein Kapitel trägt den Titel „Zwölf Ausbrüche“ – in Anlehnung an die Tips-Schlagzeile vom Oktober 2018 „Zwölf Ausbrüche aus der Justizanstalt Asten verunsichern die Bevölkerung“. Der Gefängnispfarrer selbst erlebte in seiner 50-jährigen Tätigkeit in der Justizanstalt Linz zwei „echte“ Ausbrüche, beide in den 80er Jahren. Unsicher fühlte Gruber sich jedoch nie, obwohl er mit jeglichen Formen der Kriminalität in Kontakt kam. „Ein Mühlviertler hatte mit einer Bratpfanne seine Frau erschlagen. Wie er dann vor Gericht geschildert hat, wie bösartig die Frau war, haben die Beamten gesagt „Das verstehen wir schon direkt““, erzählt Gruber von einem Fall aus den 60er Jahren. Ein Fall, der ihm besonders in Erinnerung geblieben ist, ist auch jener eines persönlichen Bekannten: Dieser wurde zu Weihnachten entlassen und war schon zu Hl. Dreikönig wieder im Gefangenenhaus. „Ich habe ihn gefragt: „Was ist denn schon wieder passiert?““ Die Antwort: Eine Geldtasche, die beim weihnachtlichen Einkauf im Passage-Kaufhaus aus einer Damenhandtasche blitzte, war einfach zu verlockend. Oft habe er auch viel mehr gewusst als die Richter. Was ihm erzählt wurde, unterlag jedoch immer dem Beichtgeheimnis. Ein Problem war das für ihn nie. So habe er auch nie etwas besonders Problematisches erzählt bekommen. „Der Pfarrer dient häufig auch als Projektionsfläche für die Verteidigungsrede“, schmunzelt Gruber.
Hochzeiten und Taufen
Doch nicht nur für die Insassen hat der Pfarrer immer ein offenes Ohr. „Hin und wieder habe ich auch schon einen Beamten verheiratet oder seine Kinder getauft“, erzählt Gruber. Auch war er für seine Schäfchen auch nach der Entlassung noch da. Davon erzählt er in den Kapiteln „Ein Mittagessen mit dem „Superpfarrer““ mit dem Ex-Insassen Bernd und „Kaffee mit Folgen“. Die Folge: eine Hochzeit.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden