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LINZ. Das Leben vieler Linzer Familien ist seit Mitte März ein anderes. Gerade seitdem das Alltagsleben langsam wieder hochgefahren wurde, zeigen sich vermehrt die Auswirkungen dieses Ausnahmezustandes.

Viele Kinder berichteten den Psychologen, wie sehr sie sich wieder auf die Schule gefreut hätten, und wie sehr sie sich wünschten, das Coronavirus würde für immer verschwinden. (Foto: Weihbold)

Wie ein roter Faden ziehen sich bei den Beratungen in den städtischen Familien- und Jugendberatung die Themen psychische Auffälligkeiten (vor allem Ängste), Homeschooling, Medienkonsum und fehlende Kinderbetreuung durch die zahlreichen Beratungsgespräche der Psychologen. „Wir versuchen, mit unserem Beratungsangebot im Institut für Familien- und Jugendberatung, im Familienzentrum Pichling und im Eltern-Kind-zentrum Ebelsberg, die Linzer Familien so gut wie möglich zu unterstützen. Die Rückmeldungen zeigen uns, dass das Angebot gut angenommen wird und die passgenaue und fachlich kompetente Unterstützung geschätzt wird,“ zeigt sich die zuständige Stadträtin Eva Schobesberger von der Wichtigkeit des Angebots überzeugt.

Corona lässt psychische Auffälligkeiten wiederaufleben

Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die bereits zuvor unter Ängsten litten und bereits einen guten Behandlungsfortschritt aufwiesen, zeigen sich nun wieder verstärkt Angstzustände. Der rasche Abbruch der Sozialkontakte durch die Schul- und Kindergartenschließungen, die angespannte familiäre Situation aufgrund von Sorgen der Eltern um den Arbeitsplatz und beengte Wohnverhältnisse ließen psychische Auffälligkeiten wiederaufleben. So wandte sich beispielsweise eine verzweifelte Mutter an die Psychologen des Instituts für Familien- und Jugendberatung, da ihr neunjähriger Sohn unter massiven Trennungsängsten litt und keinen Schritt von ihrer Seite wich. Die Psychologen beobachten generell, dass die Angst machende und verunsichernde Situation während des Lockdowns viele Kinder massiv beeinträchtigte. Ein achtjähriger Bub weigerte sich, während der psychologischen Diagnostik seine Maske, die er aufgrund anderer Schutzmaßnahmen nicht tragen müsste, herunterzunehmen, da er panische Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hatte.

Homeschooling als Herausforderung

Besonders für Familien mit Migrationshintergrund und ökonomisch benachteiligte Familien war Homeschooling eine riesige Herausforderung: Wohnen auf kleinstem Raum, das Fehlen von Computern und mangelnde Unterstützung, machten Homeschooling für diese Kinder zu einem unmöglichen Unterfangen. Viele Kinder berichteten den Psychologen, wie sehr sie sich wieder auf die Schule gefreut hätten, und wie sehr sie sich wünschten, das Coronavirus würde für immer verschwinden.

Durch den Wegfall des Schulbesuches reduzierten sich für zahlreiche Kinder und Jugendliche die Kontakte zu ihren Freunden und anderen Gleichaltrigen massiv. Manche verbrachten die Zeit des Lockdowns größtenteils alleine zu Hause, da ihre alleinerziehenden Mütter in sogenannten systemrelevanten Berufen wie Verkäuferinnen oder Reinigungskräfte arbeiteten.

Medienkonsum und die kindliche Psyche

In zahlreichen Familien, die von der Kinder- und Jugendhilfe oder den Schulsozialarbeitern an das Institut für Familien- und Jugendberatung überwiesen werden, ist der Medienkonsum enorm. Viele Kinder besitzen ein Smartphone, mit dem sie die Möglichkeit haben, Spiele zu spielen oder Internetseiten zu besuchen, die nicht altersadäquat sind und sie psychisch überfordern. Während des Lockdowns, als soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert waren, wurden von Kindern und Jugendlichen, aber auch von deren Eltern, vermehrt Medien konsumiert. Nicht wenige Eltern berichteten, dass ihre Kinder oft stundenlang jeden Tag mit Spielekonsolen oder mit dem Handy spielten. Durch den fehlenden körperlichen Ausgleich zeigte sich oft aggressives Verhalten, da der Stress, den virtuelle Spiele verursachen können, nicht abgebaut werden konnte.

Gewalt und hoher Medienkonsum

Wenn Gewalt in Familien eine Rolle spielt, sind die ausgebildeten Gewaltberater des Familienzentrums Pichling die richtigen Ansprechpartner. Die Sozialarbeiter sind im engen Austausch mit der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Polizei. Ziel ist es, neben dem Opferschutz auch Gewalttäter zu unterstützen, dabei aus dem Gewaltkreislauf auszusteigen. Beraten werden Kinder und Jugendliche, die gegenüber den Eltern oder der Peergroup gewalttätiges Verhalten zeigen, sowie Eltern, die gegenüber ihren Kindern oder in der Beziehung Gewalt ausüben.

In Einzelsitzungen oder Paargesprächen werden Strategien erarbeitet, in Stresssituationen nicht mit Gewalt zu reagieren. Während des Lockdowns konnten die Sozialarbeiter mittels Telefon, Mail und Videokonferenzen stabilisierend die Familien begleiten. Seit dem 18. Mai 2020 führen die Sozialarbeiter ihre Beratungen auch wieder persönlich vor Ort durch.

Institut war auch während des Lockdowns für Familien da

Im Institut für Familien- und Jugendberatung fanden in den Monaten März, April und Mai 484 Beratungskontakte statt. Beratungen wurden während des Lockdowns größtenteils per Telefon angeboten, einige über E-Mail und per Videokonferenz.

Seit der Öffnung des Instituts am 4. Mai 2020 werden wieder face to face-Beratungen unter den vorgegebenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen angeboten. Auch psychologische Diagnostik und Therapie mit Kindern und Jugendlichen findet wieder statt. Sieben Psychologen und eine Therapeutin arbeiten auf Hochdruck, um die Hilfesuchenden auf der Warteliste unterstützen zu können.

Bewährte therapeutische Gruppenangebote des Instituts (z.B. therapeutische Zaubergruppe, Gruppe für Scheidungskinder) können derzeit aufgrund der Hygiene- und Schutzbestimmungen nicht angeboten werden.


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