Österreich ab Dienstag wieder im „Lockdown wie im Frühling“

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 14.11.2020 17:50 Uhr

WIEN/OÖ/NÖ. Ab Dienstag befindet sich Österreich – wie schon im Frühjahr – wieder im kompletten Lockdown. Die Ausgangsbeschränkungen gelten wieder rund um die Uhr. Der Handel wird bis auf wenige Ausnahmen geschlossen, zudem auch die Dienstleistungsbetriebe. Und – darüber wurde am meisten debattiert – auch die Pflichtschulen werden wieder auf Distance Learning umgestellt. Das gab die Bundesregierung bekannt. Der Lockdown gilt ab Dienstag für zweieinhalb Wochen, bis inklusive 6. Dezember.

„Heute vor zwei Wochen haben wir einen Teil-Lockdown angekündigt, der seit zwölf Tagen in Kraft ist. Wir haben auch angekündigt, dass wir die Wirkung der Maßnahmen evaluieren werden und nachschärfen müssen, wenn die Infektionszahlen nicht rasch sinken, damit das Gesundheitssystem nicht überfordert wird“, so Kurz. „Erwartbar war, dass die Zahlen weiter hoch bleiben, dass sie aber auch jetzt nicht in entsprechendem Ausmaß sinken, macht Verschärfungen notwendig.“

Derzeit gebe es in Österreich im Schnitt 7.000 neue Fälle am Tag, in manchen Bundesländern mit exponentiellem Anstieg, nennt Kurz die Beispiele Kärnten, Vorarlberg und Oberösterreich. Jenen, die argumentieren, dass es im Handel oder in der Schule kaum zu Ansteckungen komme, entgegnet Kurz damit, dass 77 Prozent der Neuansteckungen nicht mehr nachverfolgbar seien, „das beweist, dass man sich ansteckt, wo Menschen miteinander in Kontakt kommen“.

Mit den einschneidenden Maßnahmen solle sichergestellt werden, dass der Lockdown stark genug wirke - „nur so können wir die Überforderung des Gesundheitssystems verhindern, nur so können wir im Dezember das Land wieder schrittweise hochfahren und so ein Weihnachtsfest und die Vorweihnachtszeit retten“, so Kurz. Erklärtes Ziel sei, dass am 7. Dezember die Pflichtschulen und der Handel wieder öffnen.

Lockdown „wie im Frühling“ ab Dienstag

Für die nächsten 2,5 Wochen – von Dienstag, 17. November bis Sonntag, 6. Dezember, gibt es einen zweiten Lockdown „wie im Frühling“, so Kurz.

  • Bislang gilt eine nächtliche Ausgangsbeschränkung von 20 bis 6 Uhr, mit Dienstag wird diese auf den ganzen Tag ausgedehnt. Nur bestimmte Gründe erlauben ein Verlassen des privaten Wohnbereichs: Berufliche Pflichten, Grundbedürfnisse decken, andere unterstützen und pflegen, sich die Beine vertreten und Sport ausüben.
  • Neben der aktuell geschlossenen Gastro und Freizeiteinrichtungen wird auch der Handel geschlossen - ausgenommen sind die Versorgung des täglichen Bedarfs sowie Post, Banken, Apotheken, Drogerien.
  • „Körpernahe Dienstleistungen“ wie Friseure und Kosmetiker werden geschlossen.
  • die Pflichtschulen stellen auf Fernunterricht um, auch Kindergärten werden geschlossen
  • überall wo möglich gilt Homeoffice

„Jeder soziale Kontakt ist einer zuviel“

Die eindringliche Bitte für die nächsten Wochen: „Treffen sie niemanden, jeder soziale Kontakt ist einer zu viel. Verbringen Sie ausschließlich Zeit mit jenen, die im selben Haushalt leben. Wenn sie alleine leben: definieren Sie eine Person, mit der man im Lockdown im persönlichen Kontakt bleiben kann“, so Kurz. Kontrollieren könne die Polizei das zwar nicht, aber es gelte der Appell, sich daranzuhalten. Paare, die getrennt leben, haben die Möglichkeit, sich zu treffen.

Schulen und Kindergärten: Betreuung möglich

Nach den Oberstufen, Fachhochschulen und Universitäten werden ab Dienstag auch die Pflichtschulen, also die Volksschulen und Mittelstufen/AHS-Unterstufen wieder auf Home Schooling umgestellt – trotz breiter Front und prominenten Fürsprechern für offene Schulen.

Die Details für die Schulen hat Bildungsminister Heinz Faßmann bekannt gegeben, mehr unter www.tips.at/n/521075

Gleichzeitig wird versichert, dass die Betreuung der Kinder gesichert ist, für jene die es brauchen. „Es gibt Fernunterricht, aber auch die Betreuung und Lernunterstützung vor Ort, dort wo es gebraucht wird“, so Vizekanzler Kogler. „Viele werden das in Anspruch nehmen müssen, weil es notwendig ist. Ich denke nicht nur an die Eltern, die in Spitälern und wichtigen Einrichtungen arbeiten, ich denke gerade auch an die vielen Frauen, die im Lebensmittelhandel arbeiten.“ Aber auch alle, die im Homeoffice sehr konzertiert arbeiten müssten oder wenn es zu angespannten Situationen in der Familie komme, sollen dies nutzen, so Kogler. „Sie müssen sich um keine Kinder Sorgen machen – die Kleinen werden nicht nur gut betreut, sondern dort dann auch beim Lernen unterstützt – in Volksschulen und Unterstufen und in den Kindergärten“, verspricht Kogler.

Für die Unternehmen und Arbeitnehmer wird unbürokratische, rasche Hilfe versprochen, die Kurzarbeit werde in vollem Umfang ausgebaut. Anrecht auf Wirtschaftshilfe gebe es auch nur - wie schon aktuell bei der Gastro - wenn keine Mitarbeiter gekündigt werden, so Kurz und Kogler. Ähnlich wie für die Gastro wird es für den Handel und für Dienstleistungsbetriebe eine Umsatzerstattung geben - mehr Infos hier.

Kirchen werden freiwillig darauf verzichten, öffentliche Gottesdienste abzuhalten.

„Bewusst, dass eine Zumutung“

„Das Leben wird für 2,5 Wochen wieder drastisch eingeschränkt. Ich muss Sie nochmals um Mithilfe und Mitarbeit bitten – weil es um die Gesundheit von uns allen geht. Auch uns ist bewusst, dass das eine Zumutung ist – aber wir bekommen dafür etwas: Mit unserem Verhalten könne wir tatsächlich Leben retten. Darum geht’s – das Leben der Nachbarin, des Onkels der Oma – und auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen – vielleicht sogar das eigene Leben“ – bezieht sich Kogler auf Bilder aus den Intensivstationen in den letzten Tagen und erinnert an die Situation ins Spanien und Italien im Frühjahr.

„Jeder von uns muss nicht an Covid erkranken, aber es kann leicht sein, dass man ein Intensivbett braucht, denn keiner ist gefeit, einen schweren Unfall zu haben oder anders zu erkranken. Und jeder der ein Intensivbett braucht, der soll auch eines bekommen. Und das geht nur gemeinsam“, appelliert der Vizekanzler.

Stimmung der Solidarität wie im Frühjahr nötig

„Die zweite Welle ist dynamischer, härter als die erste Welle im Frühling“, so auch Gesundheitsminister Rudi Anschober. Im Lockdown im Frühling hätte die Bewegung um bis zu 75 Prozent reduziert werden können, „das ist in den letzten zwölf Tagen weitaus nicht gelungen. Daher hat sich die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen in den letzten zwei Wochen nochmal verdoppelt.“

Fachexperten würden auch in der kommenden Woche weiterhin eine tägliche Zahl von rund 7.000 Neuinfektionen prognostizieren. „Der Bremsweg von Maßnahmen beträgt bis zur Auswirkung in den Spitälern rund zwei Wochen. Ich bin aber überzeugt, wir werden die Entwicklung unterbrechen. Wir haben im Frühling gezeigt, dass wir das können. Es ist unsere einzige Chance und letzte Chance, den Kollaps in den Spitälern zu verhindern“, so Anschober. Er wünscht sich die Stimmung der Solidarität wie im Frühjahr zurück, „ich bin überzeugt: wir wissen jetzt, wie ernst es ist, wir entscheiden in den nächsten Wochen über das Leben vieler.“

Die detaillierten Punkte der neuen Verordnung sind unter www.tips.at/n/521080 zu finden.

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