2020 brachte deutliche Übersterblichkeit, Lebenserwartung gesunken

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 14.01.2021 11:01 Uhr

Ö/OÖ/NÖ. Wie die Statistik Austria am Donnerstag mitteilt, gab es in Österreich im Jahr 2020 einen deutlichen Anstieg an Todesfällen. Laut vorläufiger Zahl sind zumindest 90.123 Personen 2020 in Österreich verstorben, um fast elf Prozent mehr als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Auch die Lebenserwartung ist gesunken.

Die Zahl der Statistik Austria ist deswegen vorläufig, weil noch Nachmeldungen aus den Standesämtern erwarten werden, die Zahl wird daher noch steigen. Außerdem sind in dieser Zahl noch keine Sterbefälle der österreichischen Bevölkerung, die sich im Ausland zugetragen haben, enthalten. 

Vergleicht man die 90.123 Sterbefälle des Jahres 2020 mit dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre (ebenfalls ohne Sterbefälle, die sich im Ausland ereignet haben), ist ein Zuwachs um 10,9 Prozent zu verzeichnen.

Der Anstieg der Zahl der Sterbefälle betraf Männer (plus 13,7 Prozent) deutlich stärker als Frauen (plus 8,2 Prozent).

Blick auf die Kalenderwochen: Höchste Zahl in KW 49

Basierende auf dem EuroMOMO-Modell, veröffentlicht von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), gab es im Jahr 2020 in Österreich bis zur Kalenderwoche 42 eine Woche mit mittlerer und acht Wochen mit geringer Übersterblichkeit. Seit Kalenderwoche 43 war ein Anstieg der Übersterblichkeit aber zu beobachten.

Der Höchstwert an Sterbefällen wurde in der 49. Kalenderwoche verzeichnet, 2.543 Personen verstarben, um knapp 59 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Seitdem ist die Zahl wieder rückläufig. In den letzten drei Wochen des Jahres 2020 lagen die Werte zwar weiterhin auf verhältnismäßig hohem Niveau, waren aber bereits leicht niedriger als zu den Spitzen der starken Grippewelle im Jänner 2017. Ein Blick auf die vorläufigen Ergebnisse der einzelnen Kalenderwochen zeigt, dass in der 52. Kalenderwoche – von 21. bis 27. Dezember 2020 – in Österreich 2.114 Personen starben, um rund 22 Prozent mehr als im Durchschnitt der gleichen Kalenderwoche der Jahre 2015 bis 2019.

In der 53. Kalenderwoche – von 28. Dezember 2020 bis 3. Jänner 2021 – wurden 1.964 Sterbefälle registriert, um 28 Prozent mehr als im Jahr 2015, in dem es zuletzt eine 53. Kalenderwoche gab.

Oberösterreich: „ungewöhnliche Sterblichkeit durch Corona“

Auch in Oberösterreich war die KW 49 jene Woche mit den meisten Verstorbenen, zeigen die Zahlen der Statisik Austria. 437 Todesfälle wurden im Bundesland in dieser Woche verzeichnet.

In Oberösterreich gab es in der fünften Kalenderwoche (Ende Jänner) – und damit noch während der Grippewelle – die vorerst höchste Spitze mit 340 Verstorbenen, davon 302 in einem Alter von 65 Jahren und darüber. Für Oberösterreich ergibt sich, dass die beobachtete Entwicklung der Todesfälle zu Corona-Zeiten erstmals in der Kalenderwoche 43 minimal und ab der Kalenderwoche 45 deutlich die erwartete Obergrenze überschritt. Mit den vorläufigen Gesamtzahlen für das Jahr 2020 „liegt für Oberösterreich eine ungewöhnliche Sterblichkeit durch Corona vor“, resümiert auch die Abteilung Statistik des Amtes der Oö. Landesregierung.

Lebenserwartung gesunken

Wie die Statisik Austria ebenfalls mitteilt, ist die Lebenserwartung laut vorläufigen Schätzungen in Österreich gegenüber 2019 um ein halbes Jahr gesunken. Bei Männern liegt sie nun bei 78,9 und für Frauen bei 83,7 Jahren. „Mit einer starken Verbreitung der Impfungen und nach Bewältigung der Pandemie ist anzunehmen, dass die Lebenserwartung mittelfristig wieder auf den Wachstumstrend einschwenken wird. Ähnliches zeigen die Erfahrungen aus stärkeren Grippejahren. Offen sind allerdings noch die möglichen Langfristfolgen überstandener Coronaerkrankungen“, führt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas aus.

Details auch nach Regionen und Grafiken auf www.statistik.at/atlas/sterbefaelle/

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