Von Teuerung hart getroffen: Alleinerzieherin berichtet
LINZ. Die 40-jährige Frau S. lebt mit ihrer eineinhalb-jährigen Tochter in einer kleinen Wohnung im Raum Linz, aufgrund mehrerer Schicksalsschläge ist sie in einer finanziell prekären Lage. Ihrer kleinen Tochter soll es jedoch an nichts fehlen, das ist der große Wunsch der Mutter. Die Soziale Initiative unterstützt Menschen wie Frau S. in Notlagen. Denn die aktuelle Teuerungswelle trifft jene am härtesten, die ohnehin armutsgefährdet sind.

Frau S. erzählt von ihrer schwierigen Situation:
„Ich habe als junge Frau leider ein paar schlechte Entscheidungen getroffen und war einige Jahre in einer Partnerschaft, in der wir uns gegenseitig hinuntergezogen haben. Infolgedessen habe ich fünfzehn Jahre lang immer wieder auf der Straße gelebt und darunter hat meine Gesundheit sehr gelitten. Mehrere Monate lang war ich wegen einer chronischen Erkrankung in Behandlung und ich habe in wiederkehrenden Abständen große Probleme mit den Bandscheiben und den Lendenwirbeln. Manchmal sind die Schmerzen so groß, dass ich zwei, drei Wochen lang meine Tochter nicht hochheben kann.“
Leben von Invaliditätspension und Familienbeihilfe
Die Mutter und ihr Kind leben von der Invaliditätspension von Frau S. und der Familienbeihilfe. Früher habe sie in der Gastronomie gearbeitet, das sei jetzt aber nicht mehr möglich. Von ihrer Zeit auf der Straße sei sie es gewohnt, sparsam sein zu müssen. Auch ihre Großeltern, bei denen sie aufgewachsen ist, hätten ihr Sparsamkeit gelehrt.
„Meine Tochter soll alles haben, was sie braucht“
„Ich komme mit dem Geld über die Runden, auch wenn es manchmal knapp ist. Beim Einkaufen achte ich auf günstige Produkte und vergleiche die Preise. Für mich kaufe ich kaum etwas, dafür für meine Tochter. Sie soll alles haben was sie braucht, und ich lege ein wenig Geld zur Seite, damit sie eine gute Zukunft hat. Das ist das Wichtigste für mich.“
Unterstützung durch Erziehungs- und Alltagshilfe
Unterstützung erhält Frau S. durch ihre Betreuerin der Erziehungs- und Alltagshilfe. Diese Hilfe bedeute ihr sehr viel: „Sie begleitet mich zu Terminen, unterstützt mich mit der Kleinen und im Haushalt, was besonders hilfreich ist, wenn ich Schmerzen in den Lendenwirbeln habe. Wir besprechen Erziehungsfragen und sie hilft mir dabei, Struktur in unseren Alltag zu bekommen. Manchmal tut es auch einfach gut, mit ihr zu reden.“
Die Mitarbeiter der Erziehungs- und Alltagshilfe (EAH) sowie der Sozialpädagogischen Familienbetreuung (SFB) unterstützen, beraten und begleiten von Existenzsorgen betroffene Familien. In Oberösterreich sind die mobilen Teams der Sozialen Initiative in beinahe allen Bezirken mit 210 Mitarbeitern tätig und betreuen aktuell 675 Familien.
Teuerungswelle trifft armutsgefährdete Menschen am härtesten
Eine Stabilisierung der finanziellen Situation ihrer Klienten ist ein erster wichtiger Schritt. Denn die aktuelle Teuerungswelle trifft jene am härtesten, die ohnehin armutsgefährdet sind - also rund 15 Prozent der österreichischen Bevölkerung, das sind 1,3 Millionen Menschen. 368.000 davon sind Kinder und Jugendliche, das ist jeder 5. unter 18 Jahren. Für einen Einpersonenhaushalt bedeutet das ein Einkommen von weniger als 1.371 Euro im Monat. Für eine Familie mit drei Kindern unter 14 Jahren liegt die Armutsgrenze bei 3.291 Euro.
Armutsgefährdung ist in der Mittelschicht angekommen
In den letzten Monaten berichten die sozialpädagogischen Fachkräfte der Sozialen Initiative immer öfter, wie betreute Familien infolge der Teuerung in Notlagen geraten. Besonders häufig betroffen sind Kinder, Alleinerziehende, Mehrkindfamilien, Arbeitslose, chronisch kranke Menschen, Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor und Migranten. Immer öfter kommen auch Menschen in prekäre Lebenslagen, von denen man das auf den ersten Blick nicht vermuten würde, etwa, weil beide erwerbstätig sind.
Armutsgefährdung betrifft nicht mehr ausschließlich Randgruppen, sondern ist in der Mittelschicht angekommen. Der Geschäftsführer der Sozialen Initiative, Martin Hofer sieht die Politik in der Pflicht, Lösungen zu finden. Der soziale Wohnbau müsse wieder verstärkt gefördert werden, Lebensmittel müssten leistbar bleiben und Qualitätsvolle Kinderbetreuung für jeden leistbar sein.
Soziale Initiative unterstützt
Die Soziale Initiative gGmbH mit ihrer Zentrale in Linz bietet im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe, dem Sozialministeriumservice und im Auftrag von Gemeinden und Städten Betreuung, Begleitung und Beratung von Kindern, Jugendlichen und Familien in ganz Oberösterreich an.


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