35 Jahre Schiedsstelle: 21,5 Millionen Euro für Patienten zugesprochen
LINZ. Seit 35 Jahren unterstützt die Schiedsstelle für Behandlungszwischenfälle der Ärztekammer für Oberösterreich Patienten und Ärzte bei der außergerichtlichen Klärung von Beschwerden nach medizinischen Behandlungen. Rund 21,5 Millionen Euro wurden Patienten in Schiedsverfahren seit ihrem Bestehen zugesprochen.

Wer nach einer ärztlichen Behandlung einen Fehler vermutet und dadurch einen Schaden erlitten hat, kann sich an die Schiedsstelle wenden. Zuständig ist sie sowohl für Behandlungen durch niedergelassene Ärzte in Oberösterreich als auch für ärztliche Behandlungen in oberösterreichischen Krankenanstalten. Häufig geht es um vermutete Aufklärungsfehler, Komplikationen nach Operationen oder verspätete Diagnosen.
Kostenlose Alternative zum Gerichtsverfahren
Gerichtsverfahren sind oft langwierig, kostenintensiv und für alle Beteiligten belastend. Die Schiedsstelle bietet Patienten dagegen die Möglichkeit, einen Behandlungszwischenfall kostenlos und unbürokratisch durch eine unabhängige Kommission prüfen zu lassen. Ziel ist es, möglichst rasch zu einer außergerichtlichen Lösung zu kommen.
Auch Ärzte profitieren vom außergerichtlichen Streitbeilegungsversuch: Vorwürfe können auf sachlicher Ebene geklärt werden, ohne dass ein Gerichtsverfahren benötigt wird oder sich ihr Name in den Medien wiederfindet.
Erfolgreiche Bilanz nach 35 Jahren
Dass sich die Schiedsstelle bewährt hat, zeigt auch ein Blick auf die Zahlen: Über 21,5 Millionen Euro wurden Patienten seit ihrer Einrichtung 1991 zugesprochen. In diesem Zeitraum gingen 6.128 Beschwerden bei der Schiedsstelle ein und 843 Sitzungen wurden abgehalten.
„Seit 35 Jahren zeigt die Schiedsstelle, wie wertvoll es ist, Beschwerden nach ärztlichen Behandlungen sachlich, außergerichtlich und ohne Einflussnahme zu klären. Sie gibt Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, ihre Anliegen professionell prüfen zu lassen und schafft auch für Ärztinnen und Ärzte einen verlässlichen Rahmen zur Klärung. Eine solche sachliche Aufarbeitung ist für beide Seiten wichtig, denn eine gute Arzt-Patienten-Beziehung lebt von Vertrauen und einem offenen Umgang miteinander“, betont Silke Haim, Präsidentin der Ärztekammer für Oberösterreich.
Sachliche Aufarbeitung durch unabhängige Kommission
Die Sitzungen der Schiedsstelle sind interdisziplinär besetzt. Den Vorsitz der Kommission führt ein unabhängiger Richter – derzeit der ehemalige Präsident des Oberlandesgerichtes Linz, Erich Dietachmair. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter, zwei ärztlichen Beisitzern und zwei juristischen Beisitzern werden in über 20 Sitzungen pro Jahr die Fälle behandelt.
Die Kommission übernimmt dabei eine vermittelnde Rolle. Im Mittelpunkt steht nicht die Konfrontation, sondern die gemeinsame Aufarbeitung.
„Wir erleben immer wieder, dass in einem persönlichen und vertrauensvollen Gespräch Lösungen möglich werden, die auf anderem Weg nur schwer zu erreichen wären. Anders als in einem Gerichtsverfahren sind die Fronten häufig noch nicht verhärtet. Die Beteiligten können ihre Sichtweise unmittelbar darlegen, Fragen können direkt beantwortet und Missverständnisse ausgeräumt werden. Gerade weil das Vertrauensverhältnis zwischen Ärztin oder Arzt und Patientin oder Patient eine so wichtige Rolle spielt, ist diese gemeinsame Aufarbeitung von großem Wert“, sagt Vorsitzender Erich Dietachmair.
Komplikation ist nicht automatisch Behandlungsfehler
Eine zentrale Rolle in der Kommission spielt die medizinische Expertise. Denn nicht jeder unerwünschte Behandlungsverlauf und nicht jede Komplikation bedeuten automatisch, dass ein Behandlungsfehler vorliegt.
„Deshalb ist es wichtig, jeden Fall sorgfältig und differenziert zu betrachten. Mit unserer Expertise können wir medizinische Abläufe erklären, Zusammenhänge einordnen und gemeinsam aufarbeiten, wie es zu einem bestimmten Verlauf gekommen ist“, erklärt der ärztliche Beisitzer, Primar i.R. Rudolf Sigl.
Damit außergerichtliche Einigungen gelingen, ist die konstruktive Mitarbeit aller Beteiligten entscheidend. Neben Patienten und Ärzten spielen dabei auch Rechtsträger und Haftpflichtversicherungen eine wichtige Rolle. Ihre Bereitschaft, an den Verfahren mitzuwirken und die Ergebnisse der Schiedsstelle zu berücksichtigen, ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg des Modells.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden