Thomas Pizzini über Messer, Linzerkipferl und mehr als 50 Jahre im Familienbetrieb
LINZ. In „Messer – Scheren – Linzerkipferl“ erzählt Thomas Pizzini vom Aufwachsen in einem der ältesten Linzer Handelsbetriebe: dem Schneidwarenfachgeschäft Pizzini in der Bischofsstraße. Dabei verbindet er Wissenswertes mit Anekdoten aus dem Geschäftsalltag.

Ursprünglich wollte Thomas Pizzini mit dem Buch über die richtige Pflege von Schneidwaren informieren und über Mythen aufklären. „Dass Solingen, Laguiole und Bowie keine Marken sind, die Handbreite nichts über die Legalität eines Messers aussagt, Damast kein eigener Stahl, sondern eine Herstellungsart ist, ,rostfrei‘ bei Messern nicht rostfrei bedeutet und Schleifen nicht gleich Schleifen ist“, erzählt der 56-Jährige.
Weil Messerwissen allein aus seiner Sicht aber kein ganzes Buch tragen würde, hat er seine Erinnerungen aus über 50 Jahren im Fachgeschäft noch dazugepackt. Und die reichen bis in den Laufstall. „Früher, im kleineren Geschäft nebenan, gab es hinter dem Verkaufslokal einen Schreibtisch, eine Werkbank und einen Laufstall. In dem habe ich geschlafen, während meine Mama die Kunden bediente. Immer wenn ich aufgewacht bin, hat sie mir ein Linzer Kipferl gebracht. Das ist meine älteste Erinnerung an das Geschäft.“
In vierter Generation
Gegründet wurde es 1889 von Josef Gallazini, dem Onkel von Pizzinis Großvater. Weil der keinen Nachfolger hatte, holte er seinen Neffen aus Südtirol nach Linz. Auf den Großvater folgte Pizzinis Mama, die ihn schon als Einjährigen mit ins Geschäft nahm. Dass Thomas Pizzini das Geschäft in vierter Generation übernehmen würde, stand früh fest. „Mein Großvater hat sich immer hinter mich gestellt, mir die Hände auf die Schultern gelegt und immer gesagt: ,Das wird mal mein Nachfolger.‘ Darum ist mir nie der Gedanke gekommen, etwas anderes zu machen.“ Bereut hat er die Entscheidung nicht: „Ich bin in meinem Geschäft mein eigener Chef“ – mit allen Verpflichtungen, aber auch mit allen Freiheiten.
Qualität vor Trends
Diese Freiheit zeigt sich auch darin, dass Pizzini nicht jedem Trend hinterherläuft. Bunte Messer etwa seien nichts Neues. „Die hat es schon bei meinem Opa gegeben. Dann waren sie wieder weg, und jetzt kommen sie wieder.“ Für ihn zählt in erster Linie die Qualität.
Das versucht er auch seiner Kundschaft zu vermitteln. Viele Menschen kämen seit Jahren, manche Familien sogar über Generationen hinweg. Messer sehen oft ähnlich aus, sagt Pizzini. Den Unterschied merke man erst, wenn man sie in die Hand nimmt. „Dann versteht man, warum eines zehn Euro kostet und das andere hundert. Sie liegen einfach besser in der Hand.“
Geschichten aus über 50 Jahren
In über 50 Jahren kommt schon einiges an Anekdoten zusammen: Da ist etwa jener Stammkunde, der mit einem Messer aus dem Linzer Fachgeschäft nicht nur die Welt bereiste. „Als seine Frau schwanger war, hat er ein Messer gekauft, mit dem er bei der Geburt ihres Sohnes selbst die Nabelschnur durchtrennt hat. Ich habe ihm dann den Namen und das Geburtsdatum eingelasert. Wenn der Junge 18 Jahre alt ist, bekommt er es. Zwei Jahre später wiederholte sich die Geschichte bei der Geburt der Tochter.“
Doch nicht jede Begegnung ist berührend oder lustig. Messer sind schließlich keine gewöhnliche Ware. Auch wenn zum Glück noch nie wirklich was passiert ist. „Einer dachte wohl mal, es sei lustig, wenn er mit einem Schwert zuerst die Luft zerschneidet und es mir dann unter die Nase hält. Da wird man schon wachsam“ Eine gewisse Sicherheit bietet dem 56-Jährigen der Abstand durch den Verkaufstresen, hinter den er niemanden lässt. „Es ist schon passiert, dass einer wieder gegangen ist, weil er das unfreundlich fand.“ Das nimmt Pizzini in Kauf.
Erst kürzlich wurde das kleine Schaufenster eingeschlagen. „Da war alles voller Blut. Der muss sich beim Reingreifen ordentlich geschnitten haben. Dabei sind die Schweizer Messer alle präpariert, die kann er gar nicht wirklich verwenden.“
Nachfolger gesucht
Und wie schaut die Zukunft des Fachgeschäfts aus? „Auf der Homepage steht, dass nach einem Lottogewinn geschlossen wird. Darauf werde ich immer wieder angesprochen. Auch wenn alle sagen, dass sie mir keinen wünschen, damit sie weiterhin kommen können“, lacht Pizzini.
Dennoch wird sich die Frage irgendwann stellen. Einen Nachfolger hat der 56-Jährige bislang nicht. „Vor einem Jahr war mal einer da, der sich interessiert hat. Damals habe ich gesagt, er soll in zehn Jahren wiederkommen. Mal schauen, ich habe da eigentlich noch keinen Plan.“
Somit bleibt vorerst alles beim Alten: Thomas Pizzini steht hinter dem Tresen seines Fachgeschäfts, berät Kunden, schleift Messer – und bewahrt damit ein Stück Linzer Handelsgeschichte.








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