Gewalt in der Erziehung: Ohrfeigen werden zunehmend als Gewalt erkannt
OÖ/LINZ. In einer Umfrage stuften 81 Prozent der Befragten eine Ohrfeige für ein Volksschulkind als Gewalt in der Erziehung ein. 2009 waren es 55 Prozent.

Das Marktforschungsinstitut Spectra führte die Trendmessung 2026 im Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich (KiJA OÖ) durch. Dafür wurden 800 Personen in Oberösterreich telefonisch befragt. Die repräsentative Studie untersucht seit 2009 in regelmäßigen Abständen Wissen, Einstellungen und Erziehungsverhalten in Bezug auf das Gewaltverbot.
Weniger Bewusstsein für psychische Gewalt
Auch einen Klaps auf den Hintern eines Kleinkindes sehen mehr Befragte als Gewalt: 2026 stuften ihn 41 Prozent so ein, 2009 waren es 18 Prozent. Die Ansicht, eine „gesunde Watsche“ schade niemandem, teilten zuletzt neun Prozent. 2009 waren es noch 27 Prozent.
97 Prozent der Befragten erkennen laut Studienangaben das Recht von Kindern auf gewaltfreie Erziehung an. Während 84 Prozent eine „leichte Watsche“ als verboten ansehen, gilt das bei Beschimpfungen für 37 Prozent.
In Österreich ist Gewalt in der Erziehung seit 1989 gesetzlich verboten. Seit 2011 ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung auch in der Bundesverfassung verankert. „Kinderschutz und Kinderrechte müssen daher für uns alle oberste Priorität haben“, sagt Kinderschutz-Landesrat Martin Winkler (SPÖ).
Überforderung als Begründung
Ein Fünftel der Befragten rechtfertigt laut Studie eine körperliche Züchtigung oder ein „Ausrutschen der Hand“ mit Überforderung in einer Stresssituation. Als Ursachen für häusliche Gewalt nennen die Befragten unter anderem psychische Probleme, Überforderung in der Erziehung und Stress in der Beziehung.
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft sieht neben der Sensibilisierung für psychische Gewalt auch Bedarf an Unterstützung für Eltern. Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger sagt: „Kinder brauchen Sicherheit, Orientierung und klare Grenzen – aber keine Gewalt.“
Nach Angaben der KiJA OÖ wenden sich jährlich rund 5.500 junge Menschen mit Sorgen und Problemen an die Einrichtung. Etwa ein Viertel davon berichtet von belastenden familiären Konflikten bis hin zu Gewalt durch Eltern.
Beratung und Prävention
Die KiJA OÖ berät junge Menschen und ihre Bezugspersonen kostenlos, vertraulich und anonym. Gemeinsam mit dem Gewaltschutzzentrum Oberösterreich betreibt sie zudem das Projekt „Hinter der Fassade“. Es informiert Jugendliche ab 14 Jahren über häusliche Gewalt und Hilfsangebote und stellt Unterrichtsmaterialien bereit.
Mehr Informationen unter: https://www.kija-ooe.at








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