„Während auf Lesbos Kinder auf der Straße schlafen, müssen wir Quartiere schließen“

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Jürgen Affenzeller Jürgen Affenzeller, Tips Redaktion, 16.09.2020 14:02 Uhr

LINZ. In Moria leben nach den Bränden der Vorwoche Tausende Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, auf der Straße. In Linz wiederum ist die Volkshilfe gezwungen, das letzte Quartier für unbegleitete Flüchtlinge zuzusperren.

„Diese Situation ist nicht nur paradox, sie ist skandalös“, erklärt dazu Volkshilfe OÖ-Vorsitzender Michael Schodermayr und fordert erneut die Aufnahme einer namhaften Anzahl unbegleiteter Minderjähriger in Österreich. Allein die Volkshilfe Oberösterreich sei in der Lage, sofort 250 unbegleitete Kinder und Jugendliche in bestehende Quartiere aufzunehmen und dort auch zu betreuen.

„Wir haben die Möglichkeiten, die Mittel, die Erfahrung und auch viele hilfsbereite Menschen, um diesen Flüchtlingen zu einem würdigen Dasein zu verhelfen. Diese Aufnahme und Betreuung würde viel Leid lindern und keineswegs zu Lasten der heimischen Bevölkerung gehen“, sagt auch Christian Schörkhuber als Geschäftsführer der Volkshilfe Flüchtlings- und Migrantenbetreuung.

Letztes Quartier musste geschlossen werden

Eines der erwähnten Quartiere befindet bzw. befand sich in der Linzer Raimundstraße. Dieses bot Platz für rund 30 Jugendliche, musste vergangenen Woche jedoch – während auf Lesbos Kinder auf der Straße leben und schlafen müssen – nach rund 20 Jahren mangels Zuweisungen geschlossen werden. „Die Volkshilfe Oberösterreich war 1997 österreichweit eine der ersten Organisationen, die Quartiere für unbegleitete Minderjährige eingerichtet haben. Von den dann insgesamt neun Quartieren für zirka 300 Jugendliche mussten wir nun auch das letzte hier in Linz schließen“, so Schörkhuber. Für ihn und Schodermayr „die Folge der Hardliner-Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre und einfach unerträglich“.

Haltung der Bundesregierung „zynisch“

Ins gleiche Horn stößt auch Judith Ranftler als Bereichsleiterin Asyl & Migration bei der Volkshilfe Österreich. „Die Hilfe für schutzsuchende Menschen hat für die Volkshilfe eine lange Tradition. Deshalb ist für uns die unmenschliche und zynische Haltung der Bundesregierung unerträglich. Die Zivilgesellschaft hat 2015 geholfen und für viele Menschen Hoffnung und neue Lebenschancen gebracht. Netzwerke und Kontakte wurden geknüpft, auch für die Integration wurde viel geleistet. Und wir sind auch jetzt wieder bereit, Menschen in unbeschreiblicher Not zu helfen. Die Ressourcen sind vorhanden, die Bereitschaft auch. Jetzt braucht es nur mehr ein Go der Regierung und Österreich ist international nicht mehr isoliert, sondern wird seiner Hilfstradition gerecht.“

Solidarische SPÖ-Bürgermeister

Dass die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge in Form einer Aufnahme in Österreich absoluten Vorrang haben muss, fordert neben der Volkshilfe nach wie vor auch die oberösterreichische Allianz der „BürgermeisterInnen mit Herz“.  Dieser – von der SPÖ-Vorsitzenden Birgit Gerstorfer initiierten - Allianz gehören u.a. die Bürgermeister von Steyr, Bad Ischl, Bad Goisern, Traun, Marchtrenk, Leonding, Sierning, Asten, Feldkirchen, Enns, Spital, Neuhofen, Micheldorf, St. Georgen/Gusen, Lengau, Haslach, Riedau, Gutau, Schalchen und Waldzell an. Sie haben sich bereits im März 2020 bereit erklärt, Familien und Kinder aus den griechischen Lagern und an der Grenze in maßvollem Umfang in ihren Gemeinden aufzunehmen, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.

In Griechenlands größtem Flüchtlingslager in Moria auf der Ägäis-Insel Lesbos brachen vergangene Woche mehrere Brände aus. Das Lager war für rund 2800 Menschen ausgelegt, allerdings befanden sich dort mehr als 12.600 Schutzsuchende unter schwierigsten Bedingungen.

 

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