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LINZ. Mit dem Zitat von Autor John Gray „Männer sind anders, Frauen auch.“ lud die JKU zur Gesprächsreihe medTalk zum Thema „Faktor Gender - Personalisierte Medizin in einer diversen Gesellschaft“. Während sich die erste Ausgabe der Diskussionsreihe dem Thema Künstliche Intelligenz in der Medizin widmete, ging es diesmal um die Chancen und Grenzen der personalisierten Medizin.

Am Podium v.l.n.r.: Andreas Zierer, Marlies Antlanger, Clemens Schmitt und Moderatorin Christine Haiden. (Foto: JKU)

Über das Thema Personalisierte Medizin diskutierten beim zweiten JKU medTalk

  • OÄ Priv.-Doz.in Dr.in Marlies Antlanger, Universitätsklinik für Innere Medizin, Kepler Universitätsklinikum
  • Univ.-Prof. Dr. Clemens Schmitt, Vorstand Universitätsklinik für Hämatologie und Internistische Onkologie, JKU
  • Univ.-Prof. Dr. Andreas Zierer, Vorstand der Universitätsklinik für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie

Das Thema Gendermedizin ist noch ein junges Forschungsthema, gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung. So schafft die JKU neben zwei weiteren Lehrstühlen eine Professur für Versorgungsforschung mit Schwerpunkt Geschlechtermedizin.

Unterschiede in der Kardiologie sehr auffällig

Gerade bei Herzerkrankungen gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Kardiovaskuläre Erkrankungen sind Todesursache Nummer Eins bei Frauen. Herzchirurg Andreas Zierer nennt Zahlen aus dem jährlichen Bericht der europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur Verteilung der Todesursachen: Pro Jahr versterben in Europa 400.000 Frauen mehr an Herz-Kreislauferkrankungen als Männer.

Auch im Outcome gibt es Unterschiede: in allen großen Operationskategorien der Herzchirurgie haben Frauen einen schlechteren Ausgang als Männer. Eine mögliche Erklärung: Typischerweise werden Erkrankungen bei Frauen später diagnostiziert, die Krankheit ist also eher in einem fortgeschrittenem Stadium, wenn sie behandelt wird. Auch äußern sich Erkrankungen bei Frauen teilweise anders. Bekanntestes Beispiel ist der Herzinfarkt, der bei Frauen zu anderen Symptomen führen kann als bei Männern.

Vielfältige Ursachen

Die Unterschiede können allerdings auch zugunsten von Frauen ausfallen: Die aktive Mitwirkung an therapeutischen Maßnahmen, die sogenannte Compliance, ist bei Frauen höher. Der Krebsspezialist Clemens Schmitt spricht an, dass Frauen häufiger zur Vorsorge gehen und Standardtherapien bei Krebs zum Vor- oder Nachteil für Frauen sein können. Die Datenlage dazu sei jedoch sehr komplex und keineswegs schwarz-weiß. In der Onkologie ist das Geschlecht beim Wunsch nach einer maßgeschneiderten Therapie nur ein Faktor.

„Women get sicker, but men die quicker“

Die Nierenfachärztin Marlies Antlanger sieht die Vorteile der personalisierten Medizin gerade bei chronischen Erkrankungen, obgleich sie für alle Bereiche Relevanz hat. Frauen sind häufiger von Autoimmun- oder infektiösen Erkrankungen betroffen, Männer aber häufiger von Bluthochdruck und Diabetes. Unter Niereninsuffizienz, also einer Nierenschwäche, leiden mehr Frauen, wenn es aber zum Nierenversagen kommt, dreht sich der Trend: zwei Drittel aller Dialysepatienten weltweit sind Männer. Aufgrund der höheren Lebenserwartung erleiden Frauen häufiger Niereninsuffizienzen, werden aber später dialysepflichtig. Antlanger zitiert dazu den Spruch „women get sicker, but men die quicker (Frauen werden kränker, Männer sterben früher)“. Einzelne und schlüssige Erklärungen gibt es nicht dafür, die Ursachen sind komplex und vielfältig.

Chancen und Gefahren der personalisierten Medizin

Personalisierte Medizin schließ neben dem Geschlecht auch soziokulturelle und ethnische Aspekte mit ein. Hier gäbe es noch große Lücken zu schließen, sind sich die Experten einig. Die Forschung stünde jedoch nicht bei Null, so Antlanger. Eine gendergerechte und personalisierte Medizin könnte jedenfalls die Lebenserwartung aller Patienten verbessern und einen besseren Ausgang für Patientinnen und Patienten sichern. Das Thema birgt jedoch eine Gefahr: Je individueller die Therapie, desto weniger Erfahrungswerte liegen vor. Es mache aber Sinn, individualisierte „Cluster“ zu bilden, also mehr Subgruppen zu definieren, um diese dann gezielt behandeln zu können, so Schmitt abschließend.


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