„Linz ist meine zweite Heimat und Blau Weiß wie eine Familie für mich“
Der nigerianische Stürmer Yussuf Otubanjo von Blau Weiß Linz spielte sich mit seinen vielen Toren längst in die Herzen der Fans des „Stahlstadtklubs“. Das liegt aber nicht nur an seiner sportlichen Leistung, sondern auch an seinem sympathischen und lockeren Auftreten.

Tips traf Yussuf Otubanjo nach einem neunzigminütigen Trainingsspiel zum Interview. Der 23-Jährige wirkt kein bisschen müde. Er sieht aus als käme er gerade aus der Dusche, unverschwitzt und in einem frischgewaschenen Blau Weiß-Trainingsanzug. Während er ein Glas dampfenden Tee trinkt erzählt er von früher, als er in Nigeria zum ersten Mal die Fußballschuhe schnürte. „Ich spielte jeden Tag. Zuerst in einer „Academy“, dann in der Premier League, der höchsten nigerianischen Fußball-Liga, und in der U17-Nationalmannschaft von Nigeria bei der Heim-Weltmeisterschaft 2009.“ Nach eineinhalb Jahren in der dritten Mannschaft von Atletico Madrid führte ihn sein Weg über Red Bull Salzburg und Pasching schließlich zu Blau Weiß Linz.
Liebling der Fans
„Natürlich vermisse ich Nigeria, meine Freunde und Eltern“, sagt er mit leichter Wehmut in seiner ruhigen Stimme, die zu seinem ausgeglichenen Wesen passt. Er telefoniere aber täglich mit seiner Mutter, manchmal auch mit seinen Geschwistern und seiner Freundin. In Linz hat Yussuf mittlerweile eine zweite Heimat gefunden, im Verein eine zweite Familie. „Linz ist eine gute Stadt. Die Trainer und Spieler sind alle sehr gut zu mir. Wir machen Spaß und essen manchmal zusammen. Die Fans sind auch super, weil sie uns immer anfeuern und singen.“ Negative Erfahrungen machte er jedoch einmal bei einem Spiel in Pasching, bei dem ihn gegnerische Fans mit Affenrufen beleidigten und ihn mit Bier übergossen. „Es ist normal für mich, dass die gegnerischen Fans nicht glücklich mit mir sind, weil sie die eigene Mannschaft siegen sehen wollen. Jetzt ist aber alles besser und seitdem ist nichts mehr vorgefallen“, sagt er gelassen.
Champagner in der Kabine
Der Alltag des Fußballstars klingt nicht sehr aufregend. Yussuf frühstückt in seiner Wohnung im Wifi Hotel in der Wiener Straße, geht anschließend gerne spazieren und isst mittags meistens in seinem Lieblingslokal Vapiano. Sein Lieblingsessen dort ist Carbonara mit Lachs und Salat. In der Wohnung kocht er manchmal afrikanisch, wobei Reis, Gemüse, Tomatensauce und Fleisch auf dem Speiseplan stehen. Bier ist für den gläubigen Moslem, der jeden Freitag zum Beten in die Moschee geht, verpönt. „Bier mag ich nicht. Nach den Spielen trinke ich aber manchmal Champagner“, gibt er zu. Nach dem Mittagessen kehrt Yussuf nachhause zurück und packt die Trainingssachen. Zeit für Hobbys bleibt kaum. „Alles dreht sich um Fußball“, winkt er ab. Per Straßenbahn und Bus geht es dann rauf zum Trainingsplatz auf die Gugl. Schon bald möchte er mit einem eigenen Auto unterwegs sein. Für den Führerschein hat er sich schon angemeldet.
Bis Sommer bei Blau Weiß
Auf die Fragen, welchen Beruf er ergriffen hätte, wäre er nicht Fußballer geworden, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Ich liebe Elektronik.“ Der große Bruder arbeitet in Nigeria als Elektriker. Auch Yussuf schnupperte in den Beruf rein. „Mittlerweile habe ich aber alles vergessen“, gibt er lachend zu. Seine große Chance sieht er natürlich im Fußball. Bezüglich seiner sportlichen Zukunft hüllt er sich aber in Schweigen. Unruhig rutscht Yussuf auf dem Sessel hin und her, als wäre ihm die Frage peinlich. Dann antwortet er geheimnisvoll: „Mein Vertrag mit Blau Weiß Linz läuft bis Sommer. Ich habe aber ein Angebot von einem anderen Verein.“


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