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„Wir brauchen eine rasche System-Entscheidung“

Jürgen Affenzeller, 09.11.2017 14:26

LINZ. Der jüngste Planungsstopp durch einen Rechnungshof-Bericht für die Zweite Schienenachse in Linz lässt weiter die Wogen hochgehen. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) fordert nun vom Land ein, mit der Systementscheidung über die Einbindung der Mühlkreisbahn in die Schienenachse nicht mehr lange zuzuwarten.

Die bestehende Linzer Schienen-Achse ist bereits jetzt an ihre Kapazitäts-Grenzen gestoßen. Foto: Weihbold

„Seit langem steht fest, dass ein schienengebundenes öffentliches Verkehrsmittel in Verbindung mit Park&Ride-Anlagen an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten die beste Lösung für die Mobilitätsherausforderungen des Wirtschaftsstandorts darstellt. Mehrere Verkehrsreferenten des Landes haben sich seitdem an unterschiedlichen Konzepten versucht. All diese Konzepte teilten ein Faktum: eine im Osten von Linz gelegene, über die Eisenbahnbrücke bzw. eine allfällige neue Donauquerung zu führende zweite Schienenachse in Linz“, fasst Luger zusammen.

2014 einigten sich schließlich der damals federführende Verkehrsreferent der Landesregierung, Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl (VP), mit dem vor allem für den öffentlichen Verkehr zuständigen Verkehrslandesrat Reinhold Entholzer (SP) und dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SP) auf die konkrete Trassenführung für diese zweite Schienenachse.

„Wertvoller Bim-Bypass“

Neben Arbeits- und Ausbildungsplätzen wie der Fachhochschule, der Tabakfabrik oder des Kepler Universitätsklinikums wurden in den letzten Jahren auch viele Wohnungen bewusst entlang der voraussichtlichen Trasse errichtet. Als Beispiele nennt Luger die Wohnbauten auf dem ehemaligen Areal der Frauenklinik oder das Stadtteilprojekt „Grüne Mitte“ auf dem früheren Frachtenbahnhof. „30.000 Menschen wohnen entlang der geplanten Trasse, alleine aus dem Norden pendeln täglich über 60.000 Menschen nach Linz zu ihren Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Sie alle profitieren von einer solchen Verbindung, die auch ein wertvoller Bypass für die ohnehin schon überlastete Schienenachse entlang der Landstraße ist. Wir können dort etwa in der Früh nur mit Müh und Not eine weitere Bim-Garnitur für die Pendler einschieben“, so Luger.

300 Millionen Euro Gesamtkosten

Derzeit steht das Projekt aufgrund einer angekündigten Rechnungshof-Prüfung wieder. „Der Rechnungshof kann derzeit nur die von der Politik getroffenen Grundsatzentscheidungen prüfen und beurteilen. Ich bin mir nicht sicher, ob das seinem Aufgabenprofil und dem Prinzip der Gewaltenteilung entspricht. Ich bin aber zuversichtlich, dass das Land zu den bisherigen Vereinbarungen steht und die Planungsschritte rasch wieder aufgenommen werden können“, betont Luger, der ergänzt: „Alles war wir jetzt bald brauchen, ist in erster Linie eine technische Entscheidung, keine politische, nämlich jene, mit welchen Fahrzeugen das Land bei der Mühlkreisbahn in die zweite Schienenachse hereinfahren will bzw. dies überhaupt tun will.“

80 bis 90 Millionen Euro würde eine solche Einbindung der Mühlkreisbahn in die Zweite Schienenachse kosten, die Alternative dazu wäre ein Umsteigen im dann neu adaptierten Mühlkreisbahnhof, etwa unterirdisch. Das Gesamtprojekt Zweite Schienenachse wird derzeit mit Kosten von 280 bis 300 Millionen Euro beziffert. „Nachdem es sich um das einzige größere ÖV-Projekt für Linz handelt, gehe ich davon aus, dass mit der vom Land angekündigten Öffi-Offensive nicht nur Projekte wie die Pettenbach-Bahn gemeint sind, sondern auch ein solch wichtiges Vorhaben für den Zentralraum“, betont der Linzer Stadtchef. 

Eine Änderung der unterirdisch geplanten Trasse auf eine oberirdische Lösung kommt derzeit für ihn nicht mehr in Frage: „Jahrelang wurde der Streckenverlauf von Experten und der Politik entwickelt und festgelegt, das jetzt zu ändern, würde das Projekt nicht effizienter machen, die Bim wurde an diesen neuralgischen Orten wie ein Bus nur im Stau stehen und etwa entlang der Gruberstraße hätten wir kaum Platz für eine Bim-Trasse, ohne bei den Leuten vor den Schlafzimmern vorbeifahren zu müssen. Zudem haben wir ja in Urfahr bereits auf eine unterirdische Trasse verzichtet, obwohl wir dies für sinnvoller hielten.“

Linzer ÖVP fordert Finanzierungs-Plan

„Eine solide Finanzsituation ist für die dringend nötigen Verkehrsinfrastruktur-Vorhaben absolut notwendig. Die budgetäre Lage in Linz ist leider sehr angespannt. Luger ist nun gefordert, einen klaren Plan auf den Tisch zu legen“, kommentiert Klubobmann Martin Hajart die lückenhafte Finanzplanung, die einmal mehr bestätigt, wie wichtig transparente und solide Stadtfinanzen wären.

Land: „Abstimmungsarbeiten laufen weiter“

„Derzeitig prüft der Rechnungshof die Durchbindung der Mühlkreisbahn zum Linzer Hauptbahnhof und damit indirekt die 2. Linzer Schienenachse. „Dass der Rechnungshof ein Projekt in diesem finanziellen Umfang überprüft ist gut und auch richtig. Trotz Prüfung des Rechnungshofs gehen die Abstimmungsarbeiten ungehindert weiter um, etwaige Detailfragen zu klären“, stellt Steinkellner klar. Die baulichen Abstimmungen haben Einfluss auf die zu veranschlagenden Projektkosten.


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